Ein Film und die Folgen

von Redaktion

SPD-Fraktion distanziert sich von ihrer Sprecherin

Waldkraiburg – Der Haussegen hängt schon länger schief in der SPD-Stadtratsfraktion. Dass sich Fraktionssprecherin Susanne Engelmann in einem Werbefilm jetzt öffentlich für die Wahl des UWG-Bürgermeisters Robert Pötzsch ausspricht, obwohl die SPD mit Richard Fischer einen eigenen Kandidaten stellt, empfinden die SPD-Mitglieder in der Fraktion als No go. „Ich habe ihr in der Fraktionssitzung gesagt, dass wir uns nicht mehr durch sie vertreten fühlen“, sagt Alex Will. Es werde keine gemeinsame Sitzung mehr mit Engelmann geben.

Weitergehende Schritte, etwa eine Abwahl der Fraktionssprecherin, will laut Alexander Will niemand. „Das bringt doch nichts in den letzten Wochen.“ Schon am 30. April endet die Amtszeit des amtierenden Stadtrates, kurz zuvor ist eine letzte Stadtratssitzung. Es ist also fraglich, ob es überhaupt noch einer Fraktionssitzung bedurft hätte.

Keine Abwahl, kein Rücktritt. Alle Beteiligten bemühen sich darum, eine öffentliche Auseinandersetzung zu vermeiden. Auch die vorbereitete Haushaltsrede durfte Engelmann im Stadtrat halten.

Die parteilose Susanne Engelmann sitzt seit 24 Jahren für die SPD im Stadtrat, kandidierte 2002 und noch einmal 2008 für das Bürgermeisteramt und erreichte bei den Stadtratswahlen stets Spitzenergebnisse. 2020 bewirbt sie sich nicht mehr um ein Mandat. Auf der SPD-Liste wäre dies auch nicht mehr möglich gewesen. Der Ortsverein hatte die Liste für Kandidaten ohne Parteibuch geschlossen.

Im Kommunalwahlkampf macht Engelmann Werbung für den Amtsinhaber, Robert Pötzsch von der UWG, In einem Video, das unter anderem vor allen Vorstellungen im Waldkraiburger Kino läuft, spricht sie sich klar für dessen Wiederwahl aus. „Ich halte ihn für den besten Kandidaten. Da stehe ich dazu“, sagt die Stadträtin auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Sie habe aber auch Verständnis für die Reaktion ihrer Fraktionskollegen.

Richard Fischer, Zweiter Bürgermeister und wie schon 2014 auch diesmal Bürgermeisterkandidat der SPD, will „das Filmchen nicht weiter bewerten“. Fischer, der selbst nicht in der Fraktionssitzung anwesend war, gibt sich enttäuscht. „Ich war überrascht, das hatte ich nicht erwartet.“

Alex Will wird deutlicher. „Ich war schockiert, als ich von dem Video erfahren habe. Politisch gesehen ist das nicht in Ordnung.“ Aus seiner Sicht passt es zwischen den parteilosen Fraktionsmitgliedern, neben Engelmann auch Andreas Knoll, und den vier Mitgliedern mit SPD-Parteibuch „inhaltlich“ schon seit zwei Jahren nicht mehr.

Den „Knackpunkt“ sieht er beim Thema Waldbad. Während sich die SPD-Mitglieder entschieden für den Erhalt und die Sanierung eingesetzt hätten, habe sich der „UWG-nahe“ Teil der Fraktion um Engelmann „von uns entfernt“.

Artikel 1 von 11