Wasserburg – Längere Zeit wurde spekuliert, was das eiserne Gestell vor der evangelischen Christuskirche für einen Zweck habe. Am Reformationstag konnten schließlich die zahlreichen Besucher des Gemeindenfestes sehen, dass an gleicher Stelle nun eine keilförmige Skulptur steht.
Sie wurde als letztes gemeinsames Werk geschaffen von Ute Lechner und dem im September verstorbenen Hans Thurner und samt Unterkonstruktion ausgeführt von der Schmiede Reich. Der ‚Cuneus 1517‘, so die eingravierte Bezeichnung, soll mit der weiteren Aufschrift „Sola Scriptura; Sola Gratia; Sola Fide und Solus Christus“ an die vier reformatorischen Grundsätze erinnern.
Katrin Meindl, die für den Kirchenvorstand die Ansprache zur Enthüllung der Skulptur hielt, verwies vor allem auf die Bedeutung der Keilform, welche die Reformation als Einschnitt von weltgeschichtlicher Bedeutung mit einer Geste darstellen könne. Der Keil, von Ute Lechner und Hans Thurner als äußere Gestalt hierfür ausgewählt, symbolisiere dieses komplexe Phänomen Reformation. Er sei auch keine harmlose Figur, sondern verbunden mit der Vorstellung großer Wucht ein Signal der Reformation, die nicht als harmlos zu betrachten sei, habe sie doch schließlich zu einer Cäsur des Christentums geführt.
Damit sei auch gleichzeitig die Frage beantwortet, ob man nicht besser eine Luther-Statue hätte aufstellen sollen. Nur auf die historische Bedeutung der Gestalt Luthers mit einem solchen Denkmal zu verweisen, wäre anlässlich des 500. Jubiläums nämlich zu wenig gewesen. Künftig sei jedem Betrachter die Möglichkeit geboten, das zu sehen, was er im Cuneus 1517 in Anlehnung an Frank Stellas Satz „What you see, is what you see!“ selbst erkenne. Kunst und Kirche gehörten schließlich schon immer zusammen, so Katrin Meindl.
Im Besonderen könne und solle die Kraft des Mutes aber in der Skulptur erkannt werden, der nötig war ,die reformatorischen Grundsätze damals zu verbreiten. Als sichtbares Zeichen hierfür seien diese mit „Cuneus 1517“ nun auch in Wasserburg für unwiderruflich erklärt. kr