Waldkraiburg/Pürten – Ein neues Fahrzeug ist für Feuerwehren immer eine ganz große Sache. Sich zunächst mit allem vertraut machen und als Höhepunkt dann natürlich die Fahrzeugsegnung. Doch was, wenn all das wegen Corona nicht möglich ist? Die Pürtener Feuerwehr steht genau vor diesem Problem.
Dreieinhalb Jahre dauerten die Vorbereitungen für das neue Fahrzeug, das das alte Löschgruppenfahrzeug LF8 ersetzen soll. Ende Februar war es dann endlich soweit, das neue „Mittlere Löschfahrzeug“ (MLF) konnte in Zwickau abgeholt und nach Pürten gebracht werden.
Wegen Corona keine Schulungen erlaubt
Damit alles passt, haben die Aktiven sogar noch das Feuerwehrgelände Lkw-tauglich gemacht. Doch dann kam Corona und im Feuerwehrhaus kommt man nur noch zu Einsätzen zusammen. „Momentan ist alles eingestampft“, sagt Kommandant Michael Heindl. Keine Übungen und damit auch keine Schulungen am neuen Feuerwehrfahrzeug.
Die allerdings braucht es, damit das neue MLF in Betrieb genommen werden kann. Deshalb verlässt das neue Fahrzeug das Feuerwehrhaus aktuell auch nur zu Bewegungsfahrten, die ursprünglich für Ende April geplante Fahrzeugweihe fiel natürlich aus. Somit fährt die Pürtener Wehr weiterhin mit ihrem LF8 zu Einsätzen – wegen Corona.
Kommandant Michael Heindl hat sich daher etwas einfallen lassen: Kurze Videos zeigen Fahrzeugaufbau und die Geräteräume. „Die Videos ersetzen zwar die Übungen nicht, aber sie vermitteln einen ersten Eindruck und wir müssen nicht bei Null anfangen.“
Auf die Idee gekommen ist er durch die Feuerwehr Loizenkirchen. Die hatte nämlich Ende vergangenen Jahres ein neues Fahrzeug bekommen und konnte bedingt durch die Corona-Krise keine Schulungen am neuen Fahrzeug durchführen. Heindl ist in der niederbayerischen Gemeinde aufgewachsen und war dort Mitglied bei der Feuerwehr. Beide Wehren verbindet mittlerweile eine Freundschaft.
Insgesamt fünf Videos hat Michael Heindl gemeinsam mit Thomas Zacherl, Manuel Kifinger und Daniel Schmidhuber zu dem neuen MLF produziert. In jeweils ein paar Minuten lernen die Aktiven der Pürtener Feuerwehr die unterschiedlichen Bereiche des Fahrzeugs kennen.
Fünf Videos führen durch das Fahrzeug
Wo befindet sich im Fahrerraum das Funkgerät? Wie lassen sich die Geräteräume öffnen und schließen? In welchem Raum ist welche Technik untergebracht? „Eine erste Orientierung, um die Zeit für die Übungen abzukürzen“, sagt Heindl.
In der Regel dauert es etwa zwei Monate, bis ein neues Fahrzeug in Dienst genommen werden kann. Das neue Fahrzeug ist für die Pürtener Wehr ein „Quantensprung“. Mehr als drei Jahrzehnte war das bisherige LF8 im Einsatz, jetzt also ein MLF. „Ein gravierender Unterschied ist, dass wir jetzt einen Wassertank mit 1000 Litern dabei haben“, erklärt Heindl. Lüfter, Stromgeneratoren – vieles ist neu am MLF. All das sollen die Aktiven kennenlernen, sobald es die Corona-Beschränkungen wieder möglich machen. Dann sollen Feuerwehrler möglichst schnell auf dem MLF geschult werden, um es bald in Betrieb nehmen zu können.
Da kommt die Meldung aus dem bayerischen Innenministerium und Kreisbrandrat genau zur richtigen Zeit. Ab 15. Juni sollen Übungen bei der Feuerwehr wieder möglich sein. In Kleingruppen von maximal sechs Leuten. Von da an will Michael Heindl damit beginnen, dass seine Aktiven im Wechsel „massiv das neue Auto beüben.“ Sobald alle vertraut sind mit den Eigenheiten des neuen Fahrzeugs, soll es auch eine Fahrzeugsegnung geben. „Im ganz kleinen Rahmen – coronakonform“, sagt Heindl. Dann muss nur noch das MLF bei der Leitstelle gemeldet werden, sodass die Aktiven dort bei Einsätzen Platz nehmen können.