Aschau – Als Kopf einer jungen und frischen Gemeinde möchte Christian Weyrich auch die Strukturen im Rathaus auf Vordermann bringen. Seitdem der 41-jährige neue Bürgermeister von Aschau im Mai die Amtsgeschäfte übernommen hat, arbeitet er sich nicht nur fachlich ein und lernt nach und nach seine Mitarbeiter in ihrem jeweiligen funktionalen Umfeld bei der Feuerwehr, im Bauhof oder in den Schulen kennen, sondern krempelt auch sein eigenes um. Aschau soll unter seiner Ägide moderner werden.
Angefangen mit der technischen Ausstattung seines Arbeitsbereichs. „Als Erstes habe ich die Tische im Büro umgestellt und einen zweiten Monitor sowie ein Schnurlostelefon angeschafft“, erzählt der CSU-Mann, dem es besonders darauf ankommt, kommunikationsfähig und überall ansprechbar zu sein. Gerade in der aktuellen Corona-Krise, in der Austausch oft nur online vonstattengeht.
Jetzt richtig
anpacken
Im sommerlichen Hemd sitzt er an seinem Besprechungstisch und schaut sich im Raum um, der bald einen ganz anderen Anstrich bekommen soll. Hemd und Krawatte? Die werden nur dem Anlass entsprechend aus dem Schrank geholt. Christian Weyrich schmunzelt. Technisch auf dem neuesten Stand zu sein, darum gehe es doch; daran ist der Bundespolizeibeamte gewohnt, der für sein Bürgermeisteramt seinen ebenfalls fordernden Job auf Eis gelegt hat. Neu seien nun die Gestaltungsmöglichkeiten, die sich im Rathaus bieten: „Bei der Polizei ist man ein Rädchen im System. Viel Politik spielt da mit hinein“, sagt Christian Weyrich, der sich darauf freut, jetzt richtig „anzupacken“. Obwohl: Ein Schock sei es dann doch gewesen, nach rund 20 Jahren im Dienst seine Uniform an den Nagel zu hängen und – wegen Corona – keinen richtigen Abschied von den Kollegen zu nehmen. Der Polizei nachzutrauern, dafür blieb dem neuen Bürgermeister und zweifachen Familienvater aber keine Zeit – ging es doch gleich von null auf 100 hinein in die Herausforderungen der Kommunalpolitik.
Und hier hatte er es mit einigen Altlasten zu tun. „Es drängt sich schon der Eindruck auf, dass der alte Gemeinderat vieles geschoben hat.“ Weyrich runzelt die Stirn. Eine interne Umstrukturierung, Infrastrukturprojekte und so weiter. Ganz oben auf der Agenda: das umstrittene Gewerbegebiet Thann, das manchem der Anwohner aufstößt.
Der Ruf nach anderen Standorten, wie zum Beispiel am Industriegebiet, ist zu hören. Bei diesem Thema sei kommunikativ viel verschlafen worden, sagt Weyrich, der den Thannern einen ganz anderen Ansatz schmackhaft machen möchte. Eine kleinteilige und nachhaltige Infrastruktur mit Platz, Begrünung, Parkhäusern, die auch eine moderne Wohnkultur bietet. Der Bürgerentscheid im Juli wird zeigen, ob er bis dahin die Botschaft vermitteln kann.
Die Bürger mit ins Boot holen – darum geht es Christian Weyrich auch bei anderen Projekten bei einer modernen Ortsentwicklung. Konzepte, beispielsweise zum Pichlmeier-Areal, sollen offen und transparent erarbeitet werden. Baustellen gibt es einige. „Es geht darum, den Bürgern eine Plattform des gemeinsamen Austauschs zu bieten.“ Davon abgesehen hat sich der Bürgermeister vorgenommen, Verantwortung zu delegieren und auch die Gemeinderäte verstärkt mit einzubeziehen. Eine neue Geschäftsordnung für das Gremium ist in Arbeit.
Kontakt zu
den Betrieben
Apropos Plattform. Ohne eine funktionierende Wirtschaft und Gewerbesteuereinnahmen lassen sich freilich die schönsten Ideen nicht umsetzen. Das weiß auch Christian Weyrich. Daher sucht er in seinen ersten Amtstagen auch verstärkt Kontakt zu den ortsansässigen Betrieben, um zu fragen, wo bei ihnen der Schuh drückt.
„Der Shutdown scheint im Großen und Ganzen gut gemeistert zu werden“, resümiert Christian Weyrich. Für die Gastronomie müssten allerdings zeitnah kulante Lösungen gefunden werden.
Auch hier stößt der Bürgermeister an, die Digitalisierung zu nutzen, Online-Auftritte zu optimieren. „Die Gemeinde wird eine Plattform bieten, die unsere Betriebe nutzen können.“ Das Wichtigste sei, im Gespräch zu bleiben.