Waldkraiburg – Der Mann hat Stehvermögen. Seit 1978 ist Gustl Schenk Mitglied im Waldkraiburger Stadtrat. Damals war er noch bei der SPD. In der sechsten Amtsperiode trennten sich die Wege. Seit 2008 ist Schenk ein Unabhängiger. Sieben Mal wurde er wiedergewählt. Zwischendrin war er auch mal einige Jahre Dritter Bürgermeister. Mit 82 Jahren geht er nun in seine achte Amtszeit als Stadtrat. Was treibt den Mann an? Wie hält er es nur so lange in der Kommunalpolitik aus? Fragen an einen der ältesten Stadträte Bayerns.
Herr Schenk, Sie gehen mit 82 Jahren in Ihre achte Amtszeit. Hat Sie schon mal jemand als
Politjunkie bezeichnet?
Nein, aber als politikgamsig. Ich hab halt zwei Laster, die mich nicht loslassen: Theater und Politik.
Im Ernst, hat (Kommunal-)Politik nicht doch was von einer Droge?
Das kann schon sein, ich bin aber nicht süchtig. Es muss einfach auch Spaß machen, wenn‘s auch nicht immer spaßig ist.
Was ist so schön am Waldkraiburger Stadtrat, dass Sie nicht genug kriegen können?
Ich bin halt ein Mensch, der sich wohlfühlt, immer unter Menschen zu sein, für die Bürger da zu sein und ihre Interessen zu vertreten.
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Mal, die erste konstituierende Sitzung? Das muss im Mai 1978 gewesen sein…
Wauh! Des is scho so lang her. Na, des woaß i nimmer!
Worauf sind Sie nach diesen 42 Jahren als Stadtrat besonders stolz?
Besonders stolz und vor allem, was mich am meisten freut, ist, dass die Waldkraiburger Wähler, trotz allem, auch einen 80-Jährigen noch akzeptieren und in den Stadtrat wählen. Was mich dagegen irritiert ist die schwache Wahlbeteiligung. Corona? Jugend? Ich weiß nicht.
Welchen Beschluss haben Sie besonders bereut?
Der Beschluss, dass wir das Waldbad nicht mit Aschau machen, weil der Bürgerentscheid buchstäblich wegen einer Handvoll Aschauer gescheitert ist.
Wie hält man es in der Kommunalpolitik so lange aus? Haben Sie einen Tipp für die Neulinge in Waldkraiburg und anderswo?
Einmal gewählt, sollst Du für den Bürger da sein. Und das darf keine leere Worthülse sein. Ein Stadtrat muss den Mut haben, dem Bürger zu sagen, was geht und was nicht geht. Man kann es nicht jedem recht machen. Und er muss den Mut haben, seine Meinung zu vertreten und auch Kritik einzustecken, aber auch die Kraft, einem besseren Vorschlag zuzustimmen und nicht einfach abzulehnen, weil er von der anderen Seite kommt.
Eine Baustelle, die Ihnen ganz besonders am Herzen liegt, ist die Erneuerung des Goetheplatzes. Für die kämpfen Sie – gefühlt – schon seit Jahrzehnten ohne Erfolg. Haben Sie deshalb noch nicht fertig?
Nein, ich habe noch nicht fertig. Ich bleibe am Goetheplatz dran. Man lernt ja nie aus, im Gegenteil, vielleicht lernen die anderen noch dazu.
Was haben Sie sich für diese Amtszeit noch vorgenommen?
Eine schwierige Frage: Corona wird uns noch einiges an Problemen auferlegen, allein die wegbrechenden Steuern. Da wird so manches Projekt ein Traum bleiben. Wir sollten uns motivieren, gemeinsam in dieser schlimmen Zeit, das Beste zu erreichen. Kreativität ist jetzt gefragt. Es gibt den Spruch: Vernunft ist das Ende der Kreativität. Ich glaube aber, wir brauchen jetzt beides. Und jetzt noch zu mir: In meinem Alter muss ich nicht mehr, aber ich will, weil es mir noch Spaß macht! Und ich werde meine Erfahrungen einbringen, die ich in meinem Leben gesammelt habe. Wichtig ist, dass Du an Dich glaubst, und a bisserl Gelassenheit gehört auch dazu.
Hand aufs Herz: 2026, wenn diese Amtsperiode endet, sind sie 88. War’s das dann? Oder treten Sie noch mal an?
I nimm de Hand jetz sofort vom Herz, sonst sog i tatsächlich no „Ja“. I woaß ja gar net, ob i 88 werd.
Zum Schluss noch eine andere Frage: Was macht eigentlich die Schauspielerei?
So lang i Theater ko, ko i a Politik.
INterview: Hans Grundner