Wasserburg – Ohne Riemen- und Dollenbruch konnte der Ruderverein Babensham (RVB) die „erste Ruderregatta rund um den Inselmarkt Wasserburg“ durchführen. Die Besetzung war mit 21 Booten aus Österreich, der Tschechei, Ungarn und Deutschland international. Für eine Premiere klappte die Organisation hervorragend. Mehr als 120 Ruderer und Steuerleute wurden betreut, verpflegt und zum Teil auch untergebracht. Der Start erfolgte beim Clubhaus in der Odelshamer Au, das Ziel befand sich knapp unterhalb der alten Innbrücke. Hier informierten Peter Drews, Vorsitzender des RVB, und sein Kassenverwalter, Johann Schindler, über eine Lautsprecheranlage die Zuschauer, die es sich auf dem Inndamm bequem gemacht hatten, über die Besetzung der Boote, Zeiten und ruderspezifische Eigenschaften. Bei der Siegerehrung am Nachmittag waren in der großen Bootshalle nur noch Stehplätze zu bekommen.
„Die Kinder sind bei uns mit Sicherheit innerlich ein Stück kräftiger geworden“, so die Bilanz von Reinhold Henninger, evangelischer Pfarrer von Wasserburg und einer der Hauptorganisatoren der Tschernobyl-Aktion. Seit einer Woche sind die 83 Kinder wieder daheim in Schgun in Weißrussland. Vier Wochen lang konnten sie sich in der Umgebung von Wasserburg von ihrer strahlenverseuchten Heimat erholen. Bei der Verabschiedung der Gäste flossen Tränen – auf beiden Seiten. „Wir würden gerne wiederkommen“, sagten die weißrussischen Kinder, die sich nach einer Eingewöhnungszeit von gut zehn Tagen in ihren deutschen Familien sehr wohl fühlten. Verbesserungen erhoffen sich die Veranstalter bei den russischen Betreuern. Henninger: „Es waren zu viele, aber zu wenige, die deutsch konnten.“ So war die seelische Betreuung der Kinder nicht immer einfach. Sie zogen sich oft zurück und setzten sich still auf ihr Bett. „Und dann konnte keiner fragen, woran es lag.“ Die Kinder waren durch die Strahlenbelastung sehr oft müde und hatten Kopfweh. „Dennoch sieht man ihnen nicht an, dass sie alle krank sind.“ Darauf hätten wir uns besser vorbereiten können“, meint der Pfarrer.
Weitere Meldungen in der Woche vom 31. Juli bis zum 6. August 1992:
Bonn – Eine Verkleinerung des Bundestages von derzeit 662 Abgeordneten um 165 haben CDU-Parlamentarier Otto Hauser und Klaus-Jürgen Hederich gefordert. Dies wäre ein wichtiger Schritt, „um in der Bevölkerung wieder mehr Vertrauen für die Politik zu gewinnen“, meinten die Unionspolitiker. Es sei mit jährlichen Einsparungen von 70 Millionen Mark zu rechnen. So könne die Politik klarmachen, dass ihr Sparkurs auch „vor den eigenen Interessen nicht haltmacht“.
München – Die Austrittswelle aus den Kirchen hat in einigen Regionen Deutschlands den höchsten Stand der Nachkriegszeit erreicht. In einem vertraulichen Positionspapier der Evangelischen Kirche in Deutschland werden für 1991 regionale Steigerungsraten von mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert. Die kirchlichen Autoren begründen diesen Trend unter anderem mit der zusätzlichen Belastung der Bürger durch den Solidaritätszuschlag.
Eilat – Eine Unterwassergeburt ganz besonderer Art planen Wissenschaftler in Israel. Delfine sollen den werdenden Müttern in ihren schweren Stunden beistehen. Die Forscher hatten beobachtet, dass Delfin-Teams bei Delfin-Geburten vorbildliche Geburtshilfe leisten. Dieses Können möchten sich Experten jetzt auch bei Menschengeburten zunutze machen. Sechs schwangere Britinnen sollen ab September täglich in einer Bucht des Roten Meeres baden, um eine Beziehung zu den freundlichen Meeressäugern aufzubauen. Die Geburt selbst soll dann in einem Spezialbecken in Anwesenheit der Delfine stattfinden.
Düsseldorf – Die Unzufriedenheit der deutschen Industrie über die schulische Ausbildung der Berufsanfänger nimmt zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage bei den 50 größten deutschen Konzernen und Banken. Als besondere Schwachstellen der Schulabgänger stellten sich immer öfter „mangelhafte Kenntnisse in den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen heraus“.
Hamburg – Kühlschrank in Not: Die Umweltorganisation Greenpeace wirbt in einer Kampagne für den von einem ostdeutschen Unternehmen entwickelten, weltweit ersten FCKW-freien Kühlschrank. Fluorchlorkohlenwasserstoff gilt als ein Zerstörer der Ozonschicht. Die Berliner Treuhandanstalt will das Unternehmen liquidieren, wenn ein Wirtschaftsgutachten dem Hersteller keine guten Marktchancen einräumt. Greenpeace fordert, die Firma zu retten.