Jobmesse – mal anders

von Redaktion

Neues Format „Speed-Dating“ ausprobiert

Waldkraiburg – „Es ist völlig anders als eine normale Jobmesse“, erklärt Ernst Sattler vom Veranstalter TraumBIZ aus Freilassing, „denn hier kommt es auf jeden Fall zu vielen Gesprächen!“ Seine Agentur bringt bei den sogenannten „Highspeed Interviews“ regionale Firmen, Jobsuchende und Jobcoaches zusammen. In dieser Woche im Haus der Kultur in Waldkraiburg nutzten 13 Arbeitgeber die Möglichkeit.

„Uns hat einfach die hohe Erfolgsquote überzeugt! Das wollen wir jetzt mal ausprobieren“, sagt Alexander Huber vom Jobcenter in Mühldorf. Ein Kollege von ihm hat vor einiger Zeit ein „Job-Speed-Dating“ in Traunstein erlebt, das sehr erfolgversprechend war. „Dort haben wir hundert Prozent der Bewerber vermittelt“, erinnert sich Ingrid Priebe von der TraumBIZ gut.

Den Raum im Haus der Kultur haben die erfahrenen Netzwerker aus Freilassing wie immer vorbereitet. Seit 2014 führen sie solche Treffen durch, bei denen die Arbeitssuchenden in fast spielerischer Weise mit den möglichen Arbeitgebern in Kontakt kommen: Im Kreis stehen Tische für die Kennenlerngespräche, Trennwände dazwischen sorgen für die nötige Diskretion. Vor dem Saal warten schon die 15 Kandidaten, die an diesem Montag in Waldkraiburg in ein neues Berufsleben starten wollen.

Fast alle von ihnen sind hoch motiviert. Zwar gab es vorab schon Vorbereitungsgespräche, doch nun ist der große Moment gekommen. Die Spannung ist spürbar. Damit es nicht chaotisch wird, erklärt Veranstaltungskoordinatorin Yvonne Reizner nochmal den Ablauf: Jeder Kandidat weiß bereits seinen ersten Gesprächspartner und hat anschließend genau fünf Minuten, um zu schauen, ob er mit dem Arbeitgeber harmoniert. Wenn anschließend der Gong ertönt, ist es Zeit, im Uhrzeigersinn weiterzuziehen. „Die Kandidaten haben sich das selbst ausgesucht und manche sind richtig aufgeblüht“, schwärmt Job-Coach Erika Ramsauer, die auch schon bei den Vorbereitungsgesprächen in Waldkraiburg mit dabei war.

Von den Kandidaten haben heute immer genau zwei zwischendurch Zeit, um sich bei ihr und ihren Kollegen Ratschläge zu holen, ein Glas Wasser zu trinken oder bei einer Zigarette zu resümieren. „Ich finde die Gespräche sehr gut, so was sollte hier öfters gemacht werden“, erklärt der Jobsuchende Andreas Bakos aus Waldkraiburg in seiner Pause. Svetlana D’Attila war ein bisschen aufgeregt, aber voll bei der Sache. Die Waldkraiburgerin hat nach den rund zwei Stunden ein gutes Gefühl, heute die richtige Möglichkeit gefunden zu haben, um ihren bisherigen Minijob aufgeben und ihren beiden Kindern dann mehr ermöglichen zu können. Und Agron Etemi, Arbeitssuchender aus Waldkraiburg, findet: „Die Coaches sind super und immer erreichbar“, einmal sogar spätabends, wie er erzählt. „Ich habe über die Agentur für Arbeit eine Weiterbildung für den Sicherheits- und Objektschutz gemacht und weil heute auch solche Arbeitgeber da sind, bin ich bester Dinge.“

Wie erfolgreich das Format ist, das hängt natürlich auch davon ab, welche Arbeitssuchende kommen. „Ich habe viele gute Gespräche geführt“, sagt Sandy Seubert, Bezirkspersonalverantwortliche der Firma Kik, „allerdings waren heute überproportional viele Männer da, die unsere Teilzeitjobs eher weniger interessieren. Auch wenn die Textilbranche sicherlich schon reif für Männer wäre!“

Christoph Reindl von der Firma Trenkwalder in Altötting kennt das Format und findet es „sehr gut“. Er weist allerdings auch auf die Grenzen hin: „In der kurzen Zeit kann man nur Motivation und Einstellung der Kandidaten sehen, für eine weitere Beurteilung sind weitere Gespräche notwendig.“

Mit dem Dating ist es also für die Vermittler noch nicht getan. Immerhin das Eis dürfte bei den meisten gebrochen sein. In den kommenden Tagen sollen die Einzelgespräche stattfinden, sodass die Vermittlungen erfolgreich abgeschlossen werden können. Die Erfahrung der Veranstalter zeigt, dass es oft schon nach etwa zwei Wochen feste Arbeitsverträge gibt.

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