Nein, er war sich seiner Sache nicht sicher. Bürgermeister Robert Pötzsch, der 2014 von einer Welle der Sympathie als Außenseiter ins Amt getragen wurde, hat sechs Jahre später um seine Wiederwahl in der ersten Runde gebangt. Zu viel Gegenwind hatte er zuletzt gespürt. Bei schwierigen Entscheidungen, vor allem beim Waldbad, hatte er sich viele Gegner gemacht. Nicht immer hat Pötzsch dabei geschickt agiert und kommuniziert.
Trotzdem: Es hat gereicht. Und wie! Bei drei Gegenkandidaten konnte der alte und neue Bürgermeister sein Ergebnis deutlich verbessern. Ein Triumph, trotz einer noch einmal abgestürzten Wahlbeteiligung.
Diesmal hat Pötzsch der Amtsbonus getragen. Er hat einige große Themen, vor allem die Schließung der Brachflächen und Baulücken im Stadtgebiet, erfolgreich angepackt. Viele Bürger mögen ihn, seine unaufgeregte, bescheidene, verlässliche, wenn auch bisweilen sehr spröde Art. Und sie wissen, dass er vor sechs Jahren als absoluter Neuling ein außerordentlich schwieriges Erbe von der CSU übernommen hat. Dass viele Probleme, die er heute bewältigen muss, nicht in seiner Amtszeit entstanden sind.
Eine klare Mehrheit, auch viele, die sich nach den Wahlen 2014 noch mehr von ihm erwartet hatten, hat sich deshalb dafür entschieden, den Vertrag der Bürgerschaft mit Robert Pötzsch um eine weitere Amtszeit zu verlängern.
Wohl nicht zuletzt, weil die Alternativen sie nicht überzeugen konnten. Die CSU Waldkraiburg ist eben noch immer nicht die Alte. Sie hat es nicht geschafft, aus den eigenen Reihen eine aussichtsreiche Kandidatin oder einen mutigen Kandidaten hervorzubringen. Stattdessen ist die Partei mit Wolfgang Nadvornik, einem Seiteneinsteiger ohne jede politische Erfahrung, hohes Risiko gegangen. Und wurde bestraft, mit einem Debakel. Die Hoffnung, der Sportmoderator, der seine Heimatstadt Waldkraiburg kurz vor der Wahl wieder entdeckt hatte, könnte über Social Media und pfiffige Plakatkampagnen neue, jüngere, auch unpolitische Wählerschichten erschließen, war trügerisch. Showtalent allein genügt nicht. Nicht bei einer Kommunalwahl. Und schon gar nicht der konservativen Wählerklientel der CSU.
Erneut eine Niederlage hat Richard Fischer eingefahren. Immerhin: Der SPD-Kandidat hat sein Gesicht gewahrt, sein Ergebnis von 2014 leicht übertroffen. Mehr war nicht drin. Die meisten Wähler haben dem 65-Jährigen die Kandidatur offensichtlich nicht mehr abgenommen.
Valentin Clemente, 25-jähriger politischer Newcomer, der für die überregional arg gebeutelte FDP ins Rennen ging und in einem couragierten Wahlkampf erfrischende Akzente setzte, musste Lehrgeld bezahlen. Er wird von der Bürgermeisterkandidatur vermutlich bei den Stadtratswahlen profitieren.
Und Pötzsch, der Sieger? Steht vor großen Herausforderungen. Mit diesem Ergebnis kann er sie angehen. Gelassener, lockerer, mutiger als in der ersten Amtszeit.