Waldkraiburg – Macht sich ein junger Mensch eigentlich Gedanken über die Stadt, in der er aufgewachsen ist, die jetzt 70 Jahre Gemeindegeschehen feiern kann? Wir wählten für ein Interview den Historiker und Wissenschaftlichen Dokumentar Manuel Schwanse (29) aus, der gern Rede und Antwort stand.
Herr Schwanse, Sie sind in Waldkraiburg aufgewachsen. Was hat Ihnen die Stadt geboten?
Zunächst hat mir Waldkraiburg die Möglichkeit gegeben, vor Ort die Grundschule und das Gymnasium zu besuchen. Außerdem konnte ich meinen Zivildienst im BfZ Peters ableisten. Was die Freizeitmöglichkeiten anbelangt, haben mich vor allem das Waldbad, das Kino und das Eisstadion angesprochen.
Was gefällt Ihnen an Waldkraiburg, was weniger?
Mir gefällt, dass Waldkraiburg eine Kleinstadt ist, in der man alles, was man zum täglichen Leben braucht, bekommt, und dass es verschiedene Freizeitmöglichkeiten gibt. Schön ist auch, dass man alles gut mit dem Radl erreichen kann und das Leben entschleunigter ist als in einer Großstadt wie München, wo ich momentan lebe. Schade finde ich, dass es für Geisteswissenschaftler und in Kultur- und Gedächtniseinrichtungen, Archiven, Museen, Bibliotheken arbeitenden Menschen kaum Arbeitsstellen gibt. Und sicherlich gibt es in Oberbayern schönere Städte als Waldkraiburg.
Wie schätzen Sie die Entwicklung der Stadt ein? Ist sie auf einem guten Weg?
Es gibt positive und negative Entwicklungen. Gut finde ich, dass es beim Wohnungsbau vorwärts geht. Sehr problematisch ist die Tendenz zu immer mehr Leerständen in der Innenstadt. Es ist schade, wenn viele Waldkraiburger zum Kleidungs-Shopping nach Mühldorf oder Ampfing fahren müssen, weil es hier zu wenig Auswahl gibt. Allerdings muss man dem Bürgermeister und der Stadtverwaltung schon zugutehalten, dass sie sich bemühen, Missständen entgegenzuwirken.
Sie haben hier Ihren Zweitwohnsitz. Was zieht Sie immer wieder nach Waldkraiburg?
Das sind zunächst einmal natürlich meine Eltern und meine Freunde. Zwar wohnen die wenigsten meiner Freunde noch in Waldkraiburg, aber sie fühlen sich wie ich mit der Stadt verbunden und kommen immer wieder gerne zurück. Außerdem bin ich Mitglied der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde und ein großer Anhänger der „Löwen“ des EHC Waldkraiburg. Aus diesen Gründen wird es mich auch in Zukunft immer wieder nach Waldkraiburg ziehen.
Wie schauen Sie als junger Mensch auf die Stadt?
Ich würde mir wünschen, dass die Stadt für junge Menschen attraktiver wird. Wenn ich so auf meinen Abitur-Jahrgang blicke, stelle ich fest, dass die wenigsten nach dem Studium wieder nach Waldkraiburg zurückkehren. Auch wenn sie – anders als ich – in Waldkraiburg eine berufliche Perspektive hätten. Es ist schade, wenn Waldkraiburg so an jungen Menschen ausblutet. Denn eigentlich hat die Stadt in der lebenswerten Inn-Salzach-Region großes Potenzial.
Was wünschen Sie der Stadt zum Geburtstag?
Ich wünsche der Stadt, dass sie für alle Menschen, die in ihr leben, zur Heimat werden kann. Dass sie Alt und Jung, Einheimischen und Zugezogenen, attraktive Arbeits-, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten bieten kann. Und dass die Bürger sagen können: „Ich lebe gerne in Waldkraiburg und bin stolz, Waldkraiburger zu sein.“Interview: Ursula Huckemeyer