Hilfsbereitschaft größer als Bedarf

von Redaktion

Zwischenbilanz: Corona-Nachbarschaftshilfen machen unterschiedliche Erfahrungen

Waldkraiburg-Pürten/St. Erasmus-Kraiburg – Der Aufruf zur Nachbarschaftshilfe in Corona-Zeiten hat in vielen Orten im Landkreis ein enormes Echo gefunden. 40 bis 50 Helfer meldeten sich zum Beispiel allein im Markt Kraiburg. Und mehr als 25 Mitglieder der Landjugend Pürten-St. Erasmus wollten Senioren in den Waldkraiburger Ortsteilen zur Seite stehen. Die Helfer freuen sich über überaus positive Reaktionen, machen aber auch die Erfahrung, dass bislang weniger Bürger Bedarf für die Hilfe anmelden als erwartet.

In der Woche vor
Ostern war ganz
schön was los

Rund fünfmal in der Woche sind die jungen Leute von der katholischen Landjugend Pürten unterwegs, um Einkäufe für ältere Mitbürger zu erledigen oder Medikamente von der Apotheke zu holen. „Die Woche vor Ostern war ganz schön was los“, sagt Florian Zacherl, einer der Hauptorganisatoren der Aktion, die über Telefon, SMS, Whats- app: 0162/5912636 oder per E-Mail: landjugend.puerten@gmail.com von Montag bis Samstag, 9 bis 16 Uhr, zu erreichen ist.

Außer einigen Bürgern in der eigenen Pfarrei betreuen die Jugendlichen auch ein Wohnprojekt der Stiftung Ecksberg in der Kopernikusstraße in Waldkraiburg. „Auch für diese Bewohner sind wir in Geschäften unterwegs“, so Zacherl. „Die Stadt Waldkraiburg hat uns dazu Ausweise ausgestellt, damit wir je nach Bedarf auch mehr einkaufen können, ohne dass wir vielleicht schief angeschaut werden.“

Meistens sind die Landjugendmitglieder mit zwei Autos unterwegs, deren Kofferräume auch mal ganz schön voll sind. Überwiegend wird in regionalen kleineren Geschäften eingekauft – etwa bei Edeka Rinner, der verschiedene Aktionen gerne unterstützt.

„Wir haben anscheinend alles gut organisiert und freuen uns besonders über die Resonanz“, sagt Zacherl. Einige Dankesschreiben und -worte haben sie schon erhalten. Auch von Leuten, die den Dienst noch nicht brauchen, ihn aber vielleicht später in Anspruch nehmen wollen.

Ähnlich groß war auch auf der anderen Seite des Inns die Bereitschaft zu helfen. „Die Resonanz war wirklich einzigartig: Als wir zur Nachbarschaftshilfe aufgerufen haben, waren es gleich 40 bis 50 Personen, die sich zur Mithilfe bereit erklärt haben“, sagt Monika Oberbacher. Bei der Seniorenbeauftragten der Pfarrei laufen die Fäden zusammen. Von allen Seiten sei positive Zustimmung für diese Gemeinschaftsaktion gekommen. Kirche und Gemeinde stehen dahinter. Pfarrer Michael Seifert, die neue Bürgermeisterin Petra Jackl, damals noch Senioren- und Familienbeauftragte der Marktgemeinde, der Jugendbeauftragte Adrian Hilge, Franz Eder vom Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein, und die Pfarrgemeinderäte Franz Kaindl (Ensdorf) und Elke Vorderegger (Frauendorf) stehen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Nur wenige Bürger
nehmen Angebot
in Anspruch

„Eigentlich ist bei uns in Kraiburg noch die heile Welt – es wird zusammengeholfen, die Familien unterstützen sich noch gegenseitig“, sagt Monika Oberbacher. Vielleicht liegt es auch daran, dass bisher die Kraiburger Nachbarschaftshilfe erst von wenigen Bürgern in Anspruch genommen wurde.

„So zwei- bis dreimal pro Woche erledigen wir Einkäufe oder dergleichen. Manche Senioren möchten halt noch selbst einkaufen und manche scheuen sich, Hilfe von Dritten anzunehmen“, glaubt Oberbacher.

Nicht nur die üblichen Einkäufe erledigen die Helfer. „Bringen Sie mir bitte ein Palmsträußerl oder das Osterlicht vorbei!“ Auch solche Wünsche haben sie an den Feiertagen erfüllt. Und wenn jemand einfach nur mal anruft, „sind wir gerne am Telefon freundliche Gesprächspartner oder Zuhörer“.

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