Abschied von Anni Pfeil

von Redaktion

NACHRUF Gastwirtin aus Kloster Au zu Grabe getragen

Gars/Au – Eine große Trauergemeinde, darunter zahlreiche Vereine mit Fahnenabordnungen, die in der Klosterkirche Au kaum noch Platz fand, nahm Abschied von Anni Pfeil, „der Wirtin von Kloster Au“, und begleitete sie auf ihrem letzten Weg.

Als sechstes Kind der Eheleute Josef und Pauline Schußmüller wurde Anna am 7. Juni 1937 geboren und wuchs in Trescherberg auf. Schon mit 15 Jahren übernahm sie nach dem frühen Tod ihrer Mutter den Haushalt auf dem elterlichen Hof, bis eine Haushälterin kam und Anna einen Kurs in der Haushaltungsschule besuchen konnte.

Danach war sie zunächst ihrem Bruder Wast in der Gastwirtschaft behilflich, dann als Haushaltskraft in einer Privatklinik in Rosenheim und als Köchin in Tegernsee tätig. Im Jahr 1966 heiratete sie ihren Ehemann Franz Pfeil und wurde Wirtin in Kloster Au. Ein lang gehegter Kinderwunsch der beiden ging mit der Geburt der Zwillinge Franz und Alexander im Jahr 1971 in Erfüllung. Früh musste sie Abschied von ihrem Mann nehmen, der im Jahr 2002 verstarb.

Wirtin mit Leib
und Seele

Ihr arbeitsreiches Leben war geprägt von ihrem Einsatz als Geschäftsfrau, zunächst noch an der Seite ihres Mannes und schließlich als Wirtin des traditionsreichen Gasthauses, eine Aufgabe, die sie nach übereinstimmenden Aussagen all derer, die sie kannten, über 54 Jahre hin bis zuletzt mit „Herzblut“ erfüllte. Mit Hingabe umsorgte sie ihre Gäste und pflegte immer ein gutes Verhältnis zu ihrem Personal, auf dessen volle Unterstützung sie auch bei fortschreitender Krankheit zählen durfte.

In Au galt sie, die „mit Leib und Seele“ Wirtin war, bald als „Institution“, wie viele ihrer Gäste heute feststellen. Zahlreiche Vereine wie Feuerwehr, Schützenverein, Gartenbau-, Mütter- und Theaterverein, Krieger- und Soldatenkameradschaft, Fischereiverein und Frauenstammtisch fanden im Gasthaus Pfeil eine Anlaufstelle für Veranstaltungen und Feiern. Bald wurde Anni deswegen liebevoll „Herbergsmutter“ genannt. „Legendär“, so erzählt man, waren die Faschingsbälle des „Hacklsteckaclubs“ und ergänzt, dass die Wirtin nach der Feier noch bis in die frühen Morgenstunden hinein dafür sorgte, dass der normale Geschäfts- und Gaststättenbetrieb am Tag wieder aufgenommen werden konnte.

Sie hatte ein
riesengroßes Herz

Ein riesengroßes Herz habe sie gehabt und über Leute, die sie in ihrer Küche besuchten, habe sie sich gefreut. „Für alle hatte sie ein offenes Ohr und für jeden ein gutes Wort“, sagt ein Stammgast, der sich auch an Hoagartn-Treffen im Gasthaus erinnert. Einen besonderen Draht hatte die Wirtin zur Auer Jugend: Oft saß man abends zusammen und dabei entwickelten sich lange und gute Gespräche. Obwohl selbst wenig herumgekommen, wird ihr Weltoffenheit und Interesse an vielen Themen bescheinigt, die tägliche Zeitungslektüre sei für sie ein Muss gewesen. Und selbst noch in den letzten Jahren, als es ihr gesundheitlich schlechter ging, ließ sie es sich nicht nehmen, täglich in der Küche des Gasthauses zu sitzen und „mitzuwerkeln“.

Für Gläubige gibt es
kein sinnloses Leid

Am 14. Februar schloss Anni Pfeil nach langewährender Krankheit und kurzem Krankenhausaufenthalt für immer die Augen. Auf ihr arbeitsreiches Leben und erfahrenes Leid anspielend verglich Dekan Pater Bednara in seiner Predigt den Weg der Menschen mit Leid und Tod Jesu am Kreuz. Zwar bleibe es ein Geheimnis, warum Gott Leid auferlege, aber für den, der an Christus glaube, gebe es kein sinnloses Leid.

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