Waldkraiburg – „Der ganze Stadtteil wartet darauf.“ Der neue Verkehrsreferent Harald Jungbauer (CSU) brachte es auf den Punkt: Die Bewohner des Föhrenwinkels mussten in den vergangenen Jahren viel Geduld aufbringen. Doch jetzt, vier Jahre nachdem der Stadtrat die ersten Pläne für die Erneuerung und Umgestaltung des Finken- und des Meisenwegs abgesegnet hatte, wurde eine neue Vorplanung gebilligt. Sie sieht eine deutlich aufwendigere, verkehrsberuhigende Gestaltung der beiden Straßen vor. Entsprechend steigen die geschätzten Kosten – inklusive Straßenbeleuchtung – auf 1,5 Millionen Euro (siehe Infokasten). Dass die Planung keinen eigenen Radweg vorsieht, sorgte für Diskussionsstoff.
Viele Diskussionen
mit den Anwohnern
„Wir wollen endlich starten“, betonte Bürgermeister Robert Pötzsch, nachdem es immer wieder Verzögerungen gegeben hatte. Zuerst wurden lange Diskussionen mit den Anliegern geführt, wegen der zum Teil erheblichen Ausbaubeitragssätze. Dann ging nichts mehr, weil unklar war, wie es mit den Beiträgen überhaupt weitergehen würde, die 2018 dann tatsächlich abgeschafft wurden. Und zuletzt kamen die Pläne für die Bebauung westlich des Finkenwegs in die Quere.
Seit der Bebauungsplan beschlossene Sache ist, gibt es auch für die Straße Planungssicherheit. Und eine neue Vorplanung. Die ist deutlich aufwendiger als ihre Vorgängerin, die „die Anlieger nicht über Gebühr belasten sollte“, wie Carsten Schwunck, der Leiter der Bauabteilung, deutlich machte. Jetzt wird eine verkehrsberuhigende Variante mit Straßenverschwenkungen umgesetzt. Im Finkenweg wird der Straßenquerschnitt um zwei Meter erweitert, der Gehweg auf beiden Seiten verbreitert, Parkbuchten ausgebaut, und Allebäume gepflanzt.
Im Meisenweg wird bei unverändertem Querschnitt soweit möglich die verkehrsberuhigende Gestaltung fortgesetzt. Mindestens 1,60 Meter sind die Gehwege laut Planer Robert Behringer. Die Längsparkbuchten sind 2,20 Meter breit, im Finkenweg sogar 2,50 Meter. Insgesamt 42 Stellplätze, davon neun im Finkenweg, werden mit Rasengitterpflaster gestaltet, Parkmöglichkeiten gibt es beidseitig auch außerhalb dieser Bereiche.
An der Zufahrt zum Ortsteil Föhrenwinkel kommt zudem eine Querungshilfe für die Radler.
Diese Pläne wurden im Stadtrat positiv aufgenommen, mit einer Ausnahme: Einige Stadträte hätten lieber einen eigenen Radweg gesehen. Charlotte Konrad (CSU) verwies auf „die vielen Kinder, die mit dem Radl in die Stadt fahren“. Und Christoph Vetter (UWG) erinnerte an den Grünen Weg, wo man sich auch für einen eigenen Radweg entschieden habe.
In einem verkehrsberuhigten Bereich mit Tempo 30 sei Mischverkehr möglich, hielt Robert Behringer entgegen. Der Ingenieur erinnerte an die Planungsvorgabe, einen verkehrsberuhigten Bereich zu realisieren. „Ein Radweg ist wünschenswert, aber wegen der Platzverhältnisse nicht machbar. Dann müsste etwas anderes wegfallen, Pkw-Stellplätze oder Bäume.“
Und Carsten Schwunck ergänzte, die Situation sei anders als im Grünen Weg. Der Föhrenwinkel ist ein reines Wohngebiet, das ist keine Durchgangsstraße. Finkenweg und Meisenweg haben keine erhöhte Verkehrsbelastung.“
Ein Vorschlag des UWG-Fraktionssprechers Frieder Vielsack, Schwellen enzubauen, um Raser einzubremsen, hat keine Aussicht auf Realisierung. Schwunck: „Schwellen haben sich nicht bewährt.“ Wegen der Lärmbelastung und weil in diesem Bereich die Unfallgefahr steigt. Wegen der Verschwenkungen der Straße komme man nicht auf hohe Geschwindigkeiten, so der Chef des Bauamts. „Und die Chaoten werden wir nicht einbremsen können.“
Die Planung sei „auch für die Radfahrer eine runde Sache“, findet Verkehrsreferent Harald Jungbauer. CSU-Fraktionschef Anton Sterr erkundigte sich nach den Erschließungskosten, die den Anliegern im Neubaubereich entstehen. Dazu Schwunck: Für die Stichstraßen werden die Anlieger herangezogen, nicht aber für den Ausbau des Finkenwegs. Sterr findet, dass den Alteigentümern auf der anderen Straßenseite, die vor 30, 40, 50 Jahren zur Kasse gebeten wurden, kaum vermittelbar sei, dass die Neuanlieger „jetzt eine Top-Straße frei Haus bekommen“. Doch nach geltendem Recht ist die Erneuerung des Finkenwegs laut Schwunck nicht umlagefähig.