Nachruf

von Redaktion

Kraiburg – Ein geselliger, musikalischer und sportlicher Mann war Heinz Ermler, der mit 98 Jahren nun still eingeschlafen ist.

Der Verstorbene wurde am 12. Januar 1922 in Wiesenthal, Kreis Gablonz, geboren. Er wurde bereits mit 18 Jahren eingezogen und diente bei der Marine, weshalb er das Kriegsende im hohen Norden erlebte. Da er in amerikanische Kriegsgefangenschaft gelangen wollte, machte er sich zu Fuß auf den Weg nach Bayern. Hier wurde er festgenommen und in das Lager Mettenheim eingewiesen.

Sein Dialekt fiel einem Mitgefangenen auf, der Heinz darauf hinwies, dass Landsleute von ihm in der Gegend von Kraiburg auf dem Straßer-Hof untergebracht seien. Heinz organisierte ein Fahrrad und machte sich auf den Weg.

Auf dem Hof angekommen, gab es ein schicksalhaftes Wiedersehen: Die Landsleute waren seine Eltern, und so lagen sich Vater, Mutter und Sohn überglücklich in den Armen.

Auf dem Hof lernte Heinz auch Therese Feichtner kennen, seine spätere Ehefrau, die ihm die Töchter Hildegard und Lieselotte schenkte.

Heinz Ermler war ein sehr geselliger Mensch. Er spielte in der Faustballmannschaft und war Leichtathlet mit respektablen Leistungen vor allem beim Diskus und Schleuderball. Über Jahrzehnte hielt er den Kreisrekord im Stabhochsprung.

Für den Jungen aus dem schneereichen Nordböhmen war Wintersport selbstverständlich. Beim Schlittschuhlaufen und Skifahren gehörte er zu den Besten des Vereins. Im Skispringen nahm er sogar an Wettkämpfen teil.

Zu Beginn der 70er-Jahre gehörte Heinz Ermler zusammen mit seinem Freund Willi Ruß zu den Mitbegründern des Tennissports im TV Kraiburg. Er erwarb als Erster den Trainerschein für die neue Abteilung. Die vorbildliche, technisch saubere Rückhand ist seinen Schülern bis heute geblieben.

In Musikerkreisen schätzte man den satten Klang seines Tenorsaxofons, und am Klavier spielte Heinz gelegentlich auch amerikanische Schlager, die er sich beim AFN oder bei RIAS-Berlin abgehört hatte.

Schöne, flotte Autos waren ein weiteres Hobby von ihm, weshalb er über längere Zeit zu den führenden Persönlichkeiten im MSC Waldkraiburg gehörte. Von seinem legendären BMW CS ist heute noch oft die Rede.

Im Beruf war Heinz Ermler ein echter Unternehmertyp. Im Feichtner-Haus am Käferberg zog er mit seiner Frau eine Zwischenmeisterei auf, in der Kinder- und Puppenkleider genäht wurden. Damals arbeiteten zahlreiche Frauen teils in Heimarbeit für ihn. Einmal gab es sogar einen Großauftrag über schwarze Plastikkrawatten für eine Eisenbahngesellschaft in Texas. Hauptsächlich produzierte er mit Willi Ruß mit der Firma ERCO Säcke und Planen.

Jetzt ist Heinz Ermler im Seniorenheim St. Nikolaus mit 98 Jahren friedlich eingeschlafen. Neben den Töchtern Hildegard und Lieselotte mit ihren Familien trauern viele Freunde aus der großen Sportlerfamilie des Turnvereins um den Verstorbenen. ek

Artikel 1 von 11