Waldkraiburg – Nicht jeder kommt in der Corona-Krise allein zurecht, sondern ist auf die Hilfe anderer angewiesen. In diesen schwierigen Zeiten wollen die Waldkraiburger zusammenhalten und Solidarität zeigen, um schwächere Mitbürger zu schützen. Deshalb hat die Stadt auf Anregung von Bürgermeister Robert Pötzsch und der Behindertenbeauftragten Stephanie Pollmann ein Hilfsnetzwerk zur Nachbarschaftshilfe ins Leben gerufen.
Ab Montag können sich hilfsbedürftige Bürger, die zur Corona-Risikogruppe zählen (über 65 Jahren oder mit einer Vorerkrankung) unter der Telefonnummer 08638/959124 melden. Dagmar Greck, Mitarbeiterin für Aufsuchende Sozialarbeit, und Stephanie Pollmann koordinieren alle Hilfsgesuche. Ein Netzwerk aus Ehrenamtlichen, zu denen auch das Jugendparlament zählt, wird die Aufträge ausführen.
Das Team der Nachbarschaftshilfe Waldkraiburg nimmt Anrufe von Montag bis Samstag zwischen 8 und 18 Uhr entgegen. Außerhalb dieser Zeiten besteht die Möglichkeit, eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter zu hinterlassen.
Primär geht es darum, einen Bringdienst für Einkäufe, Rezepte und Medikamente einzurichten. In einem zweiten Schritt könnten dann – abhängig von der Nachfrage – weitere Dienstleistungen angeboten werden. Eine Koordination von Kinderbetreuung wird nicht angeboten, wie die Stadt mitteilt.
Die Sorge, Unsicherheit und Hilflosigkeit der älteren Bürger sei groß, erzählt Behindertenbeauftragte Stephanie Pollmann. „Ich bin angesprochen worden von mehreren Leuten, die sich nicht mehr vor die Tür trauen.“ An diesem Punkt will die Nachbarschaftshilfe anpacken: Dass betroffene Risikogruppen nicht mehr das Haus oder die Wohnung verlassen müssen, um sich zu versorgen. Auf diese Weise sollen sie vor einer möglichen Ansteckung vor dem Coronavirus geschützt werden.
Direkten Kontakt zwischen betroffenen Bürgern und freiwilligen Helfern soll es nicht geben. Telefonisch können die Leute angeben, was sie brauchen – vom Supermarkt oder aus der Apotheke. Anschließend erfahren die Betroffenen, wie viel der Einkauf gekostet hat, sodass sie zum Beispiel einen Umschlag vor die Tür legen können. Die Ware wird dann vor der Eingangstür abgestellt.
Ein Team von zehn bis 15 freiwilligen Helfern wird für Betroffene die Erledigungen bei Bedarf übernehmen. Alle Helfer erhalten einen Ausweis von der Stadt, um den Hilfsbedürftigen ein Gefühl von Sicherheit zu geben und um sich im Falle einer Ausgangssperre als Hilfeleistende ausweisen zu können. Das Netzwerk ist damit aktuell gut aufgestellt.
„Wir stehen vor einer völlig neuen Herausforderung“, sagt Bürgermeister Robert Pötzsch. „Unser oberstes Ziel ist es gerade die Risikogruppen zu schützen und das Gesundheitssystem aufrechtzuhalten.“ Es freue ihn sehr, dass sich so viele Bürger bereit erklären, zu helfen. „Ich bin mir sicher, dass wir mit der Nachbarschaftshilfe ein wichtiges Zeichen setzen, um unsere Risikogruppen zu schützen. Waldkraiburg ist es gewohnt, solidarisch zusammenzuhalten und wird dies auch jetzt tun.“