Erinnerungen an Opa Otto Geigenberger

von Redaktion

Er ist Weltbürger, aufgewachsen in München, überall auf der Welt herumgekommen. Viele Jahre lebte er mit seiner Familie auf Mallorca. In Wasserburg aber war Michael Geigenberger in all den Jahren immer wieder. „Wasserburg ist meine Stadt, ich mag sie gern“. Das erste Mal war er als kleiner Bub in Wasserburg, in dem Haus, wo sein Opa, der berühmte Maler Otto Geigenberger, lebte, ehe es ihn in die Welt zog.

Wasserburg – Michael Geigenberger, der Malerenkel, hat viele Erinnerungen an die Ausflüge von München nach Wasserburg, die Tanten Ningen und Base lebten in dem Geigenbergerhaus nahe der Max-Emanuel-Kapelle, wo Generationen von Geigenbergers schon gewohnt und gearbeitet hatten.

Kindererinnerungen an Tage bei den beiden Tanten im Geigenbergerhaus

Steinmetz war Michael Geigenbergs Uropa, er weiß heute noch ganz genau wie seine Werkstatt aussah. Wenn Michael, meistens mit seinem ein Jahr älteren Bruder Johannes und Vater Hanns Otto Geigenberger, auf Besuch nach Wasserburg fuhr, hatten die Tanten Ningen und Base schon die riesige Torte fertig, dann ging es hinaus in den Garten, „damals mit vielen Obstbäumen und Beerensträuchern, wir liebten es“, erzählt Michael Geigenberger. Und er erzählt von dem Schock für ihn damals, als das Hochwasser kam und die Kartoffeln plötzlich herumschwammen, „der Stromzähler knapp drüber“.

Längst hat das „Geigenbergerhaus“ einen anderen Besitzer, „hätte ich gewusst, dass es zum Kauf ansteht, hätte ich es erworben“, sagt Michael Geigenberger. Da war er ein paar Jahre nicht da. Schlicht nicht da war er auch, als die Bilder vom Opa verkauft wurden, in den 60er- und 70er-Jahren für Minimum 30000 Mark. Sieben Aquarelle und zwei Ölbilder hat er dann doch wiedergefunden und erworben.

Er habe eine super Kindheit gehabt, auch in München. Den Eltern, Vater Hanns Otto Geigenberger und, nachdem die leibliche Mama weg war, mehreren Stiefmüttern, sei egal gewesen, „was wir Kinder getrieben haben“.

Was Michael Geigenberger, Jahrgang 1943, als Kind so gemacht hat, darunter so ziemlich alles, wo es eine Mark zu verdienen gab, hat er aufgeschrieben. Sein erstes Buch im Eigenverlag heißt „Mutter, es reicht!“ – Das Tagebuch. Schon die erste Stiefmutter zeigte den beiden Buben, dass sie sie nicht mochte. Die folgenden Stiefmütter wollten die nun schon älteren Brüder nur aus dem Haus haben. Michael suchte sich Jobs, verdiente da und dort, richtig gut als Filmstatist oder im Zirkus Krone bei einem Auftritt. Er lernte viele Leute kennen, als er 17 war auch ein Mädchen, das malte. Tja, der Opa konnte es ja ganz gut, also malte auch Michael – und verkaufte das Bild prompt in Freiburg für 700 Mark. Zeit zum Malen blieb aber wenig, bei all den Unternehmungen des Teenagers Michael Geigenberger. In Sachen Kunst aber entdeckte er die Radierung, die Technik faszinierte ihn und er besuchte eine Schule, um die 50 Radierungen schuf er, „leider alle verloren gegangen“.

Michael Geigenberger ist Anfang 20 und unterwegs wie sein Vater. Weihnachten droht, von der Familie meldet sich keiner mehr. Er erinnert sich an seine alte Adler-Schreibmaschine und schreibt einen Brief an seinen 1946 in Ulm verstorbenen Großvater. Was er ihm geschrieben hat, ist in „Mutter, es reicht!“ nachzulesen. Unter anderem: „Ich weiß noch ganz genau, dass ich neben dir saß, du hast ein Ölbild gemalt, du hast den Pinsel genommen und mir einen Punkt auf die Nase gemalt. Dein Lockenkopf ist mir gut in Erinnerung. Du hast mir auch erklärt, wie man ein Haus zeichnet. Auf einem großen Blatt Papier durfte ich üben“. Das und noch vieles schreibt er dem Großvater, „es war eine Art Selbstgespräch, Opa war wohl so was wie ein Ersatzgesprächspartner“, sagt Michael Geigenberger heute dazu. Es habe wohl einiges aufzuarbeiten gegeben.

Der Vater Hanns Otto Geigenberger wie auch dessen Zwillingsschwester Anneliese Bilger-Geigenberger, die in Ulm lebte, hatten eine künstlerische Ausbildung in München erfahren. Anneliese malte modern, bekannt wurde sie als Hinterglasmalerin, „sie hatte große Ausstellungen, gestaltete Hausfassaden mit verrücktesten Glasinstallationen“, erzählt Michael Geigenberger.

Der Vater, studierter Kunstmaler und Grafiker, verdiente nach dem Krieg sein Geld mit einem Reisebüro und langen Reisen nach Ägypten, Griechenland und anderen Zielen, kurz hatte er in den 60er-Jahren eine Filiale in Wasserburg. Vor allem aber verdiente er sein Geld mit alten Autos, die meisten holte er in der damaligen Tschechoslowakei und verkaufte sie für gutes Geld.

Im Reisebüro machte Sohn Michael seine Lehre, baute es später aus zu einem florierendem Unternehmen. Er heiratete seine Petra, ebenfalls aus der Reisebranche. Anfang der 90er-Jahre übernahmen sie ein Projekt auf Mallorca, es folgten Trainingcamps für Tennisasse aus Deutschland und Ausrichtungen von Golfturnieren. Dann noch einmal was Neues, der Aufbau eines Einrichtungsgeschäft der Frau, einer Handelsvertretung von Michael Geigenberger, Ende 2008 war dann Schluss, der Sohn übernahm. Das Ehepaar Geigenberger zog nach Dießen am Ammersee. „Ich wollte zurück, ich war und bin ein Bayer und werde immer ein Bayer bleiben“.

Am Ende seines Buches schreibt der Enkel 2008 nochmals dem Opa. „Deine wunderschönen Bilder sind in bekannten Kunsthäusern wie in der Lenbachgalerie und dem Haus der Kunst. Dein Geburtshaus in Wasserburg wurde leider einem Fremden verkauft. Aber es gibt eine Allee in Wasserburg und eine Straße in München mit deinem Namen. Das alles hat deine Frau Chelion noch für dich in Bewegung gebracht Bis dann… Dein Enkel Michael mit Frau Petra, Tochter Michaela, Sohn Sebastian und wiederum deren Kindern“.

Kunst und Künstler

in Bewegung bringen

Der Otto-Geigenberger-Weg in Wasserburg ist der Spazierweg entlang des Inns, der Skulpurenweg, wo heute eine neue Skulptur gefeiert wird. Dass die „Isis“ von Leonhard Schlögel nach Wasserburg kam, hat Michael Geigenberger in Bewegung gebracht, er wird heute dort sein. „In Bewegung bringen“ möchte er Kunst und Künstler, er unterstützt Künstler auf dem Weg, Kunst an Leute zu bringen mit seiner „Agentur für neuzeitliche Kunst“. Senior-Berater für den AK68, das könnte er sich auch vorstellen, „der AK68 ist bekannt und anerkannt“.

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