Corona: Die Patronin des Geldes und der Name der Pandemie

Oh Corona hilf!

von Redaktion

Die Heilige und das unheilige Virus – Geschichte einer Kapelle bei Unterzarnham

Gars – Eine nie dagewesene weltweite Seuche, eine abgesagte Bittprozession, der 20. Februar als Gedenktag, ein Redemptoristenpater und eine Kirche in Unterzarnham bei Unterreit: Alle verbindet etwas miteinander, aber was? Es ist der Name Corona, der derzeit allgegenwärtig ist.

Die St.-Corona-Kirche in Unterzarnham bei Unterreit ist eine der ältesten ihrer Art in Oberbayern. Schon um 1147 ist ein Zehentstreit, also ein Geld- und Abgabenstreit, zwischen dem Kloster Au am Inn und dem Pfarrer von Grünthal beurkundet, in dessen Zusammenhang auch der kleine Ort „Zaechhinheim“ mit seinen wenigen Höfen erwähnt wird.

Mit Palmzweig
dargestellt

Im Jahre 1398 wurde dann die „Kirche in Zainhaimb“ eingeweiht. Im Hochaltar wurden zahlreiche Reliquien eingeschlossen, darunter – aus heutiger Warte schwer nachvollzieh- und verifizierbar – Reliquien der Dornenkrone Jesu, der Apostel Andreas und Jacobus, des heiligen Stephanus, eine Rippe des heiligen Mauritius und sogar Überreste der Unschuldigen Kinder, die bekanntlich nach biblischer Überlieferung von König Herodes in Bethlehem ermordet worden sein sollen.

Heute gehört Unterzarnham, das früher zusammen mit Mittergars vom Augustinerchorherrenstift Au am Inn seelsorglich betreut wurde, zweifelsohne zu den traditionsreichsten und ältesten Wallfahrtsorten zur heiligen Corona überhaupt: Ihre Verehrung ist dort seit dem 14. Jahrhundert lückenlos bezeugt. Auf dem Altarblatt der im Jahr 2017 gelungen renovierten Kirche sind heute St. Victor mit Fahne und Schwert und St. Corona mit Palmzweig dargestellt.

Zwischen ihnen sind die beiden Palmen zu sehen, die auf die Überlieferung von Coronas Martyrium hindeuten. Ihre Peiniger sollen sie zwischen zwei herabgebogene Palmen gebunden haben, die sie dann beim Emporschnellen zerrissen. Und die abgesagte Bittprozession und der Redemptoristenpater haben in diesem Zusammenhang folgenden Hintergrund: Pater Alois Stautner hatte zusammen mit dem Seelsorgsteam des Pfarrverbands Gars die Idee, einen Bittgang zur heiligen Corona in Unterzarnham zu organisieren. Dekan Pater Ulrich Bednara teilte dazu ergänzend mit, dass man diesen „Corona-Bittgang“ ganz in der Tradition der Pestprozessionen früherer Jahrhunderte sehen wollte. Man suchte damals von den Dörfern und Städten entfernte Kirchen und Kapellen auf, um Gott um Gnade und Verschonung vor der Pest zu bitten.

Bittgang im Zeichen
der Pestprozession

Vonseiten des Pfarrverbands musste man allerdings dieses Vorhaben aufgrund der aktuellen Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus dann doch fallen lassen.

Das hinderte Pater Alois Stautner und Pater Josef Steinle, der in einer Zeitschrift des Klosters Gars darüber berichten wird, nicht, vor Ort Nachforschungen in der St.-Corona-Kirche Unterzarnham anzustellen und sich mit Johann Hauner, dessen Hof sich neben der Kirche befindet, über die Geschichte der Kirche und die Verehrung der heiligen Corona auszutauschen.

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