Waldkraiburg – „Oma hast du Schokolade?“, piepst meine zweijährige Enkeltochter ins Telefon. Mir wird ein bisschen flau im Magen.
Freilich hätte ich für sie Schokolade auf Lager. Die kann ich jetzt selber essen. Es schmeckt mir aber nicht. Von meinen Enkelkindern auf unbestimmte Zeit getrennt zu sein ist hart. Der Korb mit den Spielsachen für die Kinder steht verwaist in der Ecke. Ein trauriger Anblick.
Kurz bevor die Misere mit Corona begann, habe ich für meinen fünfjährigen Enkel Vincent in der Stadtbücherei noch ein Buch ausgeliehen. Titel: Die verlassene Mondstation. So verlassen wie der Mond komme ich mir inzwischen auch vor. Die Kleinen gehören doch zu meinem Leben. Vincent hole ich seit zwei Jahren einmal pro Woche vom Kindergarten ab. Wir essen zusammen und verbringen den Nachmittag miteinander. Und nun? Aus die Maus.
Einem Fünfjährigen kann man die Virus-Geschichte einigermaßen erklären, aber meine Enkelin Rebecca kennt Covid-19 nicht. Sie fragt sich bestimmt, was ist denn plötzlich mit meiner Oma los. Warum in Italien so viele ältere und alte Menschen am Coronavirus sterben, wird unter anderem auf die hohe Anzahl an Großfamilien zurückgeführt. Da stecken Kinder und Enkel anscheinend überproportional ihre Großeltern an. Das soll in Deutschland verhindert werden. Daher ist strikte Trennung von Enkeln und Großeltern angesagt.
Kürzlich erledigte meine Tochter für mich ein paar Einkäufe. Ich bin hinunter zum Parkplatz gegangen. Auf dem Rücksitz des Autos Vincent und Rebecca. Beide haben etwas seltsam geschaut, da sie ja nicht aussteigen durften. Schokolade hatte ich natürlich dabei. Die Kinder grinsten und Vincent meinte: „Für Rebecca bist du die Schokoladen-Oma.“
Ich hoffe, dass ich das bleiben darf, egal wie lange die Krise andauert.