Waldkraiburg – In Zeiten wie diesen tut Zuspruch, tut Hilfe Not. Doch wie soll das gehen, wenn alle Distanz halten müssen? Die Waldkraiburger Kirchen setzen auf fernmündliche Kommunikation. Auf Initiative des evangelischen Pfarrers Lars Schmidt haben sich die Seelsorger der katholischen, der evangelisch-lutherischen und der evangelischen-freikirchlichen Gemeinden zusammengetan. Sie bieten gewissermaßen eine ökumenische Telefonseelsorge vor Ort an. Auch um die überregionale Telefonseelsorge zu entlasten, wo die Anrufe in den letzten Tagen sprunghaft angestiegen sind.
„Wir können in solchen Zeiten nicht rumsitzen und die Arbeit abbauen, die liegen geblieben ist. Wir wollen für die Menschen da sein“, sagt Pfarrer Lars Schmidt. Er und seine Kollegen sind ansprechbar, haben ein offenes Ohr für die Sorgen und Ängste und für die praktischen Probleme, die es gibt, etwa wenn Ältere oder Kranke keine Angehörigen haben, die für sie einkaufen oder Medikamente abholen.
Und so funktioniert es: Wer ein Gespräch oder Hilfe braucht, spricht auf Anrufbeantworter auf (siehe Nummern im Infokasten). Die betreffenden Seelsorger rufen zeitnah, innerhalb eines Tages zurück, sofern sie nicht ohnehin selbst am Telefon sind. Schmidt betont: Dieses Angebot macht nicht an Konfessions- oder Religionsgrenzen Halt, es richtet sich an alle Menschen. „Wir wollen Kirche für die Stadt sein.“
Eigene Sprechstunden für Kinder und Jugendliche
Für Kinder und Jugendliche bietet Diakon Fred Keilhauer eine spezielle Sprechstunde an: Er ist jeden Mittwoch zwischen 11 und 13 Uhr unter der Telefonnummer 08638/982997 zu erreichen.
Eigentlich sollten die Nummern für die Telefonsprechstunden dem evangelischen Gemeindebrief beiliegen. Doch der wird nicht mehr ausgetragen, um mögliche Kontakte zu vermeiden und damit Risiken auszuschließen. Aus diesem Grund hat sich die evangelische Kirchengemeinde entgegen der Empfehlung der Landeskirche auch dafür entschieden, die Martin-Luther-Kirche geschlossen zu halten. Denn: Auch über Gesangsbücher oder andere Gegenstände und Flächen könnte der Erreger ja übertragen werden.
Die katholischen Kirchen in Waldkraiburg und Aschau bleiben dagegen offen, „damit die Leute Zuflucht suchen und vor dem Tabernakel beten können. Das wird von den Gläubigen auch genutzt“, sagt Pater Bernhard Stiegler, der Leiter der beiden katholischen Pfarrverbände. Auch Stiegler ist überzeugt: Das Angebot der Telefonsprechstunden ist „ein wichtiges Signal“. Als großartiges Zeichen für die enge Zusammenarbeit der Kirchen in Waldkraiburg empfindet es Anita Leonhardt, die geschäftsführende Pfarrerin.