Vorstandsvorsitzender der Sparkasse wAsserburg verabschiedet

„Adieu, Servus, macht‘s es guad!“

von Redaktion

Er wollte keinen großen Abschied. Da hatte Richard Steinbichler immer wieder gesagt. Das war aber Feuerwehr, Stadtkapelle und Theaterkreis egal, sie sorgten dafür, dass Steinbichler an seinem letzten Arbeitstag nicht einfach so die Bürotür hinter sich und seiner rechten Hand Marlies Wimmer zumachte.

Wasserburg – Feuerwehrautos behinderten am Montagnachmittag den Verkehr in der Rosenheimer Straße. Aufmerksame Passanten bemerkten die Ausgehuniformen der Wehrler, die Musiker der Stadtkapelle und die Stadtknechte des Theaterkreises. Mit der Drehleiter holte die Feuerwehr Richard Steinbichler aus seinem Büro im obersten Stockwerk – nach einmal tief Durchatmen kletterte er zu Kreisbrandmeister Stephan Hangl in den Korb und ließ sich hinunterfahren. Dahin, wo all die standen, die ihn verabschieden wollten. Auch wenn er keine große Lobhudelei wünschte.

Und weil er dies nicht wollte, verraten wir nicht, dass er in seinen 31 Jahren im Vorstand der Sparkasse Wasserburg, davon 17 als Vorsitzender, eine Steigerung der Bilanzsumme des Sparkasse von 311 Millionen Euro auf 1,05 Milliarden Euro mit verantwortete, dabei zweimal die Milliardengrenze knackte – 1992 noch in Mark und 2016 in Euro. Wir geben auch nicht bekannt, dass die Sparkasse in den letzten 17 Jahren unter Steinbichler rund drei Millionen Euro an Spenden und Sponsorengeldern in der Region vergab, zwei Stiftungen, für Soziales und Kultur, unter seiner Regie installiert wurden. Die eine weiter Million Euro ausschütteten.

Wir erzählen auch keinem, dass Steinbichler mit sieben Landräten aus den Landkreisen Rosenheim (Dr. Max Gimple, Josef Neiderhell und Wolfgang Berthaler), Mühldorf (Erich Rambold und Georg Huber) und Erding (Xaver Bauer und Martin Bayerstorfer) zusammenarbeitete sowie mit zwei Wasserburger Bürgermeistern (Dr. Martin Geiger und Michael Kölbl) und 20 verschiedenen Verwaltungsräten.

Es geht auch keinen etwas an, dass Steinbichler ein Vorstandsvorsitzender war, dessen Tür immer offen stand, dass er für jeden, der ein Anliegen hatte, auch ohne Termin fast immer zu sprechen war. Dass er sich in Tweedjacket, Trachtenjacke oder Polo-Hemd wesentlich wohler fühlte als im Business-Anzug, seine Schottenkaro-Krawatten dem Bürgermeister schenkte, weil er sie nicht mehr braucht, das muss auch keiner wissen. Dass mit den Krawatten und einer alten Blechspardose, die er Kölbl ebenfalls verehrte, die Mahnung einherging, bloß gut auf „seine“ Sparkasse aufzupassen, das berichten wir ebenso wenig wie über seine Erleichterung ob Kölbls Reaktion „Fusion?!? Mit mir nicht!“

Wer den begeisterten Fahrradfahrer Richard Steinbichler kennt, der weiß sowieso schon, dass er zu Vorständetagungen und Ähnlichem in München die letzten Kilometer bevorzugt per Rennrad zurücklegte – oder mit diesem im Sommer mittags an den Penzinger See strampelte. Das brauchen wir nicht gar nicht zu schreiben.

Wir verraten auch keinem, dass Richard Steinbichler ein Familienmensch ist, seine Frau Renate sowie die längst erwachsenen und wohlgeratenen Kinder Jakob und Franziska bei ihm Mittelpunkt stehen. Neben seiner Frau – aber auch das erzählen wir nicht – konnte er nur beim Basketball nicht sitzen, da stand er vor lauter Anspannung lieber unter dem Korb und feuerte die Damen ganz unvorstandsmäßig an.

Es geht auch niemanden etwas an, dass Richard Steinbichler Herr über eine Tomatenplantage mit unzähligen Sorten in allen Größen, Formen und Farben ist, etliche seiner Mitarbeiter mit Pflänzchen versorgte. Und das auch in Zukunft tun möge, wie ihn diese mitteilten. Dass neben den Tomaten viele Zitronenbäume stehen, das verraten wir auch nicht. Und dass sein neuestes Hobby die Imkerei ist, das erfahren Nichteingeweite erst 2018, wenn der Rentner Steinbichler seinen nagelneuen Imkerhut abgenommen hat und die Produkte seiner fliegenden Mitarbeiterinnen von der Klosterauer Honig GmbH, Marke „Steinis Bester – Garser Limonenhonig“, in den nebst Etiketten geschenkten Gläsern verteilt.

Was wir verraten: Dass Richard Steinbichler, der keinen großen Bahnhof wollte, so gerührt war, dass ihm Vereine und Mitarbeiter nicht gehorchten, dass er bei der einen oder anderen Ansprache schlucken musste. Dass er verkündete, er habe dieser Stadt so unendlich viel zu verdanken und sei deswegen immer froh gewesen, wenn er sich hätte revanchieren können. Und dass er – ausgerechnet am Weltspartag, wie sein Kollege und Nachfolger Peter Schwertberger bemerkte – Abschied nehme von einer unglaublichen Sparkasse mit einer Belegschaft, die man lange suchen könne und doch nicht finde. Sprach‘s, haute mit seinem Lions Club-Freund Andreas Burlefinger von der Stadtkapelle nochmal kräftig auf die Pauke und hatte wie immer das letzte Wort: „Adieu, Servus, macht‘s es guad!“

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