Babensham/Amerang/San Bernadino – Die meisten Menschen haben einen Sehnsuchtsort und für den europäischen Motocrossfahrer sind es die verschiedenen Trainingsgelände in Kalifornien, die es in ihrer Weitläufigkeit hierzulande nicht gibt. Der Sport ist dort sehr populär und wird ganz anders vermarktet. Daher können zum Beispiel ganze Gebiete oder Täler im „Freeride“-Style befahren werden.
Das Gelände von Glen Helen nimmt eine Sonderstellung im Motocross ein: Alle wichtigen nationalen und internationalen Rennen wurden dort schon ausgetragen. „Die Lage der Strecke am Übergang aus der Wüste des San Bernadino Valleys in die besonders steil aufragenden San Bernadino Mountains ist schlichtweg atemberaubend“, so Kerstens. Für ihr Lay-out bedeute es enorme Höhenunterschiede, lange Sprünge, sandiger Boden und viel, viel Platz. „Die Einheimischen nennen es einen ,tough-track‘, der mit jeder Runde und jedem Tag schwieriger zu befahren ist, erklärt Kerstens.
Hier nun trafen sich rund 1300 Fahrer aus 20 Nationen, um in einem viertägigen Festival of Speed ihre Meister zu ermitteln. 1984 wurde dieses wichtigste Seniorenrennen der Welt das erste Mal ausgetragen. Im Gedenken an seinen Erfinder Tom White, in den Staaten auch „Vater des Motocross’“ genannt, der fast zeitgleich zur 33. Austragung nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb, wehten die zahlreichen Flaggen an der Strecke auf Halbmast.
Ab einem Alter von 30 Jahren zählt man hier für die Einteilung in die einzelnen Rennklassen zu den Senioren. Sie werden durch Fünf-Jahresschritte und die Kategorien Anfänger, Fortgeschrittene und Experten beschrieben. So kommen rund 25 Wettbewerbe zusammen. Dazu gibt es die Rennen der sogenannten Pro-Fahrer, den ehemaligen Werksfahrern, im Alter von 40 und 50plus.
Am Wochenende davor fand schon ein Rennen der speziellen wöchentlich ausgetragenen Glen-Helen-Serie statt, in dessen Verlauf sich die oberbayerischen Motocrosser an die Bedingungen der Strecke gewöhnen konnten. Harti Weyerer, in den 90er-Jahren mehrfacher deutscher Meister und Teilnehmer bei den regulären Weltmeisterschaften, finishte hier auf den zweiten Platz. Christian Kerstens, der erst später in den Rennsport einstieg, dann aber Siege und Platzierungen bei den südbayerischen Motocross-Meisterschaften und der German Cross-Country-Meisterschaft für sich verbuchen konnte, belegte den ersten Platz. Beide Fahrer starteten in ihrer Altersklasse bei den fortgeschrittenen Fahrern.
„Die Lage der Strecke ist schlichtweg atemberaubend“ Christian Kerstens
Die guten Ergebnisse waren Motivation am folgenden Wochenende in der jeweils höchsten Amateurklasse zu starten. Für Weyerer bedeutete das die Wertung bei den Experts 45plus und für Kerstens bei den Experts 55plus. Die Bedingungen auf dem ohnehin schon höchst anspruchsvollem Racetrack wurden durch Regen noch weiter erschwert. Unter anderem verlangten die für diesen Rundkurs typischen weiten Brems- und Beschleunigungswellen und die sich ausfahrenden Spurrillen den Fahrern alles ab. Weyerer kam bei beiden Wertungsläufen hervorragend vom Start weg und sicherte sich schließlich einen dritten Platz in der Gesamtwertung. Kerstens erreichte – trotz mittelmäßigen Starts – einen zweiten Gesamtplatz in seiner Klasse.
Besonders motiviert wurden die beiden Rennfahrer durch eine Überraschung: Zwei Mitglieder des MCE, Vanessa Habl und Christian Petz, reisten extra über den großen Teich und standen als Helfer und moralische Unterstützung zur Verfügung.