Quirlige Chefin mit Inka-Bause-Frisur

von Redaktion

Petra Fazekas leitet seit 25 Jahren Nähstube und Kleiderladen im AWO-Projektehaus

Waldkraiburg – Nein, sie managt nicht den Kleiderladen im Projekthaus der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Waldkraiburg, sondern verkuppelt weiterhin auf RTL liebeshungrige Bauern. Die Rede ist von Moderatorin Inka Bause, die der tatsächlichen Kleiderladen-Chefin Petra Fazekas typmäßig allerdings ein bisschen ähnelt. Zumindest wenn es um die Frisur geht, sind sich die beiden fast gleichaltrigen Damen offenbar einig.

„Die sogenannte Inka-Frisur trage ich jetzt schon seit zwei Jahren, weil ich sie total schick finde“, sagt Petra Fazekas und wuschelt in ihrem Haar. Vor nunmehr 25 Jahren trat die gelernte Bekleidungsfertigerin bei der Arbeiterwohlfahrt eine Führungsposition an. Die jetzt 50-Jährige leitet bis heute den Secondhandladen mit angegliederter Schneiderei. Eigentlich fing vor einem Vierteljahrhundert alles mit der Schneiderei an.

Damals gingen viele „Frauenjobs“ verloren

„Damals“, so erzählt Fazekas, „verloren viele Frauen ihre Arbeit, weil umliegende Bekleidungsfabriken ins Ausland zogen oder ihren Betrieb ganz aufgaben“. Das Arbeitsamt startete daraufhin in der Traunreuter Straße das Projekt Näherei, zu der auch ein überschaubarer Kleiderladen gehörte. Die Näherei beschäftigte in den Anfangsjahren abwechselnd mehrere Frauen, die reichlich mit Aufträgen eingedeckt wurden.

Die eigentlich so taffe Petra Fazekas rutscht direkt ein bisschen ins Melancholische ab, wenn sie sich an die Gründerjahre erinnert. „Die Schneiderei und der Laden sind so etwas wie meine Kinder. Ich habe die Abteilungen mit aufgebaut, da hängt einfach sehr viel Herzblut drin.“

Im Laufe der Zeit gab es aber immer weniger arbeitslose Näherinnen. Die Schneiderei schrumpfte daher zusehends. Näherei und Laden zogen um und fanden in der Emil-Lode-Straße 2 eine neue Heimat.

Mittlerweile sieht sich Petra Fazekas als Einzelkämpferin an der Nähmaschine, weil nur noch sie Hosen kürzt oder Röcke enger näht.

Den Spagat zwischen Nähstube und Kleiderladen schafft die 50-Jährige nach wie vor mit links, obwohl der Kleiderladen in den letzten Jahren so richtig Fahrt aufnahm. Heute können sich die zahlreichen Kunden, die sogar aus den umliegenden Landkreisen anreisen, auf einer Verkaufsfläche von über 200 Quadratmetern flotte Kinder-, Damen- sowie Herrenmode zu erschwinglichen Preisen aussuchen. Mit ein wenig Stolz in der Stimme erwähnt Fazekas einen weiteren Volltreffer im Kleiderladen, der aus jüngster Zeit stammt. „Wir bieten ab sofort auch Tracht und Abendmode an“, verkündet die Leiterin, die mit ihrem Team alles in Bewegung setzt, um die Kundschaft rundherum zufriedenzustellen.

Der Kleiderladen besitzt eine Seele, davon ist die Chefin überzeugt. Die angebotene Ware stammt übrigens ausschließlich aus gut sortierten Kleiderspenden. In Kommission wird nichts angenommen. Weil in den nächsten Wochen der 25. Geburtstag von Näherei und Kleiderladen ansteht, wartet das Team im AWO-Projektehaus mit pfiffigen Rabattaktionen auf. Laut Fazekas soll die Aktion wie ein Adventskalender aussehen: jeden Tag eine neue Überraschung.

Viele Aktionen zum 25-jährigen Bestehen

Will sich die quirlige Chefin einmal von ihrer Arbeit bei der AWO ausruhen, dann geht es daheim hinaus in den gemütlichen Garten. „Das ist meine Wohlfühloase“, schmunzelt die Kraiburgerin, die es sich im Liegestuhl bequem macht und dabei am liebsten historische Romane liest. Sportlich ist die 50-Jährige jedoch auch eine Granate. Sie gibt dann auf dem Tennisplatz ihr Bestes, egal ob es der Inka-Frisur schadet oder nicht.

Die Öffnungszeiten des Kleiderladens: Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr und am Freitag von 9 bi 17 Uhr. Wer zur Änderungsschneiderei will, sollte sich allerdings vorher unter Telefon 08638/888821 anmelden.

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