Waldkraiburg – Sonntag, kurz nach 19.30 Uhr. Marion Pötzsch fällt ihrem Mann Robert im Rathaus-Foyer um den Hals. Die Gratulanten stürmen auf den alten und neuen Bürgermeister ein: Robert Pötzsch hat es geschafft, ohne Stichwahl. Mit 62,37 Prozent erreichte der Amtsinhaber ein Ergebnis, das er selbst nicht erwartet hatte (siehe Interview).
Sein vermeintlicher Herausforderer, Wolfgang Nadvornik, den die CSU aufgeboten hatte, bleibt unter der 20-Prozent-Marke. Zweiter Bürgermeister Richard Fischer (SPD) kann im zweiten Versuch nach 2014 sein Ergebnis leicht auf 13,26 Prozent verbessern. Valentin Clemente (FDP) bleiben 4,96 Prozent.
„Bis Mittag“ sei er sehr guter Dinge gewesen, erzählt der Wahlsieger, der den schönen Vorfrühlingstag beim Golfen mit UWG-Landratskandidat Ulli Maier verbrachte. Dann wuchs die Anspannung von Stunde zu Stunde. Eineinhalb Stunden dauerte es nach Schließung der Wahllokale, bis sie von ihm abfiel, als ihm Robert Heinfeldner vom Wahlamt das Ergebnis mitteilte. Mit über 62 Prozent übertraf Pötzsch das Resultat von 2014, als er als Außenseiter ins Rathaus einzog, noch einmal deutlich.
Während die UWG feierte, gab es bei der CSU und den anderen Bürgermeisterkandidaten betretene Mienen. Fraktionsvorsitzender Anton Sterr gab sich allerdings nicht überrascht. „Ich habe das Ergebnis erwartet.“ Mit diesem Ausmaß habe er aber nicht gerechnet. Sterr frustriert vor allem die niedrige Wahlbeteiligung. Mit 42,67 Prozent ist sie noch einmal gesunken, auf ein Rekordtief. CSU-Stadträtin Margit Roller fürchtet bei diesem Wert negative Folgen für die Vertretung Waldkraiburgs im Kreistag.
Die niedrige Wahlbeteiligung hatte sich seit den Vormittagsstunden abgezeichnet. Gähnende Leere in einigen Wahllokalen. Im Rathaus warteten die Wahlhelfer bis kurz vor 18 Uhr auf den 100. Wähler. Das sind weniger als 20 Prozent.
Ein Corona-Effekt? Die, die kamen, machten nicht den Eindruck. Nur einige wenige brachten eigene Stifte mit. Die grünen Einweghandschuhe, die am Eingang zu Wahllokalen lagen, habe keiner angerührt, hieß es aus Wahllokalen.
Die niedrige Beteiligung am Wahlsonntag konnten auch die Briefwähler nicht kompensieren. Rund 5000 Briefwahlunterlagen waren ausgegeben worden. Etwa 4750 kamen bis zum Wahltag zurück.