„Wir dürfen nix verstolpern“

von Redaktion

Ministerpräsident Söder mahnt Kommunalpolitiker bei Forschungszentrum zur Eile

Waldkraiburg – Einen „Riesentechnologieschub für den Landkreis“ erwartet sich Markus Söder vom Zentrum für biobasierte Materialien (ZBM), das am Standort Waldkraiburg entstehen soll (wir berichteten). Gestern legte der Ministerpräsident bei einem Zusammentreffen mit Kommunalpolitikern, Vertretern aus Wirtschaft und Schulen in den Räumen des Gummiwerk KRAIBURG ein Bekenntnis zur Wissenschaft im ländlichen Raum ab. Forschung sei nicht nur in Ballungszentren möglich und notwendig.

Elf Millionen Euro
Anschubfinanzierung

Söder, der das ZBM in Waldkraiburg vor wenigen Wochen auch in seiner Hightech-Agenda für Bayern genannt hatte, stellte sich bei diesem Besuch einmal mehr hinter das Vorhaben. Mit Forschungseinrichtungen wie dem ZBM nehme man die Herausforderung des Klimawandels an, nachhaltige Kunststoffe aus dem heimischen Rohstoff Holz und nicht mehr aus Erdöl zu gewinnen.

Elf Millionen Euro steckt der Freistaat in den nächsten fünf Jahren nach Söders Worten „als Anschubfinanzierung“ in das Projekt. Bereits für das laufende Jahr sind laut Staatskanzlei 2,7 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt. Die staatlichen Mittel fließen für Personal und Technik. Für Gebäude, Miete, Strom müssen der Zweckverband für den Hochschulcampus Mühldorf-Waldkraiburg und die Stadt aufkommen.

Ausdrücklich forderte der Ministerpräsident die verantwortlichen Kommunalpolitiker auf, „das Projekt so schnell wie möglich zu verwirklichen. Wir dürfen nix verstolpern.“

Huber: Standortsuche
beschleunigen

Bei der Standortsuche seien jetzt der Zweckverband und vor allem die Stadt Waldkraiburg gefordert, sagte der CSU-Landtagsabgeordnete Marcel Huber am Rande des Söder-Besuchs. „Wir brauchen Geschwindigkeit bei der Standortentscheidung“, so Huber, den der Ministerpräsident als „Spiritus Rector“ des Projekts bezeichnete. „Es liegt an der Region, aus der Zusage des Freistaats etwas Vernünftiges zu machen.“

Mehrere mögliche Standorte sind im Gespräch, nach unbestätigten Informationen auch ein Bereich des ehemaligen Peters-Geländes, das im vergangenen Jahr die Aicher-Stiftung erworben hatte.

Noch in diesem Jahr müsse die Standort-Entscheidung fallen, die Hochschule müsse noch heuer Personal suchen, so Marcel Huber. Mit fünf Mitarbeitern soll das ZBM an den Start gehen. Es sei außerordentlich schwierig, das wissenschaftliche Personal zu werben, sagt Professor Heinrich Köster. In „zwei, drei Jahren“ sollte das Zentrum vor Ort die Arbeit aufnehmen können, so der Präsident der TH Rosenheim, der das Forschungszentrum angegliedert ist. „Langfristig“ hält Köster einen Forschungsstandort mit 30 bis 40 Mitarbeitern für möglich.

Mittelfristig kann
Region profitieren

Dieser wäre in einen größeren Verbund mit dem Chemiestandort Burghausen, mit dem TUM Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit sowie der Uni Regensburg eingebunden.

Nicht zufällig war der Termin in einem der beiden Unternehmen der KRAIBURG Holding in Waldkraiburg angesetzt. Das Gummiwerk und die TPE, die zusammen am Standort rund 800 Mitarbeiter beschäftigen, entwickeln und produzieren Gummi- und Kautschuk-Mischungen sowie thermoplastische Elastomere (Kunststoffe), die im industriellen wie im Konsumbereich weltweit erfolgreich Anwendung finden.

Mittelfristig könnten die Unternehmen der KRAIBURG Holding von der Arbeit des Forschungszentrums profitieren, sagt Dr. Adolf Zeller, einer der Geschäftsführer der Holding. Die örtliche Nähe erleichtere den Austausch mit der Hochschule. Es gebe bereits regelmäßige Gespräche. Laut KRAIBURG-Geschäftsführerin Daniela Schmidt-Kuttner ist zudem ein Rahmenvertrag zwischen Holding und Hochschule „im Entstehen“.

Bürgermeister Robert Pötzsch nimmt den Besuch des Ministerpräsidenten als deutliches Zeichen dafür, dass die bayerische Staatsregierung zum Forschungszentrum in Waldkraiburg stehe. Zur Standortsuche sagt Pötzsch: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Wir sind in engem Kontakt zur Hochschule und zum Zweckverband Hochschulcampus.“

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