Wechsel an Spitze des Pfarrverbandes

von Redaktion

Pater Kirchmann übernimmt Waldkraiburg in Zeiten des Personalnotstands

Konzentriert sich ab September auf den Pfarrverband Aschau: Pater Bernhard Stiegler, der seit 2015 auch den Pfarrverband Waldkraiburg leitet.

Waldkraiburg/Aschau – Im Jahr 2030 gibt es im Pfarrverband Waldkraiburg nur noch zweieinhalb hauptamtliche Seelsorgsstellen. So sieht es der Stellenplan vor, mit dem das Erzbistum auf den dramatischen Priester- und Seelsorgermangel reagieren muss. Während sich in vielen Pfarrverbänden die Situation – noch – etwas günstiger darstellt, nimmt Waldkraiburg die prekäre Personallage vorweg. Schon heuer erreicht der Pfarrverband das Niveau von 2030. „Wir hatten ja schon immer eine Vorreiterrolle“, sagt Wolfgang Hintereder. Der Vorsitzende des Pfarrverbandsrates will sich nicht damit abfinden.

Am 1. September
Wechsel an der Spitze

Am 1. September steht im katholischen Pfarrverband ein Personalwechsel an: Pater Bernhard Stiegler, der den PV Waldkraiburg seit fünf Jahren in Personalunion mit Aschau leitet, wird dann nur noch für den Nachbar-Pfarrverband verantwortlich sein. Die Leitungsaufgaben in Waldkraiburg gehen auf Pater Walter Kirchmann über, der seit zwei Jahren als Pfarrvikar in der Stadt tätig ist.

Die Personalverantwortlichen in der Diözese und der Salesianerprovinzial Pater Reinhard Giesing haben diese Entscheidung getroffen. Sie würdigen damit das Engagement Kirchmanns und berücksichtigen die Tatsache, dass Stiegler heuer bereits 64. Geburtstag feiert. Er habe um Entlastung gebeten, so Stiegler, der in den vergangenen Jahren seine Kräfte in etwa zur Hälfte auf Aschau und Waldkraiburg verteilen musste. „Die Waldkraiburger hatten den Eindruck, ich sei immer in Aschau, und die Aschauer hatten auch das Gefühl, ich sei zu oft weg“, sagt er.

Die neue Lösung bietet Vorteile. Pater Kirchmann (54), der aus der Studentenseelsorge kommt und bereits PV in Würzburg und Augsburg leitete, muss kein „Pfarrverbandshopping“ betreiben. Er kann sich voll auf Waldkraiburg konzentrieren. Das wird auch nottun, bei der Größe und enormen Vielfalt, die den Pfarrverband aus Sicht des Paters prägt. So multikulturell die Stadt ist, so vielfältig ist der PV mit seinen gut 11500 Katholiken in vier Pfarreien, von der kleinen Landgemeinde Ebing bis zur riesigen Stadtgemeinde Christkönig. Kirchmann kann nach zwei Jahren ermessen, wie groß die Herausforderung ist, in der Familienpastoral etwa, in der Ministranten- und Jugendarbeit, in vielen anderen Bereichen. „Ich bin gerne bereit, diese Herausforderung anzunehmen und meinen Teil beizutragen.“

Die Last, die auf den Schultern des Pfarrverbandsleiters ruht, ist größer geworden. Denn die Besetzung einer Gemeindereferentenstelle, auf die Pater Stiegler im Vorjahr große Hoffnungen gesetzt hatte, hat sich endgültig zerschlagen. Ende 2020 soll ein Pater, der ebenfalls den Salesianern angehört, als neuer Pfarrvikar das Pastoralteam verstärken. Dass ein zweiter Pater kommt, wertet Kirchmann im Blick auf die Situation des PV als Zugeständnis der Diözese an Waldkraiburg und an den Orden. Zu den beiden Patres kommt Diakon Gregor Vorhauser mit einer halben Stelle. Pater Ulrich Heroven hat sein 75. Lebensjahr kürzlich vollendet. Wie andere Salesianerpatres aus Waldwinkel wird er in der Übergangszeit in Waldkraiburg aushelfen.

Der Stellenplan für 2030 sieht für den Pfarrverband nur noch eine Priesterstelle vor. Die als Ziel vorgegebenen 2,5 Seelsorgerstellen sind im Pfarrverband schon jetzt erreicht.

Schon jetzt fast auf
dem Niveau von 2030

„Wir lassen uns voll auf den Neustart ein“, sagt Wolfgang Hintereder, Vorsitzender des Pfarrverbandsrates, zum bevorstehenden Personalwechsel. Allerdings sei der Pfarrverband bereits heute fast auf dem Niveau von 2030. In der ganzen Umgebung sei das noch nirgendwo der Fall. Damit will, damit kann er nicht zufrieden sein. „Das ist nicht der große Wurf, den wir uns vorgestellt haben.“ Der Abgang von Gemeindereferent Michael Wagner habe eine große Lücke hinterlassen.

