Waldkraiburg – Für einen jungen Rehbock ist es bei einem kleinen Schock geblieben, als er vor Kurzem bei St. Erasmus in den Innkanal gestürzt ist. Doch nicht immer gehen die tierischen Rettungsaktionen so glimpflich aus. Der Verbund, Betreiber des Innkraftwerks, arbeitet daher mit Interessensgruppen daran, solche Unfälle zu vermeiden. Keine leichte Aufgabe.
Zuletzt Anfang April waren Feuerwehr, Wasserwacht und THW am Innkanal im Einsatz, um einem jungen Rehbock das Leben zu retten. Immer wieder kommt es vor, dass die Einsatzkräfte zu einer solchen Rettungsaktion aufbrechen müssen. Stadtrat und Umweltreferent Done Brunnhuber hat dafür schon mehrmals freilaufende Hunde und den großen Freizeitdruck am Innkanal verantwortlich gemacht. Dass Einsatzkräfte ausrücken müssen, nur weil Hundehalter ihre Tiere nicht in Griff haben, ärgert ihn.
Ausstiegshilfe und Zaun in Überlegung
Der Verbund sucht bereits nach einer Lösung, um die Einsätze künftig zu minimieren und ist deshalb in Gesprächen mit verschiedenen Interessensgruppen. „Wir stehen im regen Austausch, um eine Lösung zu finden“, erklärt Pressesprecher Wolfgang Syrowatka.
An zwei Punkten könne man ansetzen: Einen Schutz anbringen, damit das Wild nicht ins Wasser fällt oder einen erleichterten Ausstieg ermöglichen, nachdem die Tiere im Innkanal gelandet sind. Ein Zaun an neuralgischen Punkten entlang des Innkanals könne eine Lösung sein, um die Tiere von einem Sturz ins Wasser abzuhalten.
Doch ganz so einfach ist es nicht. „Wenn Wild in Panik gerät, gibt es kein Halten mehr“, sagt Erich Loserth, Vorsitzender der Kreisgruppe Mühldorf im Bayerischen Jagdverband. Selbst ein Gewässer würde die Tiere nicht stoppen. „Wild hat keine Angst vor Wasser.“ Und ein Zaun wäre ein überwindbares Hindernis für aufgescheuchte Rehe. „Das wäre kontraproduktiv, wenn die Tiere reinkommen, aber nicht mehr raus“, sagt Loserth. Dieses Problem sieht auch Wolfgang Syrowatka: „Ein Zaun muss ordentlich gemacht sein, damit die Tiere auch wirklich davon abgehalten werden.“ Auch eine mögliche Verletzungsgefahr dürfe nicht außer Acht gelassen werden.
Eine zweite Möglichkeit sind Ausstiegshilfen in regelmäßigen Abständen am Ufer. Mittels Matten zum Beispiel aus Weidengeflecht könnten dann die Tiere Halt finden und sich aus dem Wasser selbst befreien, erklärt Loserth. Die müssten dann aber auch entsprechend groß sein, dass die Tiere dort Fuß fassen können.
Dass es bislang keine Ausstiegshilfen gibt, kann den Tieren zum Verhängnis werden. „Die Rehe können sich bei dem Versuch, sich aus dem Wasser zu befreien, die Klauen sehr stark verletzen“, sagt Loserth. Deshalb sei selbst nach einer Rettung aus dem Innkanal manchen Tieren nicht mehr zu helfen.
„Es ist kein einfaches Thema und daher gibt es auch noch kein finales Konzept“, erklärt Syrowatka. Gespräche dazu gebe es schon länger, aber es sei schwierig, alle Interessensgruppen, wie Naturschutz, Jäger oder Anrainer unter einen Hut zu bekommen. Bei Begehungen am Innkanal habe man bereits versucht, einen gemeinsamen Lösungsweg zu finden, am Ende der Überlegungen sei man aber noch nicht angelangt. Eine genaue Zahl, wie viele Tiere jedes Jahr in den Innkanal stürzen, hat er nicht.
Unabhängig der vielen verschiedenen Interessen gibt es aber einen Punkt, an dem man ansetzen kann. „Man muss versuchen, die Ursache in den Griff zu bekommen“, sagt Syrowatka, der damit die frei laufenden Hunde am Innkanal anspricht. Sein Appell: Aufeinander achten. Er versteht, dass Hunde Auslauf brauchen. Aber Hundehalter sollten darauf achten, dass die Tiere keine Rehe aufscheuchen.
Auch Jäger Erich Loserth bestätigt, dass das Wild mehr Angst vor Hunden als vor Menschen habe. „Je mehr Unruhe ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tier abhaut.“ Und damit auch die Wahrscheinlichkeit am Innkanal, dass ein Tier ins Wasser fällt.