Die Tür seiner Werkstatt bleibt nun für immer geschlossen

von Redaktion

Nachruf Der „Schuasta Toni“ stirbt mit 98 Jahren – Erst kürzlich noch in Werkstatt

Kraiburg – Noch vor wenigen Wochen hat er in seiner Werkstatt gearbeitet. Jetzt hat er das Werkzeug für immer weggelegt: Toni Thalhammer, der Kraiburger Schuster, ist nicht mehr. Im Alter von 98 Jahren ist er nach einem Sturz im Krankenhaus gestorben.

Bis zuletzt war der Toni geistig noch sehr rege, hatte großes Wissen aus der Vergangenheit und war an allem interessiert. Er werkelte mit Leidenschaft in seiner Werkstatt und genoss den Kontakt mit den Bürgern aus Kraiburg und Umgebung. Hatte jemand Schuhe mit gelöster Sohle oder einen kaputten Reißverschluss – da „Schuasta Toni“ reparierte es gegen ein geringes Entgelt.

Doch nicht nur mit Schuhen kannte er sich aus, auch in Sachen Pferdesattel oder Rucksäcken war er bewandert. So hätte er noch viele Pläne gehabt und wollte wieder Leder für seine Lieblingsbeschäftigung einkaufen. Denn wenn er nichts zu richten hatte, wurde ihm langweilig.

Das abwechslungsreiche Leben von Toni Thalhammer begann am 10. März 1922 in Kraiburg. Hier wuchs er mit zwei Schwestern auf. Schon nach der Schulzeit erlernte er das Schusterhandwerk. Mit 19 Jahren kam er zum Kriegsdienst, machte dort viel durch und konnte erst Ende 1947 nach waghalsiger Flucht aus der Gefangenschaft in die Heimat zurückkehren.

1949 trat er mit Lotte Baumann vor den Traualtar. 1962 übernahmen sie das Schuhgeschäft von Tonis Eltern. Als weitum bekanntes Fachgeschäft führten sie dieses mit leidenschaftlicher Hingabe bis 1994. Der persönliche Kontakt mit den Kunden und deren Beratung war ihnen beiden sehr wichtig. Ein „lustiges Schwätzchen“ gehörte dabei immer dazu.

Dem Toni war im Ruhestand das Vereinsleben auch weiterhin wichtig. Über ein halbes Jahrhundert war er in einigen Vereinen dabei. So sang er 54 Jahre lang aktiv bei der Liedertafel mit und fing noch mit 80 Jahren beim Kirchenchor an.

Zusammen mit seiner Frau unternahm er gerne Fahrten und Reisen zu Thermalbädern. Als sie erkrankte und auch in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt war, war er immer für sie da und hat sie unterstützt. So war es ein schwerer Schicksalsschlag, als seine Frau 2017 verstarb. Hängen ließ er sich nicht und werkelte in seinem Reich weiter.

Trotz einer Hüftoperation und weiterer Krankenhausaufenthalte, machte er mit Unterstützung noch seinen Haushalt selbst, kochte für sich und fuhr bis August 2019 noch mit dem Auto.

Ein beliebter und geselliger Mensch wurde nun im Kraiburger Friedhof zu Grabe getragen. Und die Tür seiner Werkstatt bleibt nun für immer geschlossen.bac

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