Pater Bernhard Stiegler
Aschau/Rom – „Ja mei, der Rupert“, so begrüßte Papst Benedikt XVI. seinen ehemaligen Mitschüler Rupert Anzenberger, als dieser im Oktober 2006 mit einer Delegation aus Aschau nach Rom reiste, um den bayerischen Papst einen Besuch abzustatten. Heute noch schwärmt der 93-jährige Anzenberger von dieser Reise und von Joseph Ratzinger, den er während der gemeinsamen Schulzeit in Aschau als „netten Burschen“ in Erinnerung hatte.
„Dass aus unserer Klasse einmal einer Papst wird, ist eine unglaubliche Sache. Es macht mich bis zum heutigen Tag überglücklich“, gesteht Anzenberger. Er vergisst auch nicht darauf hinzuweisen, dass der jetzt emeritierte Papst einst in seiner Jahrgangsstufe zum Klassensprecher gewählt wurde.
Aschau spielt im Leben von Benedikt, der am 16. April 1927 als Joseph Ratzinger in Marktl das Licht der Welt erblickte, eine durchaus bedeutende Rolle. Vater Ratzinger wurde als Gendarmeriebeamter öfters versetzt. So kam die Familie 1932 nach Aschau. Sie wohnten bis 1937 im Ort und zwar an der heutigen Hauptstraße 21. Die Ratzinger-Kinder Joseph, Georg und Maria besuchten die dörfliche Volksschule. Am 15. März 1936 empfing Joseph Ratzinger in Aschau seine Erstkommunion.
Grund genug für die Aschauer Bürger, den Tag nicht zu vergessen, der aus Kardinal Ratzinger Papst Benedikt XVI. machte. Vor 15 Jahren, am 19. April 2005 stieg aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle weißer Rauch auf und in unserem Land hieß es euphorisch: „Wir sind Papst“. Der erste deutsche Papst seit 500 Jahren.
Ehrenbürgerschaft
für den Pontifex
Für den damaligen Aschauer Gemeinderat, angeführt von Bürgermeister Josef Huber war schnell klar, dem bayerischen Papst die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Die Ehrenbürger-Urkunde sollte natürlich persönlich überreicht werden. So machte sich im Oktober 2006 eine 39-köpfige Gruppe auf den Weg nach Rom.
Altbürgermeister Huber erinnert sich: „Wir durften am 4. Oktober an einer Audienz teilnehmen. Anschließend wurden wir in einen Saal gebeten und hatten dort Gelegenheit, mit Papst Benedikt XVI. persönlich zu sprechen. Seinen alten Klassenkameraden Rupert Anzenberger erkannte der Papst tatsächlich auf Anhieb, was mir ein Schmunzeln entlockte.“
Die Atmosphäre sei angenehm gewesen betont Huber, der dem Papst die Ehrenbürger-Urkunde überreichen durfte. Kurz vor dieser Fahrt nach Rom, nämlich vom 9. bis 14. September, besuchte Benedikt XVI. seinerseits die geliebte bayerische Heimat. Auch davon kann Altbürgermeister Josef Huber eine kleine Anekdote berichten: „Der Papst wurde per Hubschrauber von München nach Altötting geflogen, was wir aber nicht wussten. Plötzlich ein Heidenlärm über Aschau, es war der päpstliche Hubschrauber, der extra tief über uns hinweg flog. Wir schauten alle gebannt aus dem Fenster und meine Frau sagte später, sie hätte den Papst sogar sitzen sehen.“
Beim Rückflug des Papstes nach Rom überquerte ein Flugzeug abermals Aschau. Dieses Mal jedoch unter Vorankündigung. Auf dem Sportplatz versammelten sich an diesem Septembertag daher über tausend Menschen, die dem Papst „Pfia God“ sagten und fröhlich gen Himmel winkten.
Für viele Gläubige ein Schock: Am 28. Februar 2013 erklärte der Pontifex völlig überraschend seinen Rücktritt vom Papstamt. Der Bayer ist der erste Papst seit Coelestin V. (13. Jahrhundert), der freiwillig abdankte. Somit schrieb Benedikt XVI. Kirchengeschichte.
Zwar keine Sensations-Geschichte, aber mit einem beeindruckenden Erlebnis kann auch Bürgermeister Alois Salzeder aufwarten. Der noch amtierende Rathauschef hatte nämlich die Gelegenheit, am 23. Februar 2016 bei einer Rom-Wallfahrt dem emeritierten Papst einen Besuch abzustatten. Aschaus Bürgermeister traf Benedikt in den Vatikanischen Gärten. „Er saß auf einer Sonnenbank und wartete mit Georg Gänswein auf uns“, sagt Salzeder. Man habe sich bestens unterhalten. Benedikt sei sehr an Neuigkeiten aus seiner bayerischen Heimat interessiert gewesen.
Einstigen Schulweg für Nachwelt erhalten
Alois Salzeder hatte natürlich auch einige Mitbringsel im Gepäck, darunter eine CD von Kathi Stimmer-Salzeder mit alpenländischer Musik. Der Liedermacherin wäre es übrigens ein Anliegen, den einstigen Schulweg von Joseph Ratzinger der Nachwelt anschaulich zu erhalten. Kathi Stimmer-Salzeder könnte sich Hinweistafeln oder ebenerdige Pflasterbilder vorstellen. Eine Papst Benedikt XVI.-Grundschule gibt es in Aschau ja bereits.