Waldkraiburg-St. Erasmus – Gläser, Besteck, Geschirr, Leuchter – auf den Tischen im Nebenzimmer des „Adria Grill“ ist kaum noch ein freies Plätzchen. Alles ist vollgestellt. Und mitten drin: Jožica und Janez Smogavc. 17 Jahre lang haben die Wirtsleute von St. Erasmus das Restaurant geführt, zur großen Zufriedenheit ihrer Gäste und der vielen Vereine, die froh waren, noch ein richtiges Dorfgasthaus zu haben. Doch jetzt räumt die Wirtsfamilie das Feld. Aus is und vorbei.
Ende des Monats läuft der Pachtvertrag aus, den der Eigentümer nach Differenzen mit dem Pächter nicht mehr verlängert hatte. Ein neuer Wirt ist nicht in Sicht. (Siehe Kasten)
Ein Wirt wie gemacht für Waldkraiburg
„Es hat schon weh getan, als wir wussten, es geht zu Ende“, sagt Jožica Smogavc. Und: „Je mehr wir ausräumen, um so wehmütiger wird man.“ Er habe sich damit abgefunden, meint dagegen ihr Mann Janez, um im selben Moment zu ergänzen: „Klar wären wir gerne noch zwei, drei Jahre geblieben, vielleicht sogar länger.“
Ja, es hat gepasst zwischen den Smogavc‘ und St. Erasmus. So wie es zuvor droben in der Stadt gepasst hatte. 1994 hatte der gelernte Koch aus Maribor zusammen mit seiner Frau die „Aschauer Stuben“ im Super 2000 übernommen.
Für Janez Smogavc, der zuvor zehn Jahre in einem Gastronomiebetrieb in München gearbeitet hatte, ging mit der Selbstständigkeit ein Traum in Erfüllung. Seine Frau Jožica, die schon seit 1971 in Waldkraiburg lebt, hatte ihm die volle Unterstützung versprochen. Nur bedienen wolle sie nicht, habe sie ihm damals gesagt. Längst macht sie natürlich auch das.
Im Super 2000 ist es gut gelaufen. „Wir wären dort geblieben“, sagt Janez Smogavc, wäre das Einkaufszentrum nicht umgebaut worden. Die Wirtsleute übernahmen das Gasthaus in St. Erasmus. „Hier war es auch gut, sogar besser.“
Die Gäste der „Aschauer Stuben“ haben sie einfach mitgenommen. „Die ersten Taufen von oben hatten wir hier unten bei der Hochzeit“, lacht Janez.
Zur Zufriedenheit der Gäste und Vereine
„Wir haben uns hier gut integriert“, sagt die Wirtin. Alle Vereine habe man wieder zurückgeholt. Weihnachtsfeiern, Christbaumversteigerungen, Geburtstage und Familienfeste, kirchliche Feiern, Kommunion, Konfirmation. Auch das Maibaum-Aufstellen hat der Wirt aus Slowenien gepflegt. Das letzte Brauchtumsstangerl, dessen Stumpf noch vor der Tür steht, hat er gestiftet.
Kein Wunder, dass die Vereine aus St. Erasmus und Pürten Sturm liefen, als im Herbst bekannt wurde, dass der Pachtvertrag nicht mehr verlängert werden sollte. „Mitm Janez is aufwärts ganga. Des is hoit a Wirt, der mog die Geselligkeit“, so Franz Mittermeier vom Krieger- und Soldatenverein. Er spricht vielen aus der Seele. Feuerwehr und Eisschützen, Landjugend und Radlerverein hätten die Wirtsleute gerne gehalten.
Sie müssen sich jetzt andere Lösungen suchen. Denn der Abschied ist unwiderruflich. Und die Wirtsfamilie, zu der auch die Söhne Benjamin, der das Hotelfach gelernt hat, und Restaurantfachmann Marko gehören, räumt nun Küche und Gasträume aus.
So viel Arbeit und Geld haben sie ins Lokal gesteckt, alles selbst eingerichtet, 2005 sogar angebaut, um größere Gruppen bewirten zu können.
„Die ganze Küche vom kleinen Löffel bis zum Kombidämpfer gehört uns“, sagt Janez Smogavc. Alles muss raus. Lampen, Schränke. Stühle. Drei der vier Räume wird er komplett leer übergeben, fünf alte Tische und zwei Eckbänke zurücklassen.
Teilweise sind die Sachen schon verkauft, manches muss eingelagert werden. Denn in Corona-Zeiten ist es nicht einfach, Abnehmer zu finden.
Ein Neustart kommt nicht mehr in Frage
Angebote, ein anderes Gasthaus zu übernehmen, gab es genug. Kaum war bekannt geworden, dass der Pachtvertrag ausläuft, „stand das Telefon nicht mehr still“, sagt Smogavc. Doch einen Neustart schließen die Wirtsleute aus. Er ist 58, sie 56. „In unserem Alter fängt man nichts Eigenes mehr an.“
Zwei, drei Monate wollen sie Urlaub machen, ausruhen. Dann werden sie weitersehen. „Wenn‘s langweilig wird, finden wir eine Beschäftigungsmöglichkeit.“ Zum Beispiel bei Verwandten in Slowenien, die Hotels und Restaurants haben, oder im Haus der Kultur, wo Sohn Benjamin das Bistro führt, aber nicht sicher ist, dass im Herbst wieder ein geregeltes Kulturprogramm und ein normaler einträglicher Veranstaltungsbetrieb beginnen kann.
Corona hat auch das Abschiedsfest im Adria Grill verhindert, das sie so gerne mit den Stammgästen gefeiert hätten. Trotz der jüngsten Lockerungen haben sie das Restaurant nicht mehr aufgemacht, Speisen zum Mitnehmen gab es seit März, das letzte Mal an diesem Wochenende.