Auf Sicht fahren

von Redaktion

Im Corona-Modus: Fahrschulen nehmen Betrieb wieder auf – Erste Prüfungen

Waldkraiburg – Eigentlich wollte Antonia Ebenhöh zu ihrem 17. Geburtstag im April den Führerschein bereits in der Tasche haben. Ohne Corona-Krise wäre das für die junge Waldkraburgerin auch überhaupt kein Problem gewesen. Als eine der letzten Schüler von Tina & Fabi’s Fahrschule konnte sie noch im März die Theorie-Prüfung absolvieren. Dann kam der Shutdown. Jetzt, nach der Öffnung der Fahrschulen, war Antonia eine der Ersten, die durch die „Praktische“ ging.

Ein paar Fahrstunden mehr genommen

Etwas Bedenken, ob sie nach der Pause wieder in die Fahrroutine und in den Unterrichtsstoff hineinfinden würde, hatte die Schülerin schon. Ein paar Fahrstunden mehr habe sie genommen, dann lief es wieder rund für Antonia, die obendrein im Juli ihren Realschulabschluss machen will. Über den digitalen Unterricht habe sie sich ohnehin „selbst managen müssen“; die Verkehrsregeln wiederholen konnte sie über eine Lern-App.

„Etwas Selbstdisziplin muss man schon haben. Aber es klappte gut“, erzählt Antonia, die ihr Ziel auch während der Corona-Ferien stets im Blick hatte. Mit ihrer großen Motivation steche die Fahrschülerin allerdings schon aus der Masse heraus, sagt Fahrlehrer Fabian Walgenbach. Das große Freiheitsgefühl sei heutzutage nicht mehr mit dem Erwerb eines Führerscheins verbunden, denn die meisten machen den Schein doch bereits mit 17 – und da ist noch begleitendes Fahren angesagt.

Präsenzunterricht nicht zu ersetzen

Trotzdem: Viele der Fahrschüler waren während des Shutdowns verunsichert, ob und wie es weitergehen wird. Manche der betroffenen Eltern haben sogar angeboten, Geld im Voraus zu überweisen, damit die Fahrschule über die Zeit kommt, erinnert sich Tina Walgenbach, die davon sehr berührt war.

„Wir waren doch sehr überrascht, zu den Bildungseinrichtungen zu gehören, die schließen mussten!“ Ad hoc mussten Kurse abgesagt, Prüfungen auf Eis gelegt werden. Und dann blieb über Wochen die Unsicherheit. Alles, was sie an Informationen seitens der Behörden und Stellen erhalten hatten, gaben sie an die Schüler weiter. Abwarten. Auf Online-Kurse zur Überbrückung haben die Walgenbachs verzichtet.

„Den Präsenzunterricht kann man dadurch nicht ersetzen – auch rechtlich nicht. Das hätte keinem genutzt“, ist sich Fabian Walgenbach sicher. Die Anforderungen an die Fahrschüler heute seien so gewachsen, da bringe stures Auswendiglernen einfach nichts. Der Austausch mit der Klasse und dem Lehrer über knifflige Verkehrssituationen sei im Theorie-Unterricht immens wichtig. Wie man diesen nach dem Shutdown angemessen gestaltet, darum ging es den Walgenbachs. Man habe die Zeit genutzt, um an einem Unterrichtskonzept zu arbeiten, das den Corona-Vorsichtsmaßnahmen gerecht wird.

Riesiger Andrang seit Ende des Shutdown

Seit 11. Mai gibt es nun auch den Unterricht in der Fahrschule wieder – auch wenn bei Behörden und TÜV die Prüfungsterminierung noch nicht so rund läuft. Man fährt auf Sicht und muss notfalls eben umswitchen.

Der Andrang ist allerdings riesig. Sobald die Walgenbachs den Termin in den Social Media veröffentlicht hatten, kamen Anfragen ohne Ende. „Das war dann doch eine Erleichterung, wusste doch keiner, wie das Geschäft unter den schwierigen Bedingungen wieder anläuft.“

Den Blick auf das Organisatorische hat derzeit besonders die schwangere Tina, die sich aufgrund ihrer persönlichen Situation auch aus gesundheitlichen Gründen zurückhält. „Fabian hat mich zunächst acht Wochen in Quarantäne geschickt!“ Im Nachhinein können die beiden über die skurrile Situation lachen.

Brille und Mundschutz am Steuer einProblem

Und jetzt? Unterricht im Corona-Betrieb: Die Unterrichtsräume in der Brünner Straße sind zwar geräumig, sodass mit eineinhalb Metern Abstand immer noch 15 Schüler Platz haben; Gruppenarbeiten sind aber tabu. Im Fahrzeug der obligatorische Mundschutz. Als Brillenträgerin ist das für Antonia Ebenhöh keine einfache Übung. „Ich bin während der Fahrt so konzentriert und blende das einfach aus.“ Man muss eben mit den Gegebenheiten zurechtkommen. Und bei der Fahrprüfung die Ruhe bewahren.

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