Wasserburg – Seniorenreferentin Friederike Kayser-Büker hatte in ihrem Referentinnenbericht Alarm geschlagen: Im Altenheim auf der Burg ist nicht alles so, wie es die Fachstelle für Qualitätsentwicklung, besser bekannt als Heimaufsicht, haben will. Zum Beispiel erfülle das Rufsystem nicht mehr die notwendigen Kriterien „Es gibt Bereiche auf der Burg, da hören und sehen Sie als Pflegekraft nicht, wenn ein Bewohner das Rufsystem betätigt“, so die Seniorenreferentin, hauptberuflich Lehrerin an der Schule für Altenpflege in Altenhohenau. Ein funktionierendes Rufsystem sei jedoch eine elementare Grundvoraussetzung, um ein Altenheim betreiben zu dürfen. Und das Rufsystem sei nicht die einzige Baustelle.
„Wir haben bisher schon 1,5 Millionen Euro investiert – und das ist kein Pappen-
stiel.“ Gerhard Schloots
Aktuell aber wohl die dringendste, so sieht es Jonas Glonnegger, Vorstand der Stiftung Attl, die das Altenheim auf der Burg betreibt. Die Rufanlage sei 40 Jahre alt, es gebe Probleme mit den Ersatzteilen, in einigen Gemeinschafts-, Therapie- und auch Sanitärräumen sei gar keine Rufanlage vorhanden, „das heißt, die Leute können nur auf die Toilette, wenn jemand vom Personal dabei ist“, so Glonnegger. Eine voll funktionsfähige Rufanlage müsste bis Jahresende installiert sein, das wisse die Kreishandwerkerschaft, Besitzer der Burg, auch schon seit Februar, geschehen sei bisher nichts.
„Wir installieren doch keine neue Rufanlage für 200000 Euro, wenn wir nicht wissen, ob die Stiftung Attl den Vertrag über 2021 hinaus verlängert“, so Kreishandwerksmeister Gerhard Schloots. Sonst habe man investiert und dann werde die Burg zur Jugendherberge oder zum Hotel und die Rufanlage werde nicht mehr gebraucht. Für ihn sei die Rufanlage kein großes Thema. Es zwicke zwar immer wieder mal, aber da sei der Elektriker permanent dran. Im Januar oder Februar stünden Gespräche über die Vertragsverlängerung an, wenn dann klar ist, dass verlängert wird, dann werde auch entsprechend investiert. Und zwar kräftig. „Wir haben bisher schon 1,5 Millionen Euro investiert – und das ist kein Pappenstiel“, so Schloots.
Handläufe, Verbrühschutz und Ähnliches seien gemacht, so Schloots, die Bäder barrierefrei zu gestalten gehe nur, wenn ein Zimmer gerade nicht belegt sei. Dann geschehe auch dieses Zug um Zug. „Wir sind im ständigen Kontakt mit der Fachstelle für Qualitätsentwicklung, bisher gab es da keine größeren Probleme.“
Dass in einem mehrere hundert Jahre alten Gebäude der Betrieb eines Altenheimes schwieriger – und wegen des größeren Personalaufwands auch teurer – ist, als in einem Neubau, das ist allen Beteiligten klar. Und es gebe auch immer wieder Ausnahmeregelungen. Auf Antrag. „Da brauchen wir aber von der Kreishandwerkerschaft schriftlich, was wann gemacht wird, erst dann können wir den entsprechenden Antrag stellen“, so Glonnegger. Und da hapere es.
Als Knackpunkt kristallisiert sich in den Gesprächen mit den Beteiligten heraus, dass nicht klar ist, wie es nach 2021 weitergeht.
Die Kreishandwerkerschaft scheut große Investitionen, bevor die Stiftung Attl den Vertrag nicht verlängert. Und die Stiftung Attl mag sich auf eine Vertragsverlängerung nicht festlegen, bevor es nicht ganz feste Zusagen für diese Investitionen gibt.
Erschwerend kommt hinzu, dass beide Parteien die Zusammenarbeit als „schwierig“ bezeichnen, die Kommunikation zwischen Kreishandwerkerschaft und Stiftung Attl nicht wirklich gut ist. Fehlender Ansprechpartner hier, Redeverbote dort – das macht den Alltag nicht leichter, die Wege länger.
Was der Seniorenreferentin Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Denn, so Friederike Kayser-Büker: „Eines muss allen Akteuren – der Stiftung Attl, der Kreishandwerkerschaft, dem Denkmalschutz und auch der Stadt – klar sein: Wenn die Betriebsgenehmigung einmal entzogen wird, dann wird das Altenheim auf der Burg Geschichte sein. Eine neue Betriebsgenehmigung wird es nicht geben.“