Waldkraiburg – Nach vier Jahren endet die Amtsperiode des Waldkraiburger Seniorenbeirats. Der ehrenamtliche Beirat, der als Bindeglied zwischen den älteren Bürgern und der verantwortlichen Politik und Verwaltung im Rathaus fungiert, stellt sich in der nächsten Woche neu auf. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich in einer Versammlung am Donnerstag, 12. März, ein Bild von der Arbeit des Gremiums machen, und von den Möglichkeiten, sich mit Anregungen, Wünschen, Ideen einzubringen. Die Versammlung beginnt um 14.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Am 30. März ist die konstituierende Sitzung geplant. Im Interview wirbt Erika Fischer (78), die langjährige Vorsitzende des Seniorenbeirats, um neue Mitglieder, verrät, warum vor allem Männer gesucht werden und auf welches Projekt sie besonders stolz ist.
Frau Fischer, Sie arbeiten seit 17 Jahren im Seniorenbeirat mit, sind seit zwölf Jahren dessen Vorsitzende. Was macht Ihnen Freude an dieser ehrenamtlichen Arbeit?
Man kriegt sehr viele positive Rückmeldungen von Bürgern, von Besuchern unseres Nachmittagskinos zum Beispiel oder von Lesepaten in den Grundschulen. Es macht zufrieden, wenn etwas bei den Leuten gut ankommt. Ich hatte Glück: Der Lehrerberuf hat mir mein Schulleben lang Spaß gemacht. So ist es auch mit dem Engagement im Seniorenbeirat. Ich führe meine gute Konstitution auch darauf zurück.
Elf Prozent der Waldkraiburger sind 75 Jahre und älter, 20,5 Prozent, mehr als jeder Fünfte, 65 Jahre und darüber. Tendenz steigend. Welche Bedeutung hat der Beirat, gerade auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung?
Es ist schon bei der Arbeit am seniorenpolitischen Gesamtkonzept des Landkreises deutlich geworden, dass der Anteil der Senioren in der Stadt hoch ist. Der aktuelle Zuzug wird das eher noch verstärken. Um so wichtiger ist es, einen starken und einsatzfreudigen Seniorenbeirat zu haben. Über mangelnde Unterstützung durch die Stadt können wir uns nicht beklagen. Die Zusammenarbeit läuft sehr gut.
Was hat der Seniorenbeirat in der vergangenen Amtszeit erreicht? Worauf sind Sie stolz?
Das Projekt „Zusammen sind wir weniger allein“, das auf eine Anregung von Seniorenseelsorger Michael Tress zurückgeht, wurde sehr gut angenommen. Es wendet sich an ältere und allein stehende Männer und Frauen. Mit 15, 20 Leuten hatten wir beim ersten Treffen gerechnet. Auf Anhieb kamen 40. Mittlerweile hat sich eine Gruppe herauskristallisiert, die einmal im Monat wandert, andere besuchen gemeinsam Kulturveranstaltungen. Es gibt einen Spielenachmittag im Stifterheim. Es gibt gemeinsame Ausflüge und alle zwei Monate ein Treffen, das nächste am Donnerstag, 26. März.
Welcher Wunsch ist offen geblieben?
Bei der Mobilitätsmesse haben wir Lehrgeld bezahlt, da kamen relativ wenig Besucher. Wir hätten das stärker auf die Senioren zuschneiden sollen.
Am nächsten Donnerstag können Bürgerinnen und Bürger ihr Interesse an der Mitarbeit im neuen Beirat anmelden. Welche Voraussetzungen sollten sie mitbringen?
Eine genaue Altersgrenze gibt es nicht. Es kann sich jeder ab etwa 60 Jahren melden, der Interesse und ein bisschen Zeit hat, und vor allem Einsatzfreude. Einmal im Monat ist Sitzung, jede Woche Sprechstunde im Rathaus, aber da wechseln wir uns ab. Zur Zeit haben wir sechs Mitglieder, alles Frauen, die auch weiter machen weiter. Aber wir brauchen dringend Nachwuchs. Vor allem Männer. Gerne könnte einer den Vorsitz übernehmen.
Machen Sie selbst nicht mehr weiter?
Natürlich mache ich weiter, gerne auch als Vorsitzende, Aber ich klebe nicht an diesem Amt.
Welche Veranstaltungen stehen in der nächsten Zeit an?
Wir machen wieder Ehrenamtstage, heuer von 28. bis 30. Mai. Da können sich Gruppen und Institutionen präsentieren und Ehrenamtliche werben. Auch eine eigene Ü 60-Messe im Haus der Kultur gibt es wieder – am 20. September mit Gesundheitsvorträgen und Vorführungen im Saal und Infoständen vor der Tür. Diese Veranstaltung wird sicher wieder gut ankommen.
Welches große Projekt könnte der Beirat noch angehen?
Mein großer Wunsch ist ein Mehrgenerationenhaus für Waldkraiburg, wo es in einer Einrichtung ein Kommen und Gehen von Jungen und Alten gibt. So ein Haus, wie es Mühldorf mit dem Haus der Begegnung im Kleinen hat, das wäre für Waldkraiburg schon toll. Das ist Zukunftsmusik, aber man darf ja Träume haben.
Interview: Hans Grundner