Waldkraiburg – Würde der „Saftladen“ mit seinem Wahlprogramm antreten, er müsste wohl keine Stichwahl befürchten. Mit „So ein Kreuz“ haben die Kommunalkabarettisten ihr Publikum bei der Premiere im Haus der Vereine jedenfalls im Sturm erobert.
„So ein Kreuz“ knüpft an die besten Programme der Truppe an, die aus den Steilvorlagen aus der heißen Phase des Kommunalwahlkampfs in Stadt und Landkreis kabarettistisches Kapital schlägt. Da wird – wie könnte es in der Kulturstadt anders sein – gleich zu Beginn die Plakatschlacht auf Waldkraiburgs Straßen als Vernissage zu einer Ausstellung mit herausragenden Werken des „Post-Plakatismus“ inszeniert. Da jagt die Truppe alle vier Bürgermeisterkandidaten mit ihrer Wahlprognose durch ein Wellenbad der Gefühle. Und lässt im furiosen Finale einer Rocky Horror Picture Show Toni Sterr, „Listen- und Bürgermeistermacher“ der CSU in Strapsen, dem „Tennisprinzen“ Wolfgang Nadvornik, begleitet von den verzückten Cheerleadern der CSU-Frauen-Union, noch einmal politischen Nachhilfeunterricht geben.
Hart, aber herzlich – nach diesem Motto nimmt sich der Saftladen seine Kundschaft vor: Die „Waldkraiburg-Queens“ aus dem Stadtrat, Eva Köhr, Inge Schnabl, Annemarie Deschler und Susanne Engelmann, werden mit einem Abba-Song wehmütig verabschiedet. Und kurz darauf schonungslos scharf in „Wann ist ein Nazi ein Nazi“ bei der AfD die Grenze gezogen und die Wähler aufgefordert, genau hinzuschauen.
Die Kommunalkabarettisten ermöglichen ihren Zuschauern neue Perspektiven, gewähren einen Einblick „inside UWG“ mit einem ständig von Zweifeln getriebenen Bürgermeister Pötzsch, schauen in den Himmel der Mühldorfer SPD, schalten live in die Hirne der Landratskandidaten, die alle ein- und dasselbe Alleinstellungsmerkmal – „Digitalisierung und ÖPNV“ – teilen. Und erklären schließlich in einer der besten Nummern des Abends, was die Krankenhausfusion mit Altötting wirklich bedeutet: „Mühldorf schaut in die Röhre“.
Und weil der Saftladen schon lange nicht mehr nur urbi, sondern auch orbi, den ganzen Landkreis, bespielt, widmet er sich der Lederhosen-Affäre der Mettenheimer JU ebenso wie dem Wahlkampf in Kraiburg, lässt die reiche Aschauer Erbtante den drei Bürgermeisterbuberln und dem amtierenden Bürgermeister ordentlich den Kopf waschen. Und zeigt, wie die Flossinger Schwarzfußindianer schon wieder einen schwarzen Häuptling/Bürgermeister aus dem Weg räumen, und der CSU-Kreisvorsitzende Marcel Huber leidet, aber einfach nicht los kommt vom Marterpfahl seiner Partei.
Gut zweieinhalb Stunden geht das so, mit großer Spiellaune von Pointe zu Pointe, von Gag zu Gag. Der Saftladen kann die feinen Anspielungen für Kenner und ist sich auch nicht für den bloßen Klamauk zu schade. Ein Markenzeichen wie immer: die Texte sind brandaktuell. Bis zum letzten Tag wurde daran gearbeitet. Der Preis: vereinzelte Hänger, die zum Teil aber so gekonnt überspielt werden, dass es selbst dafür noch verdienten Szenenapplaus gibt.
Von jeher eine Stärke: die musikalische Begleitung durch die „Saftladen-Band“. Und ach ja, auch das fällt auf: Neben den alten Haudegen um Gesamtleiter Hans Langbauer füllen die Jüngeren wie Sarah Ebenbichler, Dominik Schlund und Rückkehrer Michael Gößl tragende Rollen aus. Im vierten Jahrzehnt ihres Bestehens sendet die Kabarettgruppe mit dem Programm „So ein Kreuz“ ein bemerkenswertes Lebenszeichen.
Vier Vorstellungen sind bereits ausverkauft, für die Aufführungen am Freitag, 13., und Samstag, 14. März, um 20 Uhr gibt es noch Karten im Haus der Kultur und im Haus des Buches.