Freundschaft über Kontinente hinweg

von Redaktion

Michael Heindl bekommt seit 17 Jahren regelmäßig Briefe aus Sri Lanka

Waldkraiburg – Rund 8000 Kilometer liegen zwischen ihnen. Zwei Kontinente, religiöse, sprachliche und kulturelle Unterschiede trennen sie – und doch verbindet sie eine tiefe Freundschaft: Michael Heindl aus Pürten und Shirani aus Sri Lanka schreiben sich seit 17 Jahren Briefe. Gesehen haben sie sich ein einziges Mal.

Jeder Brief aus Sri Lanka ist sorgfältig in einem Aktenordner abgeheftet. Viele von ihnen umfassen ein einziges DIN-A4-Blatt, das zusammengefaltet zugleich der Briefumschlag ist. „Keinen einzigen habe ich bisher weggeworfen“, erzählt Michael Heindl. Neben ihm liegen auch Bilder der Frau aus Sri Lanka und deren Familie.

Bis zu zwei Wochen dauerte es damals, bis ein Brief die 8000 Kilometer lange Distanz überwunden hatte. Heute geht dank Internet alles viel schneller.

Die Stadt hilft
bei der Suche

Als Michael Heindl vor 17Jahren Urlaub in Sri Lanka macht, trifft er bei einem Ausflug im Sinharaja-Regenwald Shirana, die dort als Führerin gearbeitet hat. In einem Gespräch erzählt sie ihm davon, dass sie eine Brieffreundin aus Deutschland hat. Das Treffen blieb ihm auch nach seiner Abreise im Kopf und so versucht er, sie ausfindig zu machen. Sein einziger Anhaltspunkt war die Stadt: „Ich habe an die Stadt geschrieben und erklärt, wen ich suche“, erinnert sich Heindl. So kommt es, dass sich er und Shirana mittlerweile seit 17 Jahren Briefe schreiben.

„Wir haben uns über die Briefe richtig kennengelernt und daraus hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt“, sagt Heindl. Über all die Zeit tauschen sie sich darüber aus, was los ist, was einen bewegt, auch Bilder der beiden wechseln den Kontinent.

Die Jahre vergehen, viel passiert: Beide feiern Hochzeit, die Kinder werden geboren und wachsen heran. Beide Familien wissen um die langjährige Brieffreundschaft, aber es bleibt eine Freundschaft zwischen den beiden. Schon lange muss er nicht mehr bis zu zwei Wochen warten, bis er Nachricht aus Sri Lanka bekommt. E-Mail und Skype erleichtern die Kommunikation enorm. „Jetzt tauschen wir uns viel mehr über Informationen aus, aber auch über Belanglosigkeiten“, sagt er. In den 17 Jahren hat er viel über die Kultur und Bräuche in Sri Lanka gelernt, im Gegenzug hat er Shirani Videos von Goaßlschnoizer oder vom Maibaumaufstellen geschickt. Ein kultureller Austausch über Kontinente hinweg.

„Es ist eine ehrliche Freundschaft, und die will ich nicht einschlafen lassen“, sagt Heindl. Er erfährt viel Privates von ihr, aber auch Sorgen bleiben ihm nicht verborgen. Vor knapp drei Jahren hat nach einer größeren Regenzeit ein Erdrutsch Schaden in Shiranis Dorf angerichtet. Über Wochen hinweg gab es weder Strom noch Wasser. Michael Heindl war es ein großes Anliegen, zu helfen. Unter Arbeitskollegen, in der Familie und bei Freunden bittet er um Spenden für das Dorf. 420 Euro kommen auf diese Weise zusammen, von dem Geld werden unter anderem Schulsachen und Klamotten für die Betroffenen gekauft.

Persönlich nur
einmal begegnet

Auch in Zeiten von Corona hat diese Freundschaft nicht an Wert verloren. „Trotz Ausgangsbeschränkung konnte ich die Freundschaft genauso weiter pflegen wie zuvor.“ Die Situation in Sri Lanka war ähnlich: Schulen waren geschlossen, nur einmal pro Woche durfte Shirani zum Einkaufen gehen. Allmählich lockere sich die Situation wieder.

Aus Briefen und Mails kennen sich die beiden sehr genau, begegnet sind sie sich nur ein einziges Mal: „Es ist seltsam: Wir haben uns nur einmal kurz gesehen und trotzdem haben wir eine so enge Freundschaft.“ Gesehen hat er Shirani seitdem bislang nicht wieder, vor einem Internet-Telefonat scheut er sich bisher. „Das Gespräch in den Mails kommt immer wieder darauf, dass wir sie in Sri Lanka besuchen sollen.“

Geklappt hat es bisher nicht, irgendwann will er aber wieder nach Sri Lanka reisen. Dann würden sich auch die beiden Familien kennenlernen.

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