Hintereder setzt Hoffnungen in die sogenannten Funktionsstellen, die der Stellenplan den 15 Pfarrverbänden im Landkreis zuordnet. Das sind je 1,5 Stellen für Jugendpastoral, für Krankenpastoral und Seniorenpastoral, die künftig enger mit den Pfarreien verbunden sein sollen. Jeweils eine halbe Stelle davon sieht der Vorsitzende des Pfarrverbandsrates in Waldkraiburg. „Wir brauchen jemanden vor Ort, im Schulzentrum, bei den jungen Leuten, der auch mal was mit der Landjugend macht. Und wir brauchen jemanden, der Zeit hat für Senioren und Kranke.“ Hintereder erwartet, dass das Ordinariat die Pläne mit den Funktionsstellen noch konkretisiert.

Die Stunde der
Ehrenamtlichen

Weit über 2500 Kinder und Jugendliche besuchen in Waldkraiburg eine Schule, rechnet Pater Stiegler vor. Da sei eine Schulpastoral- oder Jugendpastoralstelle in der Stadt „angebracht“, findet der Ordensmann. Kaum anders verhalte sich die Situation bei den Senioren. Deutlich über 500 Plätze gibt es allein in den Seniorenheimen. Der Pater: „Was da alles möglich und wichtig wäre.“

Stiegler wie Hintereder glauben, dass noch nachverhandelt werden kann, werden muss. „Wer gute Konzepte hat, kann was erreichen“, so der Salesianer. Sein Mitbruder Kirchmann hält es für geboten, „eine Frau in das Team zu holen“.

Im Übrigen, daran haben weder die Patres noch Hintereder Zweifel, hat in der Kirche längst die Stunde der Laien geschlagen. Dem trägt die Arbeit an einem Pastoralkonzept Rechnung, die in vielen Pfarrverbänden im Gange ist (Info-Kasten). Er nehme die neue Aufgabe an, so Kirchmann, in der Hoffnung, dass sich viele Ehrenamtliche finden, die ihre Gaben und Fähigkeiten einbringen. In der Corona-Krise sieht er dafür positive Ansätze. Dass Ehrenamtliche aktiv geworden seien, Ideen eingebracht hätten, in einem Seniorenheim spontan liturgische Feiern angeboten hätten, macht ihm Mut.

Pastoralkonzept für Pfarrverband

Seit einem Jahr arbeitet auch der Pfarrverband (PV) Waldkraiburg an einem Pastoralkonzept. Es geht darum, das Handeln der Kirche vor Ort neu auszurichten, um wieder relevant zu werden, auch für Menschen außerhalb der Kirche. Dazu sollen Möglichkeiten und Fähigkeiten, die es im PV gibt, ebenso analysiert werden wie Grenzen, die die Personallage vorgibt. 2021 soll ein Ergebnis vorliegen, „wie wir besser Kirche in der Welt von heute sein können“, so Pfarrverbandsratsvorsitzender Wolfgang Hintereder. Dazu wurde eine Steuerungsgruppe eingerichtet, die sich damit beschäftigt, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen, ob völlig Neues angegangen und Überkommenes aufgegeben werden soll. Der Gruppe gehören die Patres Bernhard Stiegler und Walter Kirchmann sowie die Pfarrgemeinderäte Annette Gibis, Karolina Dotzauer (Christkönig), Maria Regler, Udo Kesselgruber (Maria Schutz), Claudia Anzinger und Wolfgang Hintereder (Pürten/St. Erasmus) an.hg

Der Pfarrverband Aschau heute und morgen

Pater Bernhard Stiegler wird ab 1. September wieder seine ganze Arbeitskraft für den Pfarrverband Aschau einsetzen können, den er seit dem Jahr 2014 leitet. Marcus Schahmann, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates Aschau, begrüßt dies ausdrücklich.

Rund 2700 Katholiken gehören zu den Pfarreien Aschau, Aschau-Werk und Fraham. Noch ist der Pfarrverband, dem eine volle Priesterstelle und eine halbe Stelle der Patres in Waldwinkel zugeordnet sind, in einer günstigen Situation. In zehn Jahren sieht der Stellenplan des Ordinariats eine halbe Priesterstelle für den Pfarrverband vor.

Auch Schahmann weiß natürlich, dass es an allen Ecken und Enden an hauptamtlichen Seelsorgern fehlt. „Schnitzen können wir uns die Pfarrer nicht“, sagt er. Trotzdem kann er sich nicht vorstellen, wie eine halbe Stelle für Aschau reichen soll. „Meines Erachtens ist das zu wenig.“ Schon jetzt sei klar, dass der Pfarrer nicht in allen drei Pfarreien Eucharistie feiern kann. Deshalb ist der Pfarrgemeinderatsvorsitzende überzeugt, „dass wir den Leuten heute schon sagen müssen, dass der Pfarrer nicht jede Woche kommen kann.“

„Es wird mehr Wortgottesdienste geben müssen. Wir sind da schon auf einem guten Weg“, sagt Schahmann im Blick auf Fraham und Aschau-Werk. In beiden Gemeinden gibt es jeweils zwei Wortgottesdienstleiter, die sich abwechseln. „Es müssen mehr werden. Und das muss sich auch in der Hauptkirche etablieren.“hg

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