Waldkraiburg – Für Christian Kurtze war der Waldkraiburger Wochenmarkt die letzte Rettung. Von heute auf morgen musste er sein „Tiroler Bauernstandl“, das seit einigen Monaten Tag für Tag vor einem Baumarkt in Mühldorf stand, abbauen. Wegen Corona und der damit verbundenen Beschränkungen. „Seit Samstag ist der Baumarkt zu.“ Und Stadtfeste oder Großveranstaltungen, die er an Sonntagen besucht, „sind alle von heute auf morgen weggebrochen“, sagt der Fierant, der am Dienstag von der Deutschen Marktgilde die Zusage bekam und am Mittwoch zum ersten Mal auf dem Sartrouville-Platz stand.
Viele vergeben
keine Plätze mehr
Tage lang habe er rumtelefoniert, Zig-Bewerbungen geschrieben und einige Absagen bekommen, erzählt Kurtze. Viele Gemeinden vergeben derzeit keine Plätze. „Sie wissen aktuell nicht, ob sie die Wochenmärkte auf Dauer aufrechterhalten dürfen.“
Für Gerlinde und Siegfried Peschko wäre das ein Jammer. Jeden Mittwoch und Samstag sind sie auf dem Wochenmarkt, der durch die Beschränkungen auf grade mal zehn Stände zusammen geschmolzen ist. „In die Geschäfte gehen die Kinder für uns“, erzählen sie. „Aber hier auf dem Wochenmarkt in der frischen Luft kann man Abstand halten.“ Mittlerweile haben sich die Regeln auch unter den Senioren herumgesprochen, die den Markt besuchen.
Es ist auch viel Platz. Es sind weniger Besucher geworden, weiß Johann Wagner, der Gemüse und Obst verkauft. Am Samstag sei der Umsatz um etwa 40 Prozent eingebrochen. „Heute werden es wahrscheinlich mindestens 50 Prozent sein.“ Die, die keine Angst haben und weiter kommen, kaufen eher mehr als sonst, meint Wagner. Er ist auf drei bis vier Märkten in der Region unterwegs und will das auch trotz der Rückgänge so weitermachen. „Die Wochenmärkte hören nicht auf“, ist er überzeugt. Nicht nur in Waldkraiburg auch in Mühldorf wird an den Markttagen festgehalten. Und Wagner glaubt, dass nach Corona die Märkte sogar einen Aufschwung erleben werden. „Regionale Waren sind gefragt. Dieses Bewusstsein wird wachsen.“
Schlimm sei es für die Fieranten, die derzeit nicht auf dem Wochenmarkt verkaufen dürfen, weil sie Bekleidung und andere Waren anbieten, die nicht zur Grundversorgung gehören.
Oder die auf den Sonntagsmärkten unterwegs waren. Wagner: „Da müssen viele aufgeben.“ Und wie hat Christian Kurtze den ersten Markttag nach fünf Jahren Pause erlebt? „Ausbaufähig.“ Er ist zufrieden.
Klar werde gefrozzelt, weil er ausgerechnet Käse und Speck aus der Corona-Krisenregion Tirol anbietet. „Manche Kunden fragen auch kritisch nach.“ Doch die Produkte haben ja nichts mit Corona zu tun. Und er, so Kurtze, der lange einen Feinkostladen in Tirol betrieb, komme derzeit ja auch nicht von dort.hg