Waldkraiburg – Die Bewohner des Wohnhauses am Stadtplatz, das durch den Großbrand am vergangenen Montag beschädigt wurde, müssen sich weiter in Geduld üben. Noch immer können sie nicht in ihre Wohnungen zurückkehren, übernachten im benachbarten Hotel oder bei Verwandten und Freunden.
Erinnerungen an
die Brandnacht
So wie Birol B., der mit seiner Familie ins Hotel gezogen ist. Er war es, der am vergangenen Montag um 2.56 Uhr den Notruf wegen des Feuers im Gemüseladen absetzte. „Drei Minuten vorher hatte es gekracht.“ Er habe an den Türen der anderen Wohnungen geklopft und die Leute im Haus geweckt, erzählt er. „Wir sind sofort raus. Im Treppenhaus war da schon Rauch.“
Ernst K. hat es nicht mehr aus dem dritten Stock geschafft. Der 68-Jährige sitzt im Rollstuhl. „Mit dem Fahrstuhl war es mir zu gefährlich. Es hat ja schon gequalmt.“ Ein paar Minuten später kamen zwei Feuerwehrleute in seine Wohnung und blieben bei ihm, bis um 5.15 Uhr das Ärgste vorbei, der Rauch aus dem Haus geblasen war.
Eine ältere Dame, die auf Krücken angewiesen ist, holte die Feuerwehr mit der Drehleiter aus dem Haus. Sechs Personen erlitten leichte Verletzungen.
Jetzt ist Ernst K. in einem rollstuhlgerechten Hotelzimmer untergebracht. So wie insgesamt ein Dutzend der Hausbewohner, die in sechs Zimmern untergekommen sind, wie Serhad Yazici von der Betreiberfamilie des Hotels bestätigt. Die Unterbringung im Hotel ist möglich, denn die Corona-Regeln untersagen ja nur eine touristische Nutzung des Hauses. Die anderen Hausbewohner übernachten bei Verwandten oder Freunden. Eine Person, die nicht unterkam, hat die Stadt untergebracht.
Frühestens in zwei Wochen werden die Bewohner wieder zurückkehren können, glaubt Hausverwalter Jürgen Abrahamfi. Das Feuer und vor allem auch der Rauch, der von der vorgelagerten Ladenzeile am Sartrouville-Platz nach oben stieg, hat beträchtliche Schäden hinterlassen.
Stromleitungen sind weggeschmort
Es gibt kein Wasser, keinen Strom. „Die Leitungen sind weggeschmort“, sagt Abrahamfi. Bewohner berichten, dass Hauseingang und Treppenhaus total verrußt sind und der Fahrstuhl nicht mehr funktioniert. Die Schäden seien durch die Versicherung abgedeckt, so Abrahamfi. Die Versicherung trägt für Wohnungseigentümer auch die Hotelkosten. Der Bericht eines Statikers steht noch aus, ein Chemiker hat Proben in den Wohnungen genommen, die genauen Laborergebnisse lagen Ende der Woche noch nicht vor. Daran werde der Wiedereinzug nach Abschluss der Sanierung nicht scheitern.
Mitarbeiter einer Spezialfirma für die Beseitigung von Wasser- und Feuerschäden haben im Auftrag der Versicherung seit Mitte der vergangenen Woche schadensmindernde Sofortmaßnahmen umgesetzt.