Hoffnung für Mittergars?

von Redaktion

Bundesministerium nimmt Stellung zur möglichen Wiedereröffnung des Bahnhalts

Gars – Seit dem 15. Dezember kann der Bedarfs-Bahnhaltepunkt Mittergars nicht mehr von Fahrgästen genutzt werden. Auf einem Sperrgitter wirbt ein freundliches Schreiben der Südostbayernbahn um Verständnis und bietet einen „Kundendialog“ an.

Der Stilllegung vorausgegangen waren Diskussion über diese Maßnahme der Bahn im Gemeinderat schon im vergangenen Juli (wir berichteten) und eine Aussprache zwischen einem Vertreter der Südostbayernbahn, Bürgermeister Norbert Strahllechner und Mittergarser Bürgern im Rathaus.

Fahrgastaufkommen
geht zurück

Derzeit ergibt sich folgendes Bild: Für die Streichung des Bahnhalts Mittergars machte die Südostbayernbahn in erster Linie ein zunehmend sinkendes Fahrgastaufkommen geltend, das den Zeitverlust durch einen Bedarfshalt der Züge nicht mehr rechtfertige. Aber auch die Sanierungsbedürftigkeit des Bahnsteigs, nicht erfüllte Sicherheitsstandards und die fehlende Barrierefreiheit wurden zur Begründung der Maßnahme angeführt.

In Wahrnehmung der Interessen der Marktgemeinde, besonders der Bürger des Ortsteils Mittergars, wandte sich Bürgermeister Strahllechner noch vor der angekündigten Schließung schriftlich an den Bundesminister für Verkehr, Andreas Scheuer, sowie an zuständige Stellen der Bahn und machte gewichtige Gründe für die Beibehaltung der Bedarfshaltestelle geltend. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sei gerade im ländlichen Bereich unverzichtbar, um die Mobilität der Bürger sicherzustellen und zugleich der Verantwortung für das Klima gerecht zu werden. Schließlich seien dies erklärte Ziele sowohl des Landesamts für Umwelt in Bayern als auch des Umweltbundesamtes. Sinkende Fahrgastzahlen seien vor allem als Folge der ungünstigen Rahmenbedingungen zu sehen, die die Nutzung der Bahn von vorneherein unmöglich machten. So hätten Pendler und andere Bahnnutzer aufgrund des ungünstigen Fahrplans keine ausreichenden Möglichkeiten, Heimfahrten in zumutbarer Zeit anzutreten beziehungsweise Einkäufe und Arztbesuche in den Ballungszentren Rosenheim, Wasserburg, Waldkraiburg oder Mühldorf zu erledigen. Auch hätten es bisher Einwohner und besonders Ortsunkundige gescheut, wegen eines fehlenden Fahrkartenautomats und unklarer Bedingungen für das Nachlösen der Fahrkarten im Zug die Bahn zu nutzen und damit auf Pkw-Fahrten zu verzichten.

Schon im August 2018 hatte sich auch der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer (CSU) in einem Schreiben an die Deutsche Bahn AG gewandt. Darin äußerte er „große Sorge und absolutes Unverständnis“ für die Schließung des Bahnhaltepunkts und sprach von einem Rückschlag für die Region. Gerade weil der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) für die Bevölkerung im ländlichen Bereich für das Erreichen des Arbeitsplatzes so wichtig sei, dürfe er nicht eingeschränkt werden. Nur ein funktionierender ÖPNV trage dazu bei, dass man eher auf ein eigenes Auto verzichte und auch bereit sei, den Lebensmittelpunkt in den ländlichen Bereich zu verlegen. Und schließlich liege es in der Verantwortung eines Wirtschaftsunternehmens wie der Bahn, mit Hilfe eines gut vernetzten ÖPNV an der Erreichung der Pariser Klimaziele mitzuwirken. Vor diesem Hintergrund hoffen die Bürger von Mittergars auf die Wiedereröffnung ihres Bahnhalts. Den Standpunkt ihres rührigen Dorfforums gibt Fritz Gottwald wieder, wenn er sagt: „Wir brauchen den Haltepunkt schon jetzt im Rahmen der ländlichen Entwicklung, aber auch im Blick auf die berufliche Zukunft unserer Kinder.“

Südostbayernbahn macht Zusage

Wie Bürgermeister Norbert Strahllechner mitteilte, liegt eine Zusage seitens der zuständigen Stellen bei Südostbayernbahn beziehungsweise Bayerischer Eisenbahngesellschaft vor, dass das vorhandene Grundstück im Bahnbereich nicht veräußert wird und auch ein Ausbau und die Wiedereröffnung des Bahnhalts erfolgen kann, sobald dafür vonseiten des Bundes ein Betrag von etwa 500000 Euro zur Verfügung gestellt wird.

Gerade dazu hat das Bundesministerium für Verkehr (kürzlich in einem Antwortschreiben an die Marktgemeinde Stellung genommen: Der Schienenausbau im ländlichen Bereich wird ausdrücklich begrüßt und man teilt mit, dass die Deutsche Bahn AG, die regelmäßig mit ausreichend hohen Bundesmitteln ausgestattet werde, eigenverantwortlich über den wirtschaftlichen Einsatz dieser Mittel entscheiden müsse.

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