Waldkraiburg – Thomas Rahnert ist sauer. Beim Soforthilfeprogramm für Kinos in Bayern, das aufgrund der Corona-Krise aufgelegt wurde, schaut der Betreiber des Cinewood in Waldkraiburg ebenso mit dem Ofenrohr ins Gebirge wie beim „Zukunftsprogramm Kino“, das Kulturstaatsministerin Monika Grütters aufgelegt hat. Rahnert geht leer aus. Der Grund? Der Waldkraiburger hat acht Säle gepachtet, das ist einer zu viel. Beide Programme ziehen die Grenze für eine Förderung bei sieben Kinosälen.
10000 Euro Kino-Sofortprämie gibt es über den Film Fernseh Fonds (FFF) Bayern. „Und dieses Geld ist nicht rückzahlbar“, betont der Kinobetreiber. Eine Menge in den kritischen Corona-Zeiten, die Kinos ohne jede Einnahme überleben müssen. Auch Rahnert könnte es gut brauchen. Doch es sieht nicht danach aus, dass er was vom Kuchen abkriegt. Die Einreichfrist ist bereits am 30. April abgelaufen. „Ein Kollege mit neun Sälen hat sich beworben, sein Antrag wurde abgelehnt“, sagt Rahnert. Er hat es gar nicht erst versucht. Denn auch der Freistaat habe sich die Sieben-Säle-Regelung des Bundes zu eigen gemacht.
So wie das „Zukunftsprogramm Kino“, das die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) aufgelegt hat, um Lichtspieltheater in Kleinstädten mit maximal 50000 Einwohnern zu fördern. Auch diese Mittel sind nicht rückzahlbar und für Filmtheater wie das Cinewood dringend notwendige Basis, um wichtige Modernisierungen vorzunehmen. „Ohne Förderung geht das nicht“, sagt Rahnert, der dabei ist, die Bestuhlung in seinem Haus zu erneuern und die Tontechnik auf Stand zu bringen. „Einen KfW-Kredit brauche ich ohnehin noch obendrauf. Den werde ich noch zehn Jahre mitziehen“, sagt er, um deutlich zu machen: „Wir sind Unternehmer. Wir schreien nicht nur nach Förderung, sondern bringen auch unseren Anteil ein.“
Rahnert will gerne zugestehen, dass die Filmförderung des Landes und des Bundes immer gute Partner der Kinos waren. Doch das Sieben-Säle-Kriterium verstößt aus seiner Sicht „gegen jeglichen Gleichheitsgrundsatz. Das ist eine unsinnige Regelung, die überdacht werden muss!“.
Das Cinewood ist kein Einzelfall. Nicht weniger als 25 betroffene Kinos in Bayern listet der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) in einem Schreiben an die Geschäftsführung des Film Fernseh Fonds auf, in Großstädten wie München, Augsburg und Nürnberg, aber auch in Amberg und Passau, in Erding und Eggenfelden, in Cham oder Coburg… Viele von ihnen sind in ihren Städten die einzigen Anbieter eines gemischten Programms für alle Altersgruppen und Filmpräferenzen. Und deshalb appelliert die HDF-Geschäftsführerin Christine Berg in einem Brief an Kulturministerin Monika Grütters, „in dieser historischen Notlage den Blick auf die gesamte Branche zu richten“. Das Zukunftsprogramm solle im Corona-Jahr 2020 auf alle Kinos, unabhängig von Größe und Standort, ausgedehnt werden. Auch Thomas Rahnert hat nach Berlin geschrieben, an die BKM im Bundeskanzleramt, und dringend darum gebeten, bei der Sieben-Saal-Regelung nachzubessern. Wenn das Ziel sei, internationale Kino-Ketten von der Förderung auszuschließen, dann könne dies doch auch durch das Kriterium „Inhabergeführt“ geschehen. Und allen Familienbetrieben wäre geholfen. Bislang hat er noch keine Antwort von Grütters. Die Antwort, die die Pressestelle des BKM auf eine Anfrage der OVB-Heimatzeitungen gibt, macht den Kinobetreibern wenig Hoffnung. „Eine Änderung des Sieben-Saal-Kriteriums ist derzeit nicht beabsichtigt“, heißt es in der Mitteilung. Die Kriterien für das Zukunftsprogramm, das einen Beitrag zur Sichtbarkeit des kulturell anspruchsvollen Kinofilms in der Fläche leisten wolle, seien mit den Ländern, die ergänzende Förderangebote bereitstellen, sowie den Kinoverbänden abgestimmt.
Staatsministerin Grütters arbeite laufend an weiteren Maßnahmen, um „passgenaue Lösungen anbieten zu können“. Zu weiteren Hilfen, die besonders auch Kinos zugutekommen sollen, sei Grütters mit dem Bundesfinanzministerium im Gespräch und „zuversichtlich, bald auch hier gemeinsam eine gute Lösung zu finden“.
Kulturbeauftragte
hält an Regelung fest
Konkreter wird die Pressestelle nicht. Rahnert hofft nun, dass die beiden Abgeordneten Stephan Mayer und Marcel Huber etwas in der Angelegenheit erreichen können. Sie haben sich der Sache angenommen. Und sind nicht die Einzigen, von denen er in dieser Krisenzeit Unterstützung erfahre. Rahnert nennt die Stadtwerke, die die Abschlagszahlungen für Strom ohne jede Diskussion sofort deutlich gesenkt haben.
Kein Problem sei es auch gewesen, das Leasing für zwei Projektoren für drei Monate auszusetzen. „Die Einzigen, die mich enttäuscht haben, sind die großen Filmverleiher. Die haben brav Mahnungen geschickt.“