Waldkraiburg – Bei der Podiumsdiskussion des Kreisjugendrings Mühldorf (KJR) in der Schenkerhalle kamen viele Themen aufs Tapet, die die Jugend im Landkreis betreffen. In der knapp dreistündigen Veranstaltung hatten die Kandidaten vor etwa 80 Zuhörern Gelegenheit, ihre Positionen zu drei Themenblöcken darzustellen.
Anwesend waren Ulli Maier (UWG), Martin Wieser (AfD), Angelika Kölbl (SPD), Cathrin Henke (Bündnis 90/ Die Grünen) und Peter Corticelli (FDP). Max Heimerl (CSU) musste aus terminlichen Gründen absagen, wurde aber vertreten vom Vorsitzenden der JU im Landkreis, Thomas Perzl. Heimerl stieß später noch zu der Veranstaltung.
Moderiert wurde die Diskussion von Samuel Pinkofsky, der die Jugendpolitikgruppe des KJR betreut. Folgende Themenblöcke standen im Mittelpunkt: Freizeitgestaltung für Jugendliche, Bildungspolitik und Verkehr/Umwelt. Fragen aus dem Publikum kamen auch zu senioren- und bundespolitischen Themen.
Jugend
und Freizeit
Wie schaut aus Sicht der Landratskandidaten ein sinnvolles Freizeitangebot für Jugendliche aus? Martin Wieser verwies auf die Vereine, in denen Jugendlichen erleichtert werden sollte, Trainer oder Übungsleiter zu werden. Angelika Kölbl würde darauf achten, was in Sachen Sportstätten fehle. Cathrin Henke will die Gemeinden unterstützen, Jugendtreffs zu gestalten, und Schülervertretungen stärken. „Wo es notwendig ist, muss es aber auch mehr interkommunale Zusammenarbeit geben.“ Für Peter Corticelli ist es wichtig, mit Betroffenen den Dialog zu suchen. „Ich würde Eigenverantwortung fördern. Bei all den Regularien ist es schwierig, Verantwortung zu übernehmen.“ Thomas Perzl würde einen runden Tisch mit den Vereinsvertretern organisieren. Ulli Maier weist darauf hin, dass für viele Turnhallen die Gemeinden zuständig sind und man als Landrat nur moderierend eingreifen könne. Man sollte aber den Kommunen genügend Geld lassen, damit sie Freizeitmöglichkeiten gestalten können.
Bildung und
Förderzentrum
Im Themenbereich Bildung nahm das Förderzentrum breiten Raum ein. Dort sei in den letzten Jahren viel versäumt worden, findet Cathrin Henke, die sich vor allem für das Förderzentrum einsetzen will. Peter Corticelli würde das Thema den Spezialisten überlassen. Thomas Perzl möchte in der Digitalisierung vorankommen: „Mancher Lehrer bräuchte da selbst Nachhilfe.“ Ulli Maier sieht das Thema Förderzentrum stark auf der Agenda. Der angedachte Schultausch sei an der Mittelschule gescheitert, die einen hohen Platzbedarf angemeldet hat. Martin Wieser möchte ein Jugendparlament installieren, das sich mit den Kreisräten konstruktiv auseinandersetzt. „Warum geben wir ihnen nicht ein Budget, da dürfen sie mitentscheiden.“ Angelika Kölbl sieht den Landkreis auf dem richtigen Weg. Man müsse aber an Schulen mehr über politische Bildung sprechen.
Auf die Frage aus dem Publikum, welche Rolle das Elternhaus bei der politischen Bildung von Jugendlichen spiele, reagierten die Kandidaten unterschiedlich, verwiesen aber auch auf Schulen, Freundeskreis und Organisationen als Ort der Politisierung und um zu diskutieren. Nicht nur das Elternhaus sei relevant.
Wie kann der Verkehr umweltfreundlicher werden? Cathrin Henke forderte eine stündliche Anbindung aller Ortschaften, mehr Bürgertaxis, Mitfahrbankerl und eine Schülerflat. Peter Corticelli sieht zukünftig die Vernetzung aller Mobilitätsangebote als Lösung. Thomas Perzl war ebenfalls für eine Schülerflat und sieht in der E-Mobilität die Zukunft, aber Nachholbedarf in der Ladeinfrastruktur. Ulli Maier brach eine Lanze für das Umweltfreundlichste – Fahrradfahren. Bei einer Umfrage in Industriebetrieben sei rausgekommen: „Keiner der Azubis ist mit dem ÖPNV gefahren. Das liegt an den flexiblen Arbeitszeiten.“ Martin Wieser wollte Ruftaxis oder Rufbusse in Zusammenarbeit mit anderen Landkreisen einführen. Angelika Kölbl setzt darauf, „dass jeder vor seiner eigenen Tür anfängt“: Fahrzeuge umstellen und Carsharing als Alternative zum Privat-Pkw.