Waldkraiburg – Es geht um den Austausch von Kulturen auf der einen Seite, um das Vermitteln von Medienkompetenz und kritischem Denken auf der anderen Seite: Das Projekt „CultureXChange“ des Kreisjugendrings ist in die nächste Runde gestartet. Die Ergebnisse wurden im Waldkraiburger Kino Cinewood präsentiert.
Geburtstagslieder
aus aller Welt
Schüler ab der siebten Jahrgangsstufe sollten in einem Projekt lernen, mit modernen Medien zu arbeiten und einen etwa 15-minütigen Film zum Thema „Kultur und ihr Wandel“ drehen. Vorsitzende Veronika Schneider betonte eingangs die immer mehr zunehmende Bedeutung der Medienpädagogik. Zweiter Bürgermeister Richard Fischer hielt es für wichtig, dass filmisch dargestellt werde, was die Jugend im 21. Jahrhundert bewegt. Danilo Dietsch vom Medienunternehmen Q3 interviewte nach der jeweiligen Filmvorführung die Mitwirkenden.
Den ersten Beitrag präsentierte die Sprachintegrationsklasse der Staatlichen Berufsschule I aus Mühldorf. Hier wurden Geburtstagslieder aus aller Welt thematisiert, beispielsweise aus Rumänien, Syrien oder Afghanistan. Es kristallisierte sich heraus, dass die Melodie oft bekannt war wie etwa „Zum Geburtstag viel Glück“, nur der Text war eben in einer anderen Sprache.
Ein zweiter Schwerpunkt der Arbeit der Sprachintegrationsklasse lag auf Vornamen und deren Bedeutung: Lucija bedeutet so zum Beispiel „Licht“, Merveille „die Wunderbare“ und Roxana „Dattelpalme“. Die Schüler befragten auch Alexander Ring vom Einwohnermeldeamt Mühldorf nach häufigen Namen: Dies sind momentan Lena, Emily oder Anna bei Mädchen, Lukas oder Johannes bei Jungen. Hildegard oder Herbert sind derzeit weniger populär, Pumuckl, Coca Cola oder Prinz verboten.
Die Klasse 8b des Gymnasiums Waldkraiburg lieferte einen Bericht über Bräuche und Traditionen in den unterschiedlichen Kulturen. Ausländische Mitbürger benannten als deutsche Traditionen Pünktlichkeit, Autobau und Speisen wie Schnitzel, Schweinebraten oder Leberkäse. Feste wie Weihnachten, Kirchweih oder Volksfeste hielten viele Befragte für „typisch Deutsch“.
Da in Waldkraiburg viele türkische Mitbürger leben, wurde ein Schwerpunkt auf die Türkei gelegt. Unterschiede bestehen beim Essen, bei der Musik und beim Tanzen. Während Türken alles miteinander teilen, legen Deutsche im Urlaub gerne um 5 Uhr morgens ihr Handtuch auf einen Liegestuhl. Ein letztes Thema beschäftigte sich mit Indien, befragte Passanten verwiesen dazu auf Begriffe wie „scharfes Essen“, „Yoga“ oder „Armut“.
Die Gruppe vom Projekthaus Jagus hatte das Thema „Vorurteile“ gewählt. Eine Erkenntnis: Ausländer sind Menschen wie du und ich. Ob jemand gut oder böse ist, hänge nicht von der Nationalität ab, sondern vom Individuum. Wichtig seien die Freundlichkeit und der gegenseitige Respekt voreinander. Auch von Bedeutung sei es, die Sprache des Gastlandes zu erlernen und sich an dessen Sitten und Gebräuche anzupassen. Zuletzt kam das P-Seminar des Mühldorfer Ruperti-Gymnasiums zu Wort. Ein P-Seminar beschäftigte sich mit einem bestimmten Projekt. Hier war das Thema „Viele Gesichter – eine Welt“.
Bedeutung
der Sprache
Auch diese Gruppe arbeitete die Bedeutung der Sprache für die Integration in einem anderen Land heraus. Nach der Sprache, so ein Befragter, müsse man die Fachsprache lernen, später sich Berufskenntnisse aneignen. Viele Schulkinder erklärten, dass sie sich daheim in ihrer Muttersprache unterhalten. Interviews ergaben Unterschiede zwischen den jeweiligen Schulsystemen, in Kroatien zum Beispiel dauert die Grundschule acht Jahre, erst dann erfolgt die Spezialisierung auf bestimmte Schulen.
Unterschiedliche Aspekte arbeiteten die Gruppen in ihren Beiträgen heraus. Doch in einem Punkt waren sie sich einig: Alle würden wieder an dem Projekt teilnehmen.