Waldkraiburg – Freitagnacht, ein landwirtschaftlicher Stadel außerhalb des Dorfs steht bereits lichterloh in Flammen, als die Feuerwehr alarmiert wird. Das war am 29. März 2019. Es ist der Beginn einer Brandserie, die bis heute die Ermittler bei der Kriminalpolizei Mühldorf beschäftigt. Reiner Reißl, Leiter des Kommissariats I, spricht über die schwierige Arbeit nach Bränden.
Scheunen, Hütten, landwirtschaftliche Lagerhallen– die acht Brände in und um Pürten ähneln sich: Die Gebäude liegen zum Teil abseits, sind aber von der Straße gut zu erkennen, das Feuer bricht immer in den Abend- oder Nachtstunden aus und es brennt stets am Wochenende. Wenn in Pürten die Sirene schrillt, schaut die Polizei mittlerweile verstärkt auf Anzeichen einer Brandstiftung und reagiert entsprechend. Nach dem Brand eines Carports Anfang März war vorsorglich ein Hubschrauber im Einsatz, der von der Luft aus nach Personen in der Nähe des Brandes Ausschau hielt.
Es gibt kaum verwertbare Spuren
„Wem nützt der Brand?“ Dieser Frage gehen Ermittler als erstes nach und suchen nach dem Motiv des Täters, das entweder wirtschaftliche, psychologische oder psychiatrische Hintergründe hat. „Die wirtschaftlichen Motive sind am leichtesten zu ermitteln. Dabei geht es oft um Versicherungsbetrug“, sagt Reißl. Er leitet bei der Mühldorfer Kripo das Kommissariat I, das unter anderem bei Bränden tätig wird. Handeln Täter anderweitig motiviert, wird die Arbeit deutlich schwieriger. Dem Täter gehe es darum, gesehen zu werden oder er wolle einen Trieb befriedigen. Bei den Bränden in Pürten geht die Polizei aufgrund der vielen Ähnlichkeiten von einem Täter aus, der alles genau geplant hat.
„Brände sind schwierig zu ermitteln“, sagt Reißl. Das Feuer zerstört alles und hinterlässt kaum verwertbare Spuren, die Ursache oder den Täter zu finden wird damit schwierig“, sagt Reißl. Zwischen Tat, Entdecken und Einsatz würden etwa 15 bis 20 Minuten vergehen. Daher werde es schwierig, alle wichtigen Infos zu sammeln. Dabei gehe es auch um Kleinigkeiten. „War eine Tür bereits aufgebrochen oder passierte das beim Einsatz?“ – solche Fragen können entscheidend sein bei der Klärung der Brandursache. Reißl lobt die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren, die sehr gut auf solche Details achten würde. Erste Spuren nach dem Brand sichert der Kriminaldauerdienst, der dann an die Ermittler vom Kommissariat I übergibt. Gutachter und Brandmittelspürhunde unterstützen deren Arbeit.
Bei den Ermittlungen geht die Polizei nach einem Ausschlussverfahren vor. Wichtigste Frage: Wo ist der Brand ausgebrochen? „Wenn klar ist, wo das Feuer entstanden ist, wird die Ermittlung einfacher“, sagt Reißl. Zum Beispiel an den Wänden runtergebrannter Ruß sei ein Indiz dafür, wo die größte Hitze entstanden ist. Ein durchgebranntes Fenster brachte die Polizisten beim Brand des „Weißen Hirsch“ in Waldkraiburg auf die Spur. „So etwas passiert nur, wenn es lange und heiß brennt“, erklärt Reißl. Ein direkt danebenliegendes Fenster war aber kaum betroffen. „Hinter diesem Fenster war also die größte Brandlast, der Brand musste dort ausgebrochen sein.“ Das Ergebnis der damaligen Ermittlungen: Mit großer Wahrscheinlichkeit war ein technischer Defekt die Ursache.
Elektrik als erster
Anhaltspunkt
Der Zustand des Gebäudes vor dem Brand liefere den Ermittlern dazu wichtige Hinweise. Vorhandene Elektrik in einem Gebäude ist ein erster Anhaltspunkt für die Beamten, muss aber nicht zwingend die Ursache gewesen sein. „War ein Kurzschluss die Ursache für den Brand oder führte der Brand zu einem Kurzschluss“, verdeutlicht Reißl die schwierige Arbeit. Es gebe aber auch Brände, bei denen man die Ursache nicht klären könne. Umso mehr sind die Beamten auf alle Hinweise von Zeugen angewiesen.
Auch noch so unwichtig erscheinende Beobachtungen können die Polizei auf die Spur des Täters bringen. So war es zum Beispiel auch nach dem dritten Brand eines Bauernhofs im Landkreis Altötting. Ein Zeuge hatte ein rotes Auto gesehen, der Halter des Fahrzeugs sollte zunächst nur als Zeuge vernommen werden. Aber er verstrickte sich dabei in Widersprüche und gab am Ende zu, die Brände gelegt zu haben.
Jedes Jahr ermittelt die Kripo bei etwa 25 bis 30 Bränden. In der Regel sind Männer die Täter. „Ich hatte bislang erst eine Frau als Brandstifterin“, sagt Reißl. Brandserien so wie die in Pürten gibt es „eher selten.“ Auch ein Jahr nach dem ersten Brand in Pürten ermittelt die Kripo noch immer. „Wir gehen jedem Hinweis nach, aber uns fehlt bislang eine heiße Spur.“