Waldkraiburg – Rathaus-Neubau oder Rathaus-Sanierung? Neben dem Waldbad ist das noch ein Millionen-Projekt, das Bürgermeister und Stadträte seit Jahren beschäftigt. Jetzt hat sich der Stadtentwicklungsausschuss eindeutig positioniert: Die Mehrheit, elf Mitglieder, will einen Planungswettbewerb ausschreiben, mit dem Ziel, ein neues Rathaus zu bauen, und gleichzeitig einenIdeenwettbewerb durchführen, der Entwicklungsmöglichkeiten für den
Sartrouville-Platz und den Stadtplatz aufzeigt.
Sanierung wird nicht mehr weiter verfolgt
Drei Stadträte sind dagegen. Weil der Neubau teuerer kommt, hätten sie lieber gesehen, dass der Planungswettbewerb alternativ auch die Rathaus-Sanierung umfasst. Auf Antrag der SPD-Fraktion hatte sich der Stadtrat im Dezember noch dafür entschieden, auch die Variante Sanierung weiter zu verfolgen. Mit dem neuen Beschluss wäre die vom Tisch. Die endgültige Entscheidung liegt beim Stadtrat.
Beim Rathaus und vor allem der dazu gehörigen Tiefgarage besteht aufgrund des schlechten Zustands der Bausubstanz akuter Handlungsbedarf. Doch eine isolierte Betrachtung des sanierungsbedürftigen Sichtbetonbaus aus den 1970er-Jahren greift zu kurz. Es geht um die attraktive Neugestaltung des Zentrums, im besten Fall um eine Initialzündung, die durch ein „Leuchtturmprojekt Rathaus“ in Gang gesetzt werden soll. In diesen Kontext stellt Bürgermeister Robert Pötzsch die Entscheidung über die Zukunft des Rathauses.
Er erinnerte an den ISEK-Prozess, in dem herausgearbeitet worden sei, dass die Trennung von Sartrouville- und Stadtplatz durch die Tiefgarage zwischen Hotel und Rathaus für eine Belebung des Platzes sehr hinderlich ist. Eine bessere Anbindung des Sartrouville-Platzes habe höchste Priorität, auch um die Attraktivität dieses Einzelhandelsstandortes zu verbessern und den Trading-Down-Effekt bis hin zum Leerstand bei den Geschäftseinheiten zu brechen. Während diese Zusammenhänge schon seit Längerem in der Diskussion sind, tun sich aufgrund aktueller Entwicklungen neue Perspektiven für das Umfeld des Rathauses auf. Zum einen wegen des anstehenden Eigentümerwechsels bei privaten Objekten und wegen Anfragen von investitionsbereiten Immobilienbesitzern. Zum anderen weil es für das Gebäude, das vom Brandanschlag am Sartrouville-Platz gezeichnet ist, eine Lösung braucht. Diese Bedürfnisse soll der Ideenwettbewerb städteplanerisch aufgreifen.
„Wir haben jetzt einmalig die Chance, größere Veränderungen anzugehen“, sagte Carsten Schwunck. Der Leiter der Stadtentwicklungsabteilung zeigte die bestehenden Defizite von der mangelnden Schaufenstergestaltung bis zu den Ladengrößen auf, die nicht zukunftsfähig seien. Es brauche eine bessere Gliederung und Fassung des Sartrouville-Platzes.
Das bestehende Rathaus sei nicht mehr zukunftsfähig. „Die Stadt wird weiter wachsen und damit auch die Stadtverwaltung.“ Schwunck zeigte nicht nur die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung von Dächern, Fassaden, Innenräumen und Decken sowie im Technikbereich auf. Er machte deutlich, dass damit der derzeit bestehende Gebäudecharakter, der typisch für die 1970er-Jahre ist, sich durch eine neue glatte Gebäudehülle völlig verändert. „Das Rathaus ist dann nicht mehr der Zeitzeuge wie bisher.“
Argumente für
den Neubau
Neben diesen Argumenten nannte Schwunck weitere Vorteile, die für einen Neubau vor dem bestehenden Rathaus, direkt am Stadtplatz, sprechen. Sartrouville-Platz und Stadtplatz wären dann auf einem Niveau, der Stadtplatz räumlich gefasst, der Sartrouville-Platz angebunden. Ein neues „Erstes Haus am Platz“ könne image- und identitätsstiftend wirken. Mit dem Abbruch des alten Rathauses wird Platz für neue Wohnungen im Zentrum geschaffen. Und: Bis der Neubau steht, könnte die Verwaltung im alten Rathaus weiter arbeiten. Das wäre bei der Sanierung anders.
Sanierung
wäre billiger
Nach den vorliegenden Schätzungen kommt der Neubau allerdings bei der Herstellung auf 23,4 Millionen Euro. Das sind 4,4 Millionen Euro mehr, als für
die Sanierung veranschlagt sind. Berücksichtigt man die Betriebskosten auf 30 Jahre, stehen 38,4 Millionen für die Sanierung 40,5 Millionen für den Neubau gegenüber. Beim Neubau werden die Möglichkeiten bei der Kostensteuerung durch Einflussnahme in der Planung als größer eingeschätzt.
Für den Realisierungswettbewerb zum Neubau und den Ideenwettbewerb für das Umfeld warb Schwunck mit den Worten: „Wir wollen alle, dass Waldkraiburg eine Stadtmitte bekommt, die Waldkraiburg verdient.“
Verkehrsreferent Harald Jungbauer (CSU) ist wichtig, dass in die Planungen ein Konzept für den ruhenden und fließenden Verkehr mit einbezogen wird. Es gehe nicht nur darum, die Tiefgaragen-Stellplätze zu erhalten, auch über ein zentrales Parkhaus müsse nachgedacht werden. Dr. Frieder Vielsack, UWG-Fraktionssprecher, stellte sich voll hinter das Vorhaben: „Wir sind auf einem fantastischen Weg.“ Ganz praktische Gründe brachte er gegen die Sanierung vor: Die Verwaltung könne nicht ein Jahr lang auf einer Baustelle arbeiten. Der Neubau eröffne viele Möglichkeiten für eine positive Entwicklung der Innenstadt. Ein Detail: „Ich hätte gerne den Maibaum wieder auf dem Stadtplatz.“
Richard Fischer, Fraktionssprecher der SPD, hätte gerne „die Frage der Sanierung“ im Wettbewerb berücksichtigt. Bei einem Unterschied von drei bis vier Millionen Euro zum Neubau „müssen wir über die Finanzen nachdenken. Wir brauchen dieses Geld für unsere Pflichtaufgaben.
„Was können wir uns leisten, was nicht?“ CSU-Fraktionsvorsitzender Anton Sterr treibt diese Frage ebenso um. Die Prioritäten lege der Stadtrat auf Investitionen für Kinder. Den Ideenwettbewerb für die Stadtmitte hält er gleichwohl für „absolut sinnvoll, um neue Wege gehen zu können“. Und auch das steht für ihn außer Frage: „Der Neubau eines Rathauses schafft wesentlich bessere Möglichkeiten für die Entwicklung der Innenstadt.“
Gegen die Stimmen von Richard Fischer, Martina
Arnusch-Haselwarter (SPD) und Charlotte Konrad (CSU) sprach der Stadtentwicklungsausschuss die Empfehlung an den Stadtrat aus, die Wettbewerbe auf den Weg zu bringen.