Aschau – Große Aufregung im Aschauer Jagdrevier: Einem Jäger ist es gelungen, zwei Wildschweine zu erlegen. Seit mehr als 35 Jahren ist in Aschau kein Wildschwein mehr erlegt worden. Die zwei Schüsse glückten Jäger Hubert Überacker, der das Jagdhandwerk seit mehreren Generationen in der Familie fortführt. Bereits seit vier Jahren besitzt der 22-jährige Landwirt den Jagdschein, hat sowohl eine Eigenjagd und ist auch Pächter eines Teils der Gemeindejagd.
Sieben Stunden
auf der Kanzel
Wildschweine sind immer mehr auf dem Vormarsch in Bayern und durchstreifen auch Aschau, ehe sie weiterziehen. Dabei richten sie große Schäden auf den Wiesen und Feldern an. Wenn sie auf Nahrungssuche sind, graben sie den Boden samt darauf angebauten Früchten um. Seit dem Winter sind sieben Stück fest im Revier in Aschau und haben auch schon Schäden angerichtet, zum Nachteil der Jagdgenossen und Grundbesitzer.
Überacker und seine Jägerskollegen sind immer wieder in der Nacht bei gutem Mondlicht angesessen und haben Felder und Wiesen bewacht, die Wildschweine sind jedoch nie zum Vorschein gekommen.
Am 3. März um 22 Uhr traten sie auf die Wiese heraus, wo Überacker bereits am Vortag sieben Stunden in der Nacht auf der Kanzel ansaß. Er hatte sich eines von den sieben Wildschweinen ausgesucht, nachdem er sicher war, dass keine Frischlinge dabei waren. Das erste Wildschwein, das er erlegte, war sofort tot. Weil die anderen Tiere noch mal stehen blieben und Überacker innerhalb von zehn Sekunden repetieren konnte, erlegte er ein zweites Wildschwein.
Die Freude bei Überacker und auch den Jagdkollegen und Landwirten, die beim Bergen der Wildschweine halfen, war groß. Das Alter der Wildschweine ist circa ein Jahr und das Gewicht 45 Kilogramm. Nach Untersuchung auf Trichinen, Strahlung und Schweinepest ist das Fleisch zum Verzehr geeignet.
Ein Wildschwein zu erlegen, ist nicht ganz einfach. „Wildschweine sind intelligent“, sagt Dr. Erich Loserth, Vorsitzender der Kreisgruppe Mühldorf im Bayerischen Jagdverband. Die Tiere wüssten, dass sie bejagt werden, weshalb vor allem Alttiere erst einen Hochsitz umkreisen und die Lage abklären, bevor sie die Deckung verlassen.
Population nicht wesentlich gestiegen
Trotzdem ist die Population in den vergangenen Jahren im Landkreis nicht wesentlich größer geworden. Im Schnitt seien jedes Jahr etwa 40 bis 50 Sauen geschossen worden, viele davon in der Gegend um Maitenbeth. Bayernweit habe der Landkreis eine der geringsten Wildschweinzahlen. Zum Vergleich: Im Landkreis Eichstätt würden jährlich zwischen 1600 und 2000 Tiere erlegt. Wildschweine würden große Waldgebiete bevorzugen, die sie im Landkreis nicht in dem Ausmaß vorfinden.
Ein Anliegen von Jäger Hubert Überacker: Bei den Wildtieren beginnt wieder die Brut- und Setzzeit: „Es ist daher sicherer, auf befestigten Wegen zu bleiben, Hunde anzuleinen und im Straßenverkehr vorsichtig zu sein, dass keine Elterntiere überfahren werden, weil die Jungtiere sonst qualvoll sterben müssen.“