Corona bremst Wahlkämpfer aus

von Redaktion

Stichwahl: In Kraiburg Jackl gegen Lehmann – In Aschau Weyrich gegen Duxner

Kraiburg/Aschau – „Corona hat uns sehr stark ausgebremst“, sagt Anette Lehmann (UWG), Zweite Bürgermeisterin von Kraiburg, die am Sonntag, 29. März, in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt gegen CSU-Gemeinderätin Petra Jackl antritt. Sie spricht im Grunde allen Kandidaten aus der Seele, die am 15. März von den Wählern in den entscheidenden Wahlgang geschickt wurden. Alles hat sich mit der Pandemie verändert.

Während früher in dieser Wahlkampf-Phase um jede Stimme auf der Straße, bei Versammlungen und an den Haustüren gerungen wurde, geht in Zeiten der Ausgangsbeschränkung nicht mehr viel in Sachen analoger Wahlwerbung. Wenn die Leute kaum noch auf die Straße gehen, helfen auch Plakate nichts.

Wegen Corona: Einige Flyer nicht
mehr ausgetragen

Die UWG Kraiburg hat es arg getroffen. Ein Flyer, den sie für die Tage nach der Wahl in Auftrag gegeben hatte, kam zu spät. Am Freitag, am Tag, als Ministerpräsident Söder schon die Regeln für die Ausgangsbeschränkung verkündete, habe man sich dafür entschieden, die Wahlprospekte nicht mehr auszutragen, so Lehmann, um jedes Restrisiko auszuschließen. Eine Umstellung auf Postzustellung war aufgrund der geltenden Fristen nicht mehr möglich. Im Übrigen, so ihre Beobachtung, „haben viele schon am Wochenende gewählt. Ich habe viele Spaziergänger mit roten Briefwahlumschlägen gesehen.“ Der Flyer wurde auf Facebook und der UWG-Homepage der UWG veröffentlicht.

CSU-Bürgermeisterkandidatin Petra Jackl, die wie alle anderen Kandidaten auf den sozialen Medien präsent ist, hat es gerade noch rechtzeitig geschafft, am Freitag eine Wahlkarte und Empfehlungsschreiben des neu gewählten Landrats Max Heimerl und des CSU-Landtagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Dr. Marcel Huber an die Haushalte zu verteilen.

„Ich konzentriere mich im Moment nicht auf Wahlkampf, sondern auf Corona-Nachbarschaftshilfe.“ Gemeinde und Kirche arbeiten bei dieser Initiative eng zusammen.

Schreiber kritisiert Wahlempfehlung von Landrat Heimerl

Werner Schreiber, der SPD-Kandidat, der im ersten Wahlgang unterlag, erteilt einer Wahlempfehlung für eine der beiden Kandidatinnen eine klare Absage. „Das steht mir als drittem Sieger nicht zu. Außerdem bin ich überzeugt, dass meine Wähler keine Empfehlung brauchen, sondern selber wissen, was sie tun.“ Überdies lägen alle drei Kandidaten inhaltlich relativ nah beieinander. „Es tritt ja kein AfD-Kandidat an.“ Für diesen Fall hätte er wohl doch eine Wahlempfehlung abgegeben, deutet Schreiber an.

Kritisch sieht Schreiber die Wahlempfehlung von Max Heimerl. Als Landrat in spe habe er sich zurück zu halten, findet der SPD-Gemeinderat. Als Landrat habe Heimerl für alle Bürger da zu sein.

3200 Briefwahlunterlagen hat die Marktgemeinde verschickt, so Verwaltungsleiterin Monika Bönisch. Ausgezählt werden die abgegebenen Stimmen am Sonntag von zwölf Wahlhelfern, „ausschließlich Mitarbeiter der Verwaltung. Wir haben keine externen Wahlhelfer.“

18 Wahlhelfer stehen laut Matthias Bönisch, Leiter des Wahlamtes, in Aschau zur Verfügung. Es habe überhaupt keine Probleme gegeben, die Helfer dafür zu gewinnen. „Wir hatten auch am 15. März, als 51 Wahlhelfer im Einsatz waren, keine Absagen.“ 2560 Briefwahlunterlagen wurden in Aschau verschickt.

Um diese Stimmen buhlen Thomas Duxner (Bündnis Aschau) und Christian Weyrich (CSU). Auch sie haben „Wahlkampf“ im Corona-Modus geführt. Am Donnerstag habe er mit seinen Mitstreitern vom Bündnis Aschau noch Infoblätter in die Postkästen gesteckt, sagt Duxner. „Wir haben natürlich auf Bürgerschutz geachtet, nicht geklingelt und Gespräche möglichst vermieden.“ Auf Social Media habe er weiter Präsenz gezeigt, so Duxner, „eher weniger als vorher. Man will den Bürger ja nicht nerven.“ Der habe im Moment andere Sorgen.

So sieht das auch Christian Weyrich (CSU). Er ist Beamter bei der Bundespolizei und hätte in der vergangenen Woche wegen seines Schichtdienstes eh nur „Wahlkampf aus der Entfernung“ machen können. „Als ich am Freitag einsteigen wollte, stand alles schon unter dem Eindruck der Allgemein-Verfügung zu Corona. Da war schon klar, wir bringen unser Material nicht mehr an den Mann.“ So wichtig die Wahl sei, denn auch nach dieser Krise gehe das Leben weiter, im Moment gibt es andere Prioritäten. Er habe sich auf Social Media verlegt, aber da erreiche man nicht so viele Wähler in Aschau.

AWG-Kandidat Kölbl gibt Wahlempfehlung für Weyrich (CSU)

Andreas Kölbl, Kandidat der Aschauer Wählergemeinschaft, muss sich über die Stichwahl keine Gedanken mehr machen, er ist in der ersten Runde klar gescheitert. Ebenso klar formuliert er seine Wahlempfehlung – für Christian Weyrich. „Ich kenne ihn gut, er bringt durch seinen beruflichen Werdegang beste Voraussetzungen für das Amt mit.“ Auch inhaltlich stimme er mit den Positionen überein, sagt Kölbl. Weyrich habe sich deutlich für das Gewerbegebiet in Thann ausgesprochen. Auch bei sozialpolitischen Themen, etwa dem altersgerechten Wohnen, decke sich vieles mit dem Wahlprogramm der AWG.

So bequem wie diesmal war Wählen bei einer Kommunalwahl noch nie. Nicht einmal anfordern musste man die Briefwahlunterlagen. In anderen Zeiten wären das gute Voraussetzungen für eine hohe Wahlbeteiligung, glaubt Thomas Duxner. Doch im Spannungsfeld der Corona-Krise, den damit verbundenen Ängsten und psychischen Belastungen wisse niemand, wie sich das am Ende auswirkt.

Die Kandidaten und ihre Ausgangslage

Markt Kraiburg: In der Stichwahl stehen sich Petra Jackl (51), die Kandidatin der CSU, und Anette Lehmann (54) von der UWG gegenüber. Im ersten Wahlgang erreichte die CSU-Gemeinderätin 43 Prozent der Stimmen, die Zweite Bürgermeisterin von der UWG 34,5 Prozent. (Wahlbeteiligung: 59,8 Prozent)

Gemeinde Aschau: Christian Weyrich (41) von der CSU und Thomas Duxner (45) vom Bündnis Aschau treffen in der zweiten Runde in Aschau aufeinander. Der CSU-Gemeinderat hatte am 15. März 40,7 Prozent geholt, Duxner 38 Prozent. (Wahlbeteiligung 63,6 Prozent). hg

Artikel 4 von 11