Kritik mit Geduld begegnen

von Redaktion

Alois Salzeder (AWG) hört nach zwölf Jahren als Bürgermeister von Aschau auf

Aschau – Gemeinsam mit anderen scheidenden Gemeinde- und Kreisräten im Thermal-Whirlpool im neuen interkommunalen Freibad abtauchen – so hätte sich Bürgermeister Alois Salzeder (AWG) seinen letzten Arbeitstag als Aschaus Bürgermeister sehr gut vorstellen können. Auch wenn die Aschauer beim Bürgerentscheid für eine interkommunale Zusammenarbeit mit Waldkraiburg gestimmt hätten, hätte Alois Salzeder jetzt aufgrund der Corona-Pandemie auf ein Bad verzichten müssen.

Generell hätte sich Bürgermeister Alois Salzeder seine letzten Tage als Bürgermeister anders vorstellen können. Nicht mitten in einer Pandemie, in der eine Übergabe an seinen Nachfolger schwierig und es nicht einfach ist, einen Haushalt aufzustellen, bei dem nicht abzusehen ist, wie groß am Ende der Einbruch der Gewerbesteuer sein wird.

Viele kleine Dinge jeden Tag zu regeln

Am 1. Mai geht für ihn seine Zeit als Aschaus Bürgermeister nach zwölf Jahren zu Ende. Eine Zeit, die er für sich nie in Betracht gezogen hat. Die AWG hatte für die Kommunalwahl 2008 sogar bereits einen anderen Kandidaten für die Nachfolge von Altbürgermeister Josef Huber. Doch der hat seine Kandidatur wieder zurückgezogen und so ging die AWG auf Salzeder zu. „Ich habe mich damals mit meiner Frau beraten und die meinte, dass ich das leicht machen kann.“ Sie habe sich die Arbeit gar nicht so schwierig vorgestellt, nachdem sie selbst bis dahin nur ein einziges Mal den Bürgermeister benötigt hat. Bei der eigenen Hochzeit. Ganz so einfach war es dann doch nicht. „Ich war überrascht, wie viele kleine Dinge auf einen Bürgermeister zukommen, wie zum Beispiel 30 Rechnungen am Tag abzuzeichnen“, erzählt er.

Und wie er und seine Frau hatten auch andere Paare bei der standesamtlichen Hochzeit den Bürgermeister vor sich stehen. „Über die Trauungen hab ich mich jedes Mal gefreut, ich fand das immer wieder beeindruckend.“

Nicht nur bei den kleinen Dingen war Salzeder in den vergangenen Jahren gefordert: Zwei Millionen Euro hat die Gemeinde in die Wasserversorgung mit einem neuen Hochbehälter investiert. „Das war eine vernünftige Entscheidung.“ Nach der Wirtschaftskrise schaffte es die Kommune, den Aufschwung zu nutzen und neue Betriebe ins Industriegebiet zu holen. Als Erfolg für die Gemeinde wertet er auch den Bau der MÜ25: „Wir konnten uns mit den Grundstückseigentümern einigen. Das war nicht einfach, aber sinnvoll.“ Und nicht zuletzt schaffte es die Gemeinde gegen alle Widerstände, dass die Grundschule nach Papst Benedikt XVI. benannt wird.

Als Bürgermeister braucht man ein dickes Fell. Mit viel Geduld hat Salzeder die Kritik an ihm und seiner Arbeit aufgenommen und gerne die Diskussion mit seinem Gegenüber gesucht. „Der direkte Austausch ist fair. Aber es hat mich geärgert, wenn hintenrum geredet worden ist.“ Dann hätte man nämlich nicht die Chance, Halbwahrheiten zurückzuholen, den Sachverhalt aufzuklären. „Die große Kritik muss man sich anhören und abhaken.“

Kritische Sätze gab es auch im Gemeinderat für ihn zu hören. „Es war nicht immer einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch wenn wir uns nicht einig waren, hinterher haben wir uns wieder vertragen“, sagte er in der letzten regulären Sitzung in Richtung Gemeinderat. Man habe offen seine Meinung vertreten können, bei vielen Entscheidungen habe es Gegenstimmen gegeben. Alois Salzeder war von 1990 bis 1996 und von 2002 bis 2008 Gemeinderat, seit 2008 ist er Mitglied im Kreistag, wo er auch in den nächsten sechs Jahren noch sein wird. Rückblickend spricht Alois Salzeder von einer „tollen, interessanten Zeit“, in der er viele angenehme Leute kennengelernt habe.

Offene Projekte für den Nachfolger

In den vergangenen zwölf Jahren hat Aschau viel auf den Weg gebracht, doch nicht hinter jedem Projekt kann Salzeder am Ende seiner Amtszeit einen Haken setzen. Die Sanierung des Schmiedwegs, die Zukunft des Pichlmeier-Areals und nicht zuletzt der Bürgerentscheid zum geplanten Gewerbegebiet bei Thann fallen nun in die Zuständigkeit des neuen Gemeinderats und seines Nachfolgers. „Das Gewerbegebiet hätte ich gerne noch zu Ende gebracht.“

Dazu wünsche er sich, dass die Gemeinde noch etwas mehr Zeit hätte, um die Bürger zu informieren. „Den Leuten sollte man die Chance noch geben, Fragen zu stellen. Manche sind vielleicht noch unentschieden.“ Aber der zeitliche Rahmen in Verbindung mit der Corona-Krise macht es aktuell unmöglich. „Nur dagegen zu sein, da macht man es sich zu einfach. Man müsse auch im Sinne der Gemeinde denken.“ Mit einem Gewerbegebiet könne man Arbeitsplätze in der Gemeinde sichern – ein positiver Aspekt für alle Bürger.

Dass es mit einem interkommunalen Waldbad nicht geklappt hat, bedauert Salzeder. „Das wäre ein idealer Standort gewesen, wo ein wunderschönes Waldbad hätte entstehen können. Das wäre für alle positiv gewesen.“

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