Waldkraiburg – Im Alter von 86 Jahren ist Harri Zahn unerwartet gestorben. Er erlag den Folgen einer Corona-Infektion.
Harri Zahn kam am 22. Juni 1933 in Niederfalkenau, Kreis Tetschen-Bodenbach, im Sudetenland als zweiter Sohn von Friedrich und Elsa Zahn, die eine Glasmalerwerkstatt betrieben, zur Welt. Nach der Volksschule besuchte er die Oberschule in Tetschen bis zum Ende des Krieges. Als Sozialdemokraten und Antifaschisten wurde die Familie Zahn zwar nicht zur Aussiedlung gezwungen, verließ aber aus eigenem Entschluss das Sudetenland. Die Familie gelangte nach Bodenmais, wo Harri Zahn die Fachschule für Glasindustrie in Zwiesel besuchte und zum Glasmaler und Industriezeichner ausgebildet wurde.
Er sammelte in verschiedenen Betrieben Berufserfahrung und fand 1955 bei der Firma Füger in Waldkraiburg eine langfristige Anstellung als Glasmaler. Hier lernte er auch seine spätere Ehefrau, Annelies Zahn, kennen, die ebenfalls in der Glasindustrie arbeitete. Als sich der Niedergang der Glasindustrie in Waldkraiburg abzeichnete, wechselte Harri Zahn 1970 zur damaligen Firma Chemische Werke LOWI (heute SI Group Germany), wo er als Technischer Zeichner arbeitete und viele Jahre als Betriebsrat tätig war.
Seit dieser Zeit beschäftigte er sich auch mit der Geologie im Landkreis Mühldorf und machte durch Vorträge und Führungen die Besonderheiten des Inntals bekannt. Viele seiner Blattfunde aus dem Tertiär stellte er Museen zur Verfügung.
Nach Ende seiner beruflichen Tätigkeit widmete er seine Zeit dem Erhalt der Erinnerung an das Leben im Sudetenland. In seinem Buch „Aufstieg und Fall des Glasdorfes Falkenau-Kittlitz – Nordböhmen“ schilderte er die Glasindustrie, Herstellung und Veredelung der Gläser sowie Arbeit und Nöte der Beschäftigten. Mit Beiträgen im Ebinger Heimatbuch 2001 und im Waldkraiburger Stadtbuch 2009 beschrieb er die Vor- und Frühgeschichte der Region.
Aus seiner Gläser-Sammlung überließ er besondere Exemplare dem Museum der Stadt Waldkraiburg, wo er als Berater und Besucherführer im Glasmuseum tätig war. Außerdem war er im Förderverein des Stadtmuseums aktiv. In den monatlichen Treffen der Heimatgruppe Oberland-Niederland erfreute er oft mit mundartlichen Erzählungen aus seiner Kindheit.
In heimatkundlichen Zeitschriften berichtete Harri Zahn in mehr als 100 Beiträgen über seine Erlebnisse, aber auch die seiner Frau Annelies während ihrer Kindheit im Sudetenland. Er verband seine Erzählungen mit volkskundlichen Schilderungen der damaligen Lebens- und Wirtschaftsweise, etwa dem abendlichen Dengelkonzert, der Zubereitung der „Arplsuppe“ oder der „schwarzen Lotterie“. Jetzt wird eine wichtige Stimme fehlen, die an das einfache Leben der Vorfahren vieler Waldkraiburger erinnert hat.