Wasserburg – Gespannt hatten die Zuhörer im Gemeinderat auf diese Abstimmung gewartet: Mit 9 zu 8 Stimmen entschied man sich für das weitere Verfahren, dass sich Pfaffing und Albaching trennen und eine Verwaltungsgemeinschaft bilden. Wenn auch manche nicht verstehen, warum sich eine leistungsstarke Kommune in zwei schwache aufteilen soll, so lautete der allgemeine Tenor im Gemeinderat, „wenn eine Trennung, dann möglichst schnell“.
Doch mit einer schnellen Abstimmung wollten sich nicht alle Gemeinderäte anfreunden. Die Bürger sollten erst einmal befragt werden, sie müssten über die Folgen der Trennung informiert sein und über die Vermögensverteilung sei überhaupt noch nicht gesprochen worden.
Trotz stattfindender Abstimmung ist die Diskussion noch lange nicht ausgestanden, denn der Beschluss ist eigentlich ungültig. Das neue Gesetz zur Trennung von Gemeinden zu einer Verwaltungsgemeinschaft schreibt eine Zwei-Drittel-Mehrheit vor. Damit kann die Entscheidung der Pfaffinger Gemeinderäte nicht mehr als ein Signal an die „Herren oben“ verstanden werden, dass das Interesse vorhanden ist und nun etwas passieren muss.
Zwischen Edling und Wasserburg entsteht neues Gewerbegebiet
Zwischen Edling und Wasserburg entsteht ein neues Gewerbegebiet. Der Wasserburger Stadtrat segnete die Pläne der Verwaltung ab, dort weitere 75 000 Quadratmeter an Firmen auszuweisen. Die Hälfte davon will Wasserburg bevorzugt an einheimische Firmen verkaufen, die aussiedeln oder sich vergrößern wollen.
Aus ökologischen Gründen und um die Ortschaften Reitmehring und Edling voneinander zu trennen, soll sich im Osten ein 350 Meter breiter Grüngürtel an das Gebiet anschließen. Prinzipiell wurde die sich nun auftuende Möglichkeit zur Aussiedlung von Betrieben von allen Fraktionen im Stadtrat begrüßt. Manche Stadträte befürchteten aber einen auf Dauer zu hohen Landverbrauch und die Gefahr, die freien Flächen zu schnell zu „verramschen“. Jörg Prantl erinnerte unter anderem an einen Radweg entlang der B 304, der im Zuge der Planungen verwirklicht werden könnte.
Weitere Meldungen in der Woche vom 13. bis zum 19. November 1992:
Berlin – Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen hat in Berlin der Prozess gegen Ex-DDR-Staatschef Honecker und fünf weitere Spitzenfunktionäre wegen der Schüsse an der Mauer begonnen. Nach 45 Minuten wurde die Verhandlung vertagt, da der ehemalige Ministerpräsident Stoph wegen eines Herzanfalls nicht erschienen war.
Einer Umfrage zufolge findet die Mehrheit der Deutschen, in Westdeutschland 59 Prozent und in Ostdeutschland 51 Prozent, den Prozess richtig.
Suwanee – Affen benutzen verschiedene Klangfarben und Frequenzen für die Warnungen vor bestimmten Gefahren, können zwischen den Stimmen ihrer Artgenossen unterscheiden und sprechen in Affenfamilien ihren eigenen Dialekt. Das haben die Wissenschaftler Harold und Sarah Gouzoules nach zwei Jahrzehnten Forschung an der Affensprache herausgefunden. Nach Meinung der Experten könnte die komplexe Affensprache den Schlüssel zu den Ursprüngen der menschlichen Sprache liefern.
Bonn – Sündteuer und trotzdem voller Pfusch: Der neue Plenarsaal des Bundestags in Bonn scheint ein Musterbeispiel für Baumängel geworden zu sein. Weil die Öffnungsautomatik nicht zuverlässig arbeitet, sollen Politiker schon beim Hineingehen gegen die hochmodernen Glas-Schiebetüren geprallt sein. Auf den Zuhörerbänken droht Gefahr wegen überstehender Stufen, an den spitzen Ecken der Glasgeländer wurden Holzeinfassungen vergessen und die gesamte Lautsprecheranlage muss überarbeitet werden.
Erlangen – Das „Erlanger Baby“, das in Deutschland wochenlang kontroverse Diskussionen auslöste, ist tot. Der viereinhalb Monate alte Fötus im Körper einer hirntoten Schwangeren verstarb im Universitätsklinikum in Erlangen. Alle Maschinen, mit der die Körperfunktionen der 18-jährigen Mutter 40 Tage lang aufrechterhalten wurden, sind inzwischen abgeschaltet worden.
Während die Ärzte die Entscheidung, das Leben der 18-jährigen Frau bis zur Geburt des Kindes künstlich zu verlängern, nun verteidigten, übten Politiker, Frauenbeauftragte und Wissenschaftler zum Teil scharfe Kritik an dem „Experiment“ der Universitätsklinik in Erlangen.
Nürnberg – Unter dem Weihnachtsbaum im Jahr 1992 wird Futuristisches wie Nostalgisches gleichermaßen liegen. Ganz oben auf den Wunschzetteln dürften nach Einschätzungen der deutschen Spielwarenbranche Troll-Figuren, Kindermodeschmuck in Schnuller-Form, Modelleisenbahnen und Baukästen stehen. Computerspiele im Taschenkalenderformat sollen bei der Bescherung zahlreiche Kinderaugen leuchten lassen. Zudem hat im Wettlauf auf die Gabentische alles gute Chancen, was den Kindern das Thema Umwelt nahebringen soll.