Abschied von einem „großem Waldkraiburger“

von Redaktion

Trauerfeier für den verstorbenen Altbürgermeister und Ehrenbürger Jochen Fischer in der Christkönigkirche

Waldkraiburg – Mit einem Trauergottesdienst in der voll besetzten Christkönigkirche haben sich am Samstag die Familie, Freunde, Vereine und politische Wegbegleiter von Jochen Fischer verabschiedet, unter ihnen Landrat Georg Huber, Innenstaatssekretär Stephan Mayer sowie zahlreiche amtierende und ehemalige Bürgermeister und Kommunalpolitiker aus dem ganzen Landkreis. Der Ehrenbürger und Altbürgermeister, der 18 Jahre an der Spitze Waldkraiburgs stand, war am 1. März kurz vor Vollendung des 88. Lebensjahres verstorben.

„Suchet der Stadt Bestes“, diesen Vers aus dem Buch des Propheten Jeremiah, der im Foyer des Rathauses steht, habe Jochen Fischer als „sein Motto gelebt“, sagte Pater Bernhard Stiegler eingangs des Requiems, das er mit Pater Walter Kirchmann und Diakon Gregor Vorhauser feierte und das die Egerländer Trachtenkapelle musikalisch gestaltete. Stiegler charakterisierte den Verstorbenen als glaubensfesten Menschen, der sich viele Jahre ehrenamtlich in der Kirche engagiert hatte.

Er habe seinen Vorgänger in mehreren Gesprächen als Macher und Visionär kennengelernt, sagte Bürgermeister Robert Pötzsch. Fischer habe „das Gesicht Waldkraiburgs geprägt und die Geschichte der Stadt vorangetrieben“. In seine Amtszeit fallen viele Verbesserungen der städtischen Infrastruktur – „das Haus der Kultur war und ist sein Kind“ – und wichtige strategische Entscheidungen. Pötzsch nannte unter anderem das Vollgymnasium Waldkraiburg, die Übernahme der Stromversorgung und die Weichenstellung für die Geothermie. Von Fischers Mut und Entschlossenheit werde die Stadt in Zukunft noch profitieren.

„Einen großen Waldkraiburger“ nannte Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber den Verstorbenen. Fischer, der als Bub Flucht und Vertreibung erlebt hatte und sich in Bayern eine neue Heimat aufbauen musste, sei insofern ein typischer Waldkraiburger gewesen. Als Bürgermeister habe er „Waldkraiburg nicht nur gut verwaltet, sondern unermüdlich und in außergewöhnlicher Weise seine Heimatstadt gestaltet“. Bemerkenswert findet der Abgeordnete auch, dass der Altbürgermeister auf der Basis seiner Werte und seiner christlichen Gesinnung politisch gedacht habe.

Als „Bürgermeister zum Anfassen“, der für die Anliegen der Bürger offen war, bezeichnete CSU-Ortsvorsitzender Karl-Heinz Stocker den Verstorbenen. Seit 1966 war Fischer Mitglied der Christlich-Sozialen Union.

Für die Vereine, die dem Altbürgermeister mit 15 Fahnenabordnungen die letzte Ehre erwiesen, erinnerte Georg Ledig vom Bund der Vertriebenen an ein „besonderes Projekt“: dem Haus der Vereine, das zu Beginn der Amtszeit Fischers eröffnet wurde. „In diesem Haus haben wir Vereine eine Heimat gefunden und durften hier eine Heimat erleben.“

„Er war den Vereinen sehr verbunden“, sagte VfL-Vorsitzender Kai Röpke. Der größte Sportverein im Landkreis hatte Fischer wegen seiner Verdienste um den Breitensport in Waldkraiburg zum Ehrenmitglied ernannt.

Konrad Kern, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Stadtmuseum, stellte die Verdienste heraus, die sich Fischer nach seiner Bürgermeisterzeit im Ehrenamt um die Stadtgeschichte erwarb. Kern hob den großen persönlichen Einsatz des langjährigen Vorsitzenden hervor, der wesentlich zur Eröffnung der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung und des Glasmuseums führte. Leidenschaftlich habe er sich als Museumsführer für die Vermittlung erlebter Geschichte an die jüngeren Generationen eingesetzt.

Hunderte Menschen trugen sich am Eingang der Kirche in das Kondolenzbuch ein, das noch bis Freitag, 13. März, im Foyer des Rathauses zur Eintragung ausliegt.

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