Waldkraiburg/Kraiburg/Aschau – Kein Chorgesang, Abstand und Desinfizieren: Seit 4. Mai sind Gottesdienste in Bayern wieder erlaubt. Doch die Gläubigen reagieren auch Wochen später noch verhalten auf das Angebot.
Wochenlang lagen die Kirchen in Bayern coronabedingt im Dornröschenschlaf: Gottesdienste wurden teilweise noch vor der Ausgangsbeschränkung abgesagt, ein Osterfest ohne Feierlichkeiten hatte es selbst zu Kriegszeiten nicht gegeben. Stattdessen gab es eine große Nachfrage an Fernseh-Gottesdiensten und Livestreams. Seit einigen Wochen dürfen nun wieder Gottesdienste gefeiert werden, doch ganz ohne Auflagen geht es auch hier nicht: Gläubige mit Mundschutz, Desinfektionsmittel-Spender am Eingang, Abstandsregelungen und Ordner an den Eingängen. In den Kirchen ist man noch weit entfernt von einem Alltag vor der Corona-Krise.
Kleine Kirchen sind noch geschlossen
Die Gläubigen dürfen zwar wieder zu den Gottesdiensten zusammenkommen, doch die Reaktionen sind verhalten. „Es ist kein großer Run auf die Gottesdienste“, sagt Pater Bernhard Stiegler, zuständig für den Pfarrverband Aschau und Waldkraiburg. Viele Kirchgänger seien Risikopatienten, entsprechend vorsichtig würden diese nach wie vor mit der Situation umgehen.
Auch der Pfarrverband hat zurückhaltend auf die Lockerung bei Gottesdiensten reagiert. „Wir haben anfangs nur in Christkönig und Maria Schutz in Waldkraiburg geöffnet, in Aschau in der Mariä-Himmelfahrt-Kirche und der Bunkerkirche geöffnet.“ Geschlossen blieben die kleinen Kirchen in den beiden Pfarrverbänden. Allerdings ist man auf die Wünsche der Gläubigen eingegangen, sodass seit vergangener Woche werktags im Wechsel auch in Pürten und St. Erasmus Gottesdienst ist. Weiterhin geschlossen bleiben aufgrund ihrer Größen die Kirchen in Ebing und Fraham. „Es ist schön, dass es wieder Gottesdienste gibt, aber ich bedauere die außerordentlichen Regelungen.“ Unter dem großen Aufwand leide auch die Qualität der Gottesdienste. Das Festliche fehlt dem Pater gänzlich: Kein Chorgesang, keine Gemeinsamkeit, keine Atmosphäre. „Die Gemeinde zu treffen, das ist für die Leute wichtig“, sagt Pater Bernhard Stiegler. Doch ein Gemeinschaftsgefühl kommt in Corona-Zeiten nicht auf.
Auch Pfarrer Michael Seifert aus Kraiburg bedauert die Auflagen. Für ihn kommen die Gottesdienste in Corona-Zeiten einer Herausforderung gleich. „Ich stehe vorne und blicke in vermummte Gesichter.“ Eine Reaktion oder die Mimik der Kirchenbesucher ist damit für ihn nicht erkennbar.
Auch im Pfarrverband Kraiburg zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. „Die Leute sind verhalten. Es ist nicht so, dass uns die Türen eingerannt werden“, sagt Pfarrer Michael Seifert. Bei den Gottesdiensten in Kraiburg seien in der Kirche nicht mal die Hälfte der verfügbaren Plätze belegt. Die Kapazitäten in Taufkirchen und Grünthal werden besser genutzt, allerdings stehen hier auch weniger Plätze zur Verfügung.
Klickzahlen
gehen nicht zurück
Obwohl in Waldkraiburg und Aschau bislang keine Werbung für Gottesdienste gemacht wurde, werden die Kapazitäten in den Kirchen gut ausgenutzt. „Ich bin dennoch froh, dass die Gottesdienste nicht überlaufen sind“, sagt Pater Stiegler.
Maskenpflicht, Abstand halten auf den Kirchenbänken und keine Gemeinschaft: „Die Gottesdienste sind nicht so, wie man es sich vorstellt. Es ist ein Blumenstrauß an Gründen, wieso weniger Menschen gerade in die Kirche kommen“, sagt Pfarrer Seifert.
Statt den Gottesdienst analog zu erleben, boomen unverändert Fernsehgottesdienste und Streaming-Angebote. Selbst nach der Lockerung gehen die Klicks über die Homepage des Pfarrverbands Kraiburg nicht zurück. „Im März hatten wir auf die Online-Angebote 148 Zugriffe, im April 4600 und im Mai bislang 6000“, sagt Seifert.