Kraiburg – Ein guter Bürgermeister muss Prioritäten setzen. Davon ist Dr. Herbert Heiml (CSU) überzeugt. Er hat sie gesetzt in seiner Zeit an der Spitze der Gemeinde Kraiburg. Hat Ideen entwickelt, Projekte angestoßen, Maßnahmen durchgesetzt. Darauf hat Heiml seinen Schwerpunkt gelegt. „Wer soll‘s denn sonst machen, grade in einer kleinen Gemeinde wie Kraiburg?“, fragt der 68-Jährige, der mit dem heutigen Donnerstag aus dem Amt scheidet.
Nicht alles sei gelungen, nicht um jedes Detail habe er sich kümmern können, nicht jeden Geburtstag besucht, nicht alle Vereinsversammlungen. Das ist bei einem ehrenamtlichen Bürgermeister, selten genug für eine Gemeinde mit über 4000 Einwohnern, schlicht nicht mehr drin im Zeitbudget.
Stolz auf
viele Erfolge
Schwierige Grundstücksverhandlungen, die Kontakte mit Landratsamt und vielen anderen Behörden, zu denen er gute Verbindungen aufgebaut habe, waren dagegen immer Chefsache. Selbst für die Baugebiete habe er die ersten groben Entwürfe selber skizziert, sagt er, ehe dann die Planer übernahmen.
Ohne Partner geht es nicht, kommt nichts voran in der Kommunalpolitik. Heiml weiß, wie wichtig die Zusammenarbeit mit Bürgern, Landratsamt und anderen Behörden ist, mit Gemeinderat, Verwaltung, den politischen Vertretern der Region in München und Berlin. Sie haben ihren Beitrag geleistet zu einigen Ergebnissen, die er seit 2011, als er für den erkrankten Vorgänger Michael Loher die Amtsgeschäfte übernahm, erreicht hat und auf die er stolz ist. Gerne zeigt er die Grafik her, aus der hervorgeht, wie sich die Haushaltslage des Marktes unter seiner Verantwortung entwickelt hat. 2010, kurz nach der Finanzkrise, übertrafen die Schulden die Rücklagen um drei Millionen Euro. 2019 hat Kraiburg 1,35 Millionen Euro mehr Rücklagen als Schulden. Dabei hat die Gemeinde ihren größten Gewerbesteuerzahler verloren.
Die vier Baugebiete, die in seiner Amtszeit ausgewiesen wurden, waren ihm „ein großes Anliegen“. Von Anfang an habe er sich für den Ausbau des Hochwasserdamms eingesetzt. Der Trassenverlauf, der zum Tragen kam, gehe auf seine Initiative zurück. 600000 Euro habe er der Gemeinde damit gespart.
700000 Euro Zuschuss
für Bad und Spielpark
Er freut sich darüber, dass der Markt heute mit dem Bischof-Bernhard-Saal für 550000 Euro Eigenanteil eine „wunderbare Versammlungsstätte“ und gemeinsam mit der Kirche ein Baudenkmal erster Güte erhalten habe. Der historische Marktplatz ist durch Sanierungsmaßnahmen attraktiver geworden. „Kurz nach meiner Wahl im Oktober 2012 standen neben dem Rathaus noch drei Ruinen.“ Deren Sanierung ist das Verdienst privater Investoren. Heiml hat geholfen, dafür die Voraussetzungen zu schaffen.
Und zum Finale seiner Amtszeit gab’s nach langem Warten sogar beim Naturbad-Projekt gute Nachrichten. „Der Zuwendungsbescheid ist da“, konnte er am Dienstag im Gemeinderat vermelden. 289800 Euro Zuschuss fließen aus einem Förderprogramm des Bundes.
Zusammen mit den Leader-Plus-Mitteln hat Heiml für das Naturbad, das das 2015 geschlossene Freibad ersetzen wird, und ein benachbartes Freizeitgelände insgesamt 700000 Euro Förderung an Land gezogen.
Gestern Abend war der Spatenstich für das Bad angesetzt. Dass bis heute erzählt wird, er hätte das Bad am liebsten für immer zugesperrt und das Projekt bis zuletzt verzögert, ärgert ihn fürchterlich. Fuchsteufelswild konnte der 68-Jährige werden, wenn Gerüchte und Verdächtigungen anonym von Bürgern verbreitet wurden. In so mancher Gemeinderatssitzung hat er deshalb öffentlich Luft abgelassen und deutlich gemacht, dass er zum Verein der Freunde der deutlichen Aussprache zählt.
So kennt man ihn auch beim Denkmalamt. Wenn Heiml das Gefühl hat, dass die Weiterentwicklung der Gemeinde von einer Mitarbeiterin der Denkmalpflege blockiert wird, ist es vorbei mit der Diplomatie. Da platzt ihm schon mal die Hutschnur. „Mich stört die Rigidität des Denkens. Da wird um jeden Reichsformatziegel gekämpft. Das geht an der Realität vorbei.“
Kommunalpolitik in Kraiburg konnte in diesen Jahren durchaus Unterhaltungswert haben. Heiml hat zuverlässig einen maßgeblichen Beitrag geleistet. Nicht immer zur Freude aller Gemeinderäte. Die UWG-Fraktion hat ihn deshalb sogar einmal mit einem Antrag zur Begrenzung der Sitzungsdauer einzubremsen versucht.
Die Geschichte ist ein großes Potenzial für Kraiburg, und sie ist zugleich Belastung. Das habe trotz Städtebauförderung Eigenmittel gebunden, und sei mit ein Grund für ein Defizit, das der scheidende Bürgermeister in seiner Amtszeit einräumt: „Den Straßenbau im Außenbereich haben wir ein bisserl vernachlässigt.“
Kommunalpolitik mit
Unterhaltungswert
Mit der Übergabe der Amtsgeschäfte an seine Nachfolgerin Petra Jackl endet für Heiml eine lange Zeit in der Gemeindepolitik. Seit 1990 gehörte der Zahnarzt dem Gemeinderat an und wurde 1996 Zweiter Bürgermeister. Schon bei der Kommunalwahl 2002 bewarb er sich aussichtsreich um den Bürgermeisterposten – und scheiterte.
„Einen Monat lang war ich enttäuscht, beleidigt.“ Im Nachhinein glaubt er, dass es gut so war, erst recht aus der jetzigen Erfahrung heraus, wie viel Arbeit, Ärger und Stress dieses Amt bedeutet. Das hätte sich mit den Aufgaben in der Praxis und in der Familie nicht vertragen. Er könne eigentlich nur dankbar sein, dass er damals nicht gewonnen habe.
Heiml konnte das Amt ausfüllen. Anstrengend war es trotzdem. Aber eben auch sehr interessant. Ganz kann er deshalb noch nicht aufhören mit der Kommunalpolitik. Nach sechs Jahren im Kreistag hängt er dort eine Amtszeit dran. Ein Thema hat es ihm besonders angetan: die Krankenhausfusion. „Ich bin der Meinung, dass die nächsten sechs Jahre wegweisend werden, ob die Fusion gut und fair funktioniert.“