Seit 39 Jahren zusammen: Rosanne Wöhrl (59), Hausfrau, und Anton Wöhrl (59), Landwirtschaftsmeister und Besamungstechniker.
Gars/Mühldorf – Zu einem Dankgottesdienst für Ehepaare hatte der Kreiskatholikenrat zusammen mit Dekan Franz Eisenmann und Landkreisdekan Pater Ulrich Bednara in die Pfarr- und Klosterkirche Gars eingeladen. Etwa 60 Paare waren der Einladung gefolgt, um für ihre Partnerschaft zu danken und Gottes Segen für die gemeinsame Zukunft zu erbitten.
In den Mittelpunkt seiner Begrüßung stellte Pater Bednara das Gedenken an den heiligen Bischof Valentin sowie die Legenden im Umkreis seines Lebens, die schließlich dazu geführt hätten, dass er dem Valentinstag den Namen gab und trotz schwieriger historischer Zuordnung bis heute als der Patron der Liebenden gilt.
Valentin habe die Liebe Gottes erfahren und habe bis ins Martyrium hinein seinem Glauben nicht abgeschworen. In der Predigt erzählte Bednara die Legende von einem Engel, der in früher Morgenstunde den schützenden weißen Mantel Valentins über einen Menschen hält, der zu seinem geliebten Partner eilt. Über die Legenden, deren Wurzeln bis in die vorchristliche, naturmythische Zeit reichen, spannte Bednara den Bogen zu den biblischen Texten: In der Lesung aus dem Hohen Lied und im Evangelium von der Sünderin, die Jesus ihre Liebe erweist und damit den Pharisäer beschämt, werde gezeigt, wie wunderbar es Gott mit uns meint. Er sei mit den Liebenden: Seine Liebe sei höher als unsere Vernunft, größer als das Leben und stärker als der Tod.
Geheimnis einer langen Beziehung
Im Anschluss an den Gottesdienst, den die Derfi-Musi aus Altmühldorf mit festlich-sakraler Musik gestaltete, segneten die beiden Zelebranten die Ehepaare. Christine Schmid, Vorsitzende des Kreiskatholikenrates, verteilte Blumenpräsente an die Paare und mit einem Stehempfang im Klostercafé klang der Nachmittag aus.
Ehepaare verraten hier ihre Rezepte für eine lange Liebe.
• Die Wöhrls aus Gars: „Wenn man sich mag, dann ist man gerne zusammen“, sind sich die Wöhrls einig. Das Paar ist seit 39 Jahren verheiratet, hat vier erwachsene Kinder und demnächst sieben Enkelkinder. Auf einem großen Hof lebt man mit der Oma sowie der Familie des Sohnes, die im eigenen Haus wohnt, in einer Großfamilie zusammen. Auf Hochs und Tiefs einer Ehe angesprochen, meint Anton lachend: „Die Arbeit schweißt zusammen, und da überlegt man nicht lange, was einem nicht gefällt, und zum Streiten bleibt schon gar keine Zeit.“ Und Rosanne fügt hinzu: „Wir sind Familienmenschen, aber die Zeit, in der wir mal nur zu zweit und für uns sind, genießen wir ebenso sehr.“ Ein solcher Segensgottesdienst sei ihnen wichtig, er gebe ihnen ein gutes Gefühl und die Gelegenheit, ihre Dankbarkeit für die vielen gemeinsamen Jahre auszudrücken. Und aus vollem Herzen sprechen die beiden ihre Hoffnung aus, noch viele glückliche Jahre zusammen sein zu dürfen.
• Die Gößls aus Waldkraiburg: Mit Überzeugung stellen die beiden fest, dass gegenseitige Liebe für das gemeinsame Leben Voraussetzung ist. Sie leben seit acht Jahren in einer zweiten Ehe, Bernfride hat einen erwachsenen Sohn, Kurt brachte zwei Söhne und eine Tochter mit, dazu noch Enkelkinder.
Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit müsse das Zusammenleben auch in einer Patchworkfamilie bestimmen, nur so könne man sich selber treu bleiben, sind sich die beiden einig. „Man geht gereift in eine zweite Bindung“, sagt Bernfride und für beide sei es eine gute Erfahrung gewesen, dass es am Beginn ihrer Ehe eine kirchliche Segensfeier in einem Sonntagsgottesdienst gab. Wenn es auch kein kirchliches Ja für eine zweite Ehe gebe, so sei es doch wichtig gewesen, für ihre Verbindung den Segen Gottes zu erhalten. Die erneute Segnung im Gottesdienst bedeute ihnen, Schutz für ihr gemeinsames Leben zu bekommen und Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahre auszudrücken.
• Die Bauernschmids aus Mittergars: Auf bemerkenswerte 62 Jahre glücklicher Ehe kann das Paar zurückblicken und man merkt ihm an, dass es dankbar auf diese Zeit zurückblickt. Zwei erwachsene Kinder, ein Sohn und eine Tochter, sind aus der Ehe hervorgegangen. Darauf angesprochen, wie sie denn die gemeinsamen Jahre erlebt hätten, fallen den beiden gleich Jahre der Armut und der Entbehrungen ein. Man habe zusammenhalten und sich gegenseitig helfen müssen. Freude habe es gemacht, die Kinder aufzuziehen, sagt Maria Bauernschmid.
Ein Versprechen gibt Halt im Leben
„Die Tochter ist während unserer Zeit in Kraiburg geboren und unser Sohn in Rosenheim“, ergänzt Georg: „Damals wechselte meine Firma dorthin, die Jahre dort brachten uns eine schöne Abwechslung.“ Der Segnungsgottesdienst war den beiden wichtig, weil ihnen der Glaube viel bedeutet. Er sei auch immer wieder für die Kirche aktiv gewesen, zum Beispiel im Pfarrgemeinderat, sagt Georg und Maria fügt hinzu, dass man sich nach dem Glauben richte, besonders auch in Krankheitstagen.
• Die Kitzeders aus Lengmoos: Das Versprechen, das sich die beiden vor 38 Jahren vor Gott gegeben haben, habe auf „gegenseitiger Liebe, Zuneigung und Vertrauen“ beruht, sagen beide übereinstimmend. Das gibt einem einen Halt im Leben, fügen sie hinzu. „Im Laufe der Zeit hat man sogar gelernt, sich auch ohne Worte zu verstehen“, meint Maria Kitzeder. Die Erziehung ihrer drei mittlerweile erwachsenen Kinder, zwei Töchter und ein Sohn, habe Nähe und Freude gebracht und sie zusammengeschweißt. Den Zusammenhalt der Familie sehen sie als gemeinsame Aufgabe, neue Gemeinsamkeit gelte es zu finden, wenn die Kinder aus dem Haus seien. Mit dem Besuch des Segnungsgottesdienstes, so sagen sie, wollten sie ihr Vertrauen auf Gott dokumentieren. Auch die Gemeinschaft mit anderen Ehepaaren, die 40, 50 oder gar 60 Jahre zusammen seien, bedeute ihnen etwas, denn es sei wie eine Bestätigung. Und wie aus einem Mund bekennen die beiden: „Es war der richtige Weg, wir würden’s wieder so machen.